Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 313
fahren Preußens und des Deutschen Bundes „nicht gerechtfertigt finden könne, daßdasselbe vielmehr den Garantien Rußlands nach den Verträgen von 1767 und 1773zuwiderlaufe, und daß daher das kaiserliche Cabinet, wenn das Vermittelungsverfah-*en keinen Eingang fände, sich genöthigt sehen werde, gegen jenes Verfahren formel-len Protest zu erheben". Der preußische Gesandte antwortete hierauf am 5. Mai:daß er die Federungen Wrangel's kenne, daß er sie billige, und daß „die Grund-lage der Vereinbarung die Anerkennung Schleswigs und Holsteins als eines unzer-trennlichen selbständigen Staatskörpers sein müsse, welcher nur durch Personalunionso lange mit Dänemark verbunden bleibt, als der Mannsstamm des OldenburgischenHauses in letzterm Reiche herrscht. Der König von Dänemark würde seine Einwilli-gung zu der eventuellen Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund zuzusichernhaben. Doch würde als Mittel zur Ausgleichung und Verständigung die Modalitätoffenzulassen sein, daß die an Jütland grenzende und der Nationalität nach vorherr-schend dänischen Distrikte von Schleswig, wenn in ihnen der freie Votkswille sichsür eine Vereinigung mit Dänemark aussprechen sollte, von der Verbindung mitSchleswig und folglich auch von der Aufnahme in den Deutschen Bund auszurich-ten sein würden". Dies theilte der preußische Gesandte dem Bundestage mit; undder Bundestag antwortete, indem er „sein volles Einverständniß mit den getroffenenEinleitungen aussprach, und Preußen ersuchte, auf der vorgeschlagenen Basis vor-zugehen".
Somit hatten Preußen und der Bundestag eine feste Grundlage für ihre Po-etik gewonnen. Allein bei dem ersten Blick auf die Verhältnisse des Nordens mußte^ klar sein, wie diese Grundlage: Einheit der Herzogthümer und EinverleibungSchleswigs in den Deutschen Bund, der deutschen Macht, in welcher Form sie auf-treten möge, ein so außerordentliches Gewicht im Norden geben werde, daß die Ver-wirklichung jener Friedensbasis nur durch einen Kampf mit allen im Norden bethei-
- 5 » Wächten möglich sein konnte. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob manm Berlin die ganze Tragweite jener Erklärung schon damals begriff; in jedem Fallehatte man sie begreifen, und dann entweder zur entscheidenden Durchsetzung derselben^reit sein, oder sie niemals abgeben müssen. Denn insbesondere die EinverleibungSchleswigs in den Deutschen Bund mußte die ganze Gestalt der nordischen Verhält-wsse ändern, und Preußen sollte nur zu bald erfahren, was eine solche FoderungEigentlich zu bedeuten habe.
.. Kaum war nämlich diese Erklärung abgegeben, als auch das dänische Cabinet,^ gänzliche Vernichtung Dänemarks voraussehend, sich auf das dringendste anRußland und dann an Schweden wandte, und die unausbleibliche Folge eines solchenottedens vorstellte. Für Rußland war die Sache kaum etwas Neues; aber Schwe-bn sah sich jetzt gezwungen bestimmter aufzutreten. Theils gereizt durch eine gr-iffe vornehme Behandlung von Seiten des preußischen Cabinets, theils ernstlich.esappointirt darüber, daß man die nothwendige Folge jenes Friedens, das Entstehen^er skandinavischen Union, ihm von Seiten Deutschlands und Preußens nicht näher?^egt, theils aber auch in angestammter Nachgiebigkeit gegen Rußland, trat Schwe-^ in Folge der Erklärung jener Friedensbasis offen aus die Seite Dänemarks,^eußen hatte durch seine halbe Politik den allmächtigsten und natürlichsten Bun-du Kosten, Schweden und die Idee einer skandinavischen Union, verloren. Wirh *'En hier wol nicht erst weitläufig auseinandersetzen, daß jede gänzliche Trennung^-..Herzogthümer von Dänemark als absolute Folge die Vereinigung der drei nor-kla*r Reiche nachsichziehen muß; und wem Das damals nicht durch Reflexion
- ward, der begriff eS wenigstens mit unmittelbarem Gefühle. Diese Vereinigung^ * der einzige Weg, Schweden zu Gunsten der preußischen Vorlagen zu stimmen,^lrm dessen hatte man Schweden vernachlässigt, und es dadurch Rußland in dieholn* ^worfen. Die dänischen Abgeordneten hatten jetzt leichtes Spiel in Stock-den N König von Schweden ließ bereits am 9. Mai durch seinen Gesandten,
aron d'Ohsson, dem preußischen Cabinet eine Erklärung dahin abgeben: „daß