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Fünfter Band.
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Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 285

hatten, sofort zu dem Herrn Europas machen würde, damit eben ein solcher Herrunter den freien Völkern der germanischen Stämme nicht entstehen solle? Oder sollUns der Gedanke trösten, daß wir noch in der ersten Kindheit unserer politischenEntwickelung stehen, wie man uns so oft sagt, nachdem wir doch seit tausend Jahren"der Schwerpunkt Europas gewesen sind? Doch es ist unnütz, hier solche Frageniu untersuchen. Nur daß es schwer genug ist, sie nicht zu stellen angesichts dieserzweijährigen Geschichte der Herzogthümer Schleswig-Holstein, die uns wie kein an-drer Theil der deutschen Geschichte gelehrt hat, wie Großes dieses Deutschland injedem seiner einzelnen Theile vermag, wie wenig es vermag als Ganzes.

Wir nehmen unsere Darstellung aus dem Punkte auf, wo unser letzter Artikel sieverlassen hat, nach dem Gefechte bei Bau in den ersten Tagen des April. *) Wirwollen zunächst mit wenig Worten die allgemeine Sachlage in jener Zeit charakterisiern.

Die Herzogthümer waren aufgestanden in dem Glauben, daß sie allein starkgenug sein müßten, um es mit den Dänen aufzunehmen. Die spätere Geschichtehat gezeigt, daß sie darin Recht hatten, wenn alle Hülfsquellen dieser reichen undtüchtigen Lande gehörig benutzt würden. Allein damals hatte man sich getäuscht;wan hatte sich namentlich getäuscht in den Fähigkeiten des Oberanführers, des Prin-zen von Augustenburg. Die Truppen der Herzogthümer waren bei Bau geschlagenworden und zurückgegangen bis zur Eider. Das Herzogthum Schleswig war auf-gegeben, die Stadt Schleswig war von den Dänen besetzt, Rendsburg kaum in ver-theidigungsfahigem Zustande, das Heer noch ohne Organisation, ohne Offiziere, ohneA Oberkommando. Es fehlte an Waffen, an Ordnung, an Concentration.

Die Danen dagegen hatten die stärkere Zahl, ein gut organisirtes Heer, das Be-wußtsein ihrer Überlegenheit, die Herrschaft zur See, den Besitz von Alsen, die starkeStellung von Schleswig. Nur Eins hätte die Herzogthümer retten können: das wärekw geniales, auf der Höhe der damaligen Zeitverhältnisse stehendes Gouvernementgewesen, das sich bereit gezeigt, Alles an die große Zukunft Schleswig-Holsteins zusetzen, selbst das historische Recht. Eine solche Regierung hätte mit dem kleinen,über starken, einem vernünftigen Befehle und einem klaren Willen wie kein andereswillig und frei gehorchenden Volke, mit den reichen Hülfsquellen des Landes, mitoer nachhaltigen Begeisterung, die noch herrschte, Großes erreichen können. Aber —Eine solche Regierung existirte nicht.

So ergab sich die erste Grundlage der jetzt kommenden Ereignisse: die Unselb-ständigkeit der Herzogthümer, ihre Unselbstthätigkeit, ihr Hingegebensein in allen Fra-An und Bewegungen an den äußern Einfluß. Es ergab sich daraus wiederum einöderes, Nachhaltigeres, das bis auf den gegenwärtigen Augenblick herabreicht in sei-vku verderblichen Wirkungen. Diejenigen, die an der Spitze standen, nahmen den. wdruck jener Unmacht der Herzogthümer zu selbständigem Auftreten, den allerdingslerie erste Zeit geben mußte, mit sich hinüber in ihre beginnende Laufbahn; sie glaub-en von da an, daß die Herzogthümer überhaupt nicht könnten, was sie einmal nichtForint. Und so ward das Anschließen an Alles, was von außen kam, der vorwal-.*ende Charakter der Politik der schleswig-holsteinischen Regierungen. Wir werden

irrr >> ^"sem Artikel gingen voraus: „Die Erhebung Schleswig-Holsteins im Frühjahre 1848",im Mitten Bande der „Gegenwart", S. 41—73, und „SchleSwig-Holstein bis zur Erhebung1848", im zweiten Bande, S. 404 — 429. Sämmtliche drei Artikel haben einendriu-Verfasser , und stehen in genauester Beziehung zueinander. Der vorliegende,stillt Artikel zerfallt in zwei Abschnitte, von denen der erstere mit dem Malmoer Waffen-Wir s ^ der andere mit der Ausführung des Waffenstillstandes vom 10. Juli 1849 schließt.farmlÄ^den unsere Leser keineswegs zu ermüden, wenn wir die beiden Abschnitte des um-Artikels ohne Unterbrechung mittheilen. Die Sache Schleswig-Holsteins ist ja dieAuliiS^chlünds; und die neue Wendung, welche diese deutsche Angelegenheit jetzt (Mitteauf ^0) durch den Friedensschluß Preußens genommen, fodert jeden Patrioten nur zu sehr» Herzogthümern eine ernste, Willen und Thatkraft weckende Betrachtung zu widmen.

D. Red.