Band 
Fünfter Band.
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SchleSwig -Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 321

^almoe. Mit den von Schweden und demgemäß auch von Dänemark im We»lentlichen angenommenen Bedingungen ging Graf Pourtalcs von Malmoe ab, undüberbrachte am 8. Juli dieselben dem General Wrangel mit dem Auftrage, auf die-1er Grundlage einen Waffenstillstand zu unterhandeln. Es war das dem General^neswegs recht; indessen mußte er gehorchen, und so wurden die Conferenzen von'Oellevue bei Kolding eröffnet. Auf solche Weise unterhandelte man auf drei Stellen^gleich, in London, Malmoe und Bellevue. Schon damals breitete sich eine unge-heure Verwirrung über den Gang der Dinge aus, die aber später noch ärger wer-den sollte.

Die Verhandlungen von Bellevue waren am 15. Juli eröffnet. Nach eineranfänglich sehr günstig erscheinenden Einleitung trat nun aber Graf Pourtales mitvestinimtern Federungen hervor. Es sollte namentlich Dänemark die Verordnungender provisorischen Regierung anerkennen. Darauf wollte sich im Anfang der dänischeAbgeordnete, Kammerherr Reedtz, durchaus nicht einlassen; indessen gelang es doch,^eben dem Entwurf vom 2. Juli einen zweiten vom 19. Juli auszustellen. MitLesern Entwürfe kehrte der dänische Abgesandte nach Kopenhagen zurück. Unter-dessen war aber der deutsche Reichsverweser eingesetzt worden; und jetzt erklärte plötzlichPreußen, daß „das Mandat, welches es vom Bundestage überkommen hätte, in die-Angelegenheit Sache Deutschlands zu führen, nunmehr auf dem Reichsver-^eser zurückgehe, und daß die königliche Regierung eS demnach für ihre Pflicht halte,en Oberbefehlshaber zu beauftragen, den Waffenstillstand nur unter Vorbehalt Sr.ülserlichen Hoheit des Neichsverwesers abzuschließen".

Diese Federung Preußens mochte aus den ersten Blick eine rein formelle sein.3n der That aber war sie von hoher Bedeutung. Nicht allein, daß Deutschland^durch als selbständige Macht in die Diplomatie hineintrat; hauptsächlich mußte eSGedenken erregen, daß sich der Reichsverweser unter dem Einflüsse der Nationalver-sammlung befand, und daß in dieser eine starke KriegSpartei bestand, welche noch immerM Stande war, im entscheidenden Augenblicke die deutsche Macht zu einem euro-^schen Kriege aufzubieten. Jene Federung erregte daher sogleich in der ganzen euro-Mischen Diplomatie einen heftigen Sturm gegen Preußen; ja Einige gingen so weitfürchten, daß Preußen beabsichtige, sich der deutschen Einheit in die Arme zuerfen, und Niemand zweifelte daran, daß wenn Solches geschehe, die Gestalt Euro-sich ändern müsse. Dänemark zuerst erklärte demzufolge, daß es, da „namentlichurch tzen Vorbehalt einer spätern Modifikation durch den Neichsverweser die Sachese« ganz neues Terrain geführt werde, sich nicht darauf einlassen könne, auf die-d ^rrain, auf welchem Alles wieder ungewiß werde, einzugehen". Ja als nunr Waffenstillstand von Bellevue, an dem doch Wrangel theilgenommen, demselbenUnterzeichnung vorgelegt ward, , und als Wrangel in Folge seiner InstruktionenPlötzlich weigerte, die Unterzeichnung ohne Genehmigung des NeichsverwesersZunehmen, und seine Qualität als Neichsgeneral vorschob: da nahmen die Dinged"?. ernstere Wendung. Schweden instruirte seinen Gesandten in Berlin am 23. Julitbe's^ daß es in Beziehung auf diese Ratifikation „ganz die Ansichten Dänemarksdie ? daß man mit Preußen allein unterhandelt habe, daß Preußen allein auchAwedische Vermittelung angeboten sei, und daß daher mit Preußen allein deriven' "^^and abgeschlossen werden könne". Selbst Frankreich, das sich bisherbetheiligt hatte, regte sich nun zu Gunsten Dänemarks. Aber, was wichtigerVri-f ^ alles Dies: das englische Cabinet sprach seine Unzufriedenheit über diesesdarea Preußens ganz offen aus, und Palmerston ließ (25. Juli) in Berlin sehrgieru ^ erklären, daß England „die ernste Hoffnung habe, daß die preußische Ne-9end^ ^ im Stande finden werde, diese Angelegenheit schleunig und in befriedi-^ Art zu Ende zu bringen; denn im entgegengesetzten Falle werde das britischeUrit!r.^"Ement sich genöthigt sehen, sich gänzlich von jeder weitem Betheiligung der^Handlungen Zurückzuziehen, in welchen fortwährend so viele Schwierigkeiten von^ Gegenwart. V. 21