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Fünfter Band.
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296 Schleswig- Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.

diesen Grundzug im Verlauf unserer Darstellung auf allen Gebieten der Bewegungals den herrschenden wiederfinden.

Die zweite große und allgemeine Grundlage der jetzt kommenden Entwickelung inden Herzogthümer« war das Verhältniß zu Deutschland und Preußen; und dies nunmüssen wir im Besondern naher betrachten. Werfen wir den Blick zurück auf Das, waswir früher über die Bedeutung der Herzogthümer, namentlich in Beziehung auf ihregeographische Lage, sagten, so steht der Satz fest, daß der Besitz der Herzogthümer jederGroßmacht, gleichviel ob einer deutschen oder nichtdeutschen, die Herrschaft über dieOstsee und über den Haupthandel Deutschlands, der durch die Elbe geht, sichern muß-Namentlich aber würde dieser Besitz für Deutschland von ungeheuerer Bedeutung ge-worden sein, weil er eben der deutschen Macht eine neue, außerordentlich einflußreicheStellung im ganzen Norden hätte geben müssen. Aber auch schon für Preußenwäre die Herrschaft über Schleswig. Holstein von ungemeiner Wichtigkeit geworden,und zwar sowol zu Lande als zur See. Preußens große Schwäche als Landmachtbesteht namentlich in der Trennung seiner beiden großen Hälften. Die Verbindungdieser beiden Hälften ist nur schwach gesichert. Vorzüglich vom Norden aus hat siefast keine Stütze. Die große norddeutsche Ebene, deren Durchmesser das Bett derElbe bildet, steht jedem feindlichen Angriffe offen. Es gibt nicht einmal eine deutscheFestung zwischen Rendsburg, Magdeburg und Erfurt. Der Besitz der Herzogthümerhätte dagegen Preußen einen sehr festen Halt gegeben. Schon Holstein allein mitRendsburg und Kiel konnte als ein Damm gegen jeden Angriff von Norden fürPreußen gelten, umsomehr da einerseits das Terrain Holsteins und die Lage derFestung Rendsburg Holstein selbst zu einem schwer einzunehmenden Lande machen.Daß urld wie aber der Besitz von Holstein Preußen zu einer Seemacht, wenigstensauf dem Baltischen Meere machen müßte, bedarf keiner weiter« Ausführung. DasSchicksal der Herzogthümer war daher in gewisser Weise das Schicksal des ganzenDeutschland, zunächst aber der Grundstein der Bedeutung Preußens im Norden.

Nun hatten allerdings die gewaltigen Bewegungen jener Monate des Jahres1818 den Geist der Mächte Europas umgestaltet; allein sie hatten weder den Um-fang noch die Interessen derselben in Beziehung auf das europäische StaatcnsysteMgeändert. Dieses ruhte nach wie vor auf seinen alten Grundlagen. Sein Organis-mus wie seine Bedingungen wurden von den Großmächten überhaupt, namentlichvon den beiden Staaten, welche vom Jahre 1848 am wenigsten berührt waren,von England und Rußland, ganz aus denselben Gesichtspunkten betrachtet, wie dasbisher der Fall gewesen. Beide hatten, jeder freilich aus einem andern Grunde, dashöchste Interesse, daß die bisherige Gestalt des europäischen Staatensystems wenig'stens äußerlich nicht geändert werde. Namentlich aber wollten beide nicht, daß dasMachtverhältniß auf der Ostsee wesentlich modificirt werde. Rußland nicht, weil tsmit seinem weittragenden Blicke einerseits in der deutschen und selbst schon in d^preußischen Ostseeflotte einen Rivalen fürchtete, andererseits, weil es im Falle de*Vergrößerung seiner eigenen Macht auf der Ostsee eine künftige Verbindung zwisch^dieser und der schwedischen oder gar skandinavischen Seemacht voraussehen konnt/'England wollte keine Veränderung des Machtverhältnisses auf der Ostsee, weil es *der Entwickelung einer deutschen oder preußischen Seemacht, oder auch nur iu deEinverleibung des schleswig. holsteinischen Landgebiets in Deutschland oder Preup^eine gänzliche Unterwerfung des norddeutschen Handels oder Zollwesens unter deDeutschen Zollverein, und damit eine bedeutende, der englischen Herrschaft gesähr,^Vergrößerung der deutschen Industrie- und Handelsmacht erblickte. Beide Machwaren daher gegen Alles, was die Herzogthümer an Deutschland oder auch nurPreußen näher anschließen konnte: . ^

Etwas anders verhielt sich, wenigstens im ersten Augenblicke, Frankreich -uschleswig-holsteinischen Frage. Man kannte in Frankreich im Grunde sehrwahre Bedeutung der Sachlage; im französischen Publicum war Schleswig-Hmlein völlig unbekanntes Land. Frankreich hatte außerdem nur geringes Interesse da