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Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 309
und je weiter die preußischen Truppen vorrückten, desto weniger glaubten sie selbstchä'tig eingreifen zu brauchen. Preußen, um in seinen Verwickelungen wenigstensHerzogthümern gegenüber freie Hand zu behalten, sah das gern und befördertedieses Gehenlassen der Herzogthümer. So entstand denn während dieses Monats derZustand in Holstein, den wir kurz charakterisiren wollen, weil er die Grundlage derspätern Verhältnisse geworden ist. Wir müssen zu dem Ende etwas weiter zurückgehen.
Die Männer, welche die Bewegungen der Herzogthümer vor dem März 1848gleitet, hatten ihrerseits geglaubt, daß an eine demokratische Richtung derselben gar"icht zu denken sei, und daß man das wesentlich deutsche Element nur so weit benutzen^olle, als man es eben selbst gebrauchen könne. Als nun statt einer vollkommen^selbständigen Folgeleistung des Landes plötzlich Federungen auftauchten, welcheüber ihre einmal festgestellte Auffassung hinausgingen, wurden sie bedenklich, undbegannen den Umsturz alles Bestehenden zu fürchten. Zugleich traten einige jungeentschlossene Männer auf, die jenen Männern mit voller Offenheit die WahrheitErhielten: daß die einzige Rettung der Herzogthümer in ihrer möglichst großen^elbstthä'tigkeit liege; daß die provisorische Regierung um jeden Preis vor Allemdahin streben müsse, während der Zeit ihrer Wirksamkeit nur eine auf dem Prin-cip der Selbständigkeit der Herzogthümer und ihrer innern organischen Einheit ge-darrte Organisation Schleswig-Holsteins herzustellen, namentlich als Grund derselbenfreisinnige Verfassung baldmöglichst einzuführen; daß wenn dies nicht geschehe,^eußens Vormarsch den Herzogthümern wenig wahren Vortheil bringen könne,fahrend ein nicht unmöglicher Rückzug das ganze Land sofort den Dänen im alten2-"ssande wieder übergeben werde; daß man aber vor allem die Entwickelung dieser. .osta'ndigkeit mit der Errichtung einer schleswig-holsteinischen Armee unter gleich-^tigern Aufbieten des ganzen Landsturms beginnen müsse; daß, wenn dies nicht ge-.^he, die Herzogthümer nur zu einem Gegenstände der Politik, ohne Rücksicht aufhre höchsten Interessen gemacht, und ihnen alle Theilnahme an der Entscheidung^ letzten Orte aus den Händen genommen werden würde. Die provisorische Negie-"ug aber hatte nicht den Muth, darauf einzugehen. Sie hätte allerdings groß-^tige Maßregeln ergreifen und mit den Factoren rechnen müssen, die damals Eu-opa bewegten; allein Das verstand oder wagte sie nicht. Auch ihr schwebte das^ chreckbild einer nordalbingischen Republik vor Augen, und um diesem zu entgehen,Eß sie in fast völliger Unthätigkeit die wichtigste, unwiederbringliche Zeit für dieErstellung eines selbständigen Schleswig-Holstein verstreichen. Sie that nur, was- durchaus nicht lassen konnte. Sie berief die alten Provinzialstände zum 3. Apr., H Rendsburg. Diese Versammlung ward entscheidend für die Zukunft der Her-hO^ümer eben dadurch, daß sie nichts entschied. Sie zeigte mehr als alles Andere,w ? eine ungeheure Kluft zwischen.der frühern und der neuern Zeit liege, und wie5 ^Uig die Männer der Vergangenheit im Stande seien, die Bedeutung jener neuenRegung auch nur für ihr eigenes Land zu erfassen.
^ Nachdem bereits durch Patent vom 27. März die provisorische Regierung dielun ^amde der Herzogthümer, bisher getrennt, jetzt als vereinigte Ständeversamm-^ ^ der Herzogthümer Schleswig-Holstein zum 3. Apr. berufen, kamen dieselben^Esem Tage wirklich in Rendsburg zusammen. In der ersten Sitzung legte dann^ ^ovisorische Regierung ihre Gewalt in die Hände der Versammlung nieder unddie . dieselbe von ihr unter gemeinsamem Danke zurück. Es kam zur Sprache,Slleb ^Nlng zu ermächtigen, daß sie den Advocaten Claussen oder ein anderes Mit-Nkai ^öuziehen möge, was aber nicht als förmlicher Antrag aufgestellt ward. Diedie ^ ^ fürchtete sich schon damals vor der Unabsehbarkeit der Bewegung, in welchep>ürd Ekstatische, von Claussen entschieden vertretene Richtung sie gestürzt habenden darauf ward der Antrag gestellt, daß man die Ausnahme Schleswigs in^etenf Bund mit aller Kraft betreiben möge. Die schleswigschen Abgeord-
sich .'Sachen sich Alle dafür aus; nur der flenSburger Deputirte Jensen erklärteasegen. Kein Land, am wenigsten Schleswig, könne es wünschen, einem Lande