Schleswig-Holstein feit feiner Erhebung im Jahre 1848. 323
öffentlichen Meinung ein solches Gesetz zur Annahme bringen. Zunächst warbwdeffen ein Ausschuß darüber niedergesetzt; dann versuchte man leise und vorsichtig^ den innern Verhältnissen weiterzukommen. Bisjetzt hatte die provisorische Ne-uerung ohne alle Verantwortlichkeit fortbestanden, und die Angelegenheiten des Lan-hatten eben keinen großen Nutzen davon gehabt. Ein verständiges Mitglied derRechten, der als landwirthschastlicher Schriftsteller bekannte Hirschfeld, brachte daherarn 21. Juni einen Antrag ein um Einsetzung verantwortlicher Minister. Nichts inThat war natürlicher und einfacher; es ist kaum zu begreifen, daß über einen'vlchen Vorschlag noch Zweifel sein konnten. Dennoch — selten hat etwas den Man-gel an politischer Bildung in diesem Lande so sehr charakterisiert — ward der Vor-Mag Hirschfeld's mit der ungeheuern Majorität von 60 gegen 7 Stimmen verwor-fn: die Herzogthümer blieben ohne Ministerium, die Regierung blieb ohne Verant-wortlichkeit! Nicht besser ging es einem unter den damaligen Verhältnissen wahr-nicht minder motivirten Vorschlage von Friederici: man möge ein diplomatischesformte' aus den Ständen wählen, damit das Land doch einigermaßen von dem GangeVerhandlungen unterrichtet werde, und das Volk nicht absolut außerhalb seinerebenen Angelegenheiten stehe. Konnte man unter den damaligen Verhältnissen etwasEinfacheres fodern? Es ward aber geantwortet, daß die Regierung unbedingtes^ertrauen besitze, daß sie es verdiene, daß dieses unbedingte Vertrauen die erste^asis aller Ruhe und Ordnung im Lande sei, und — die Landesversammlung ver-arf einfach die Proposition. Es änderte wenig, daß im Lande ein Misbeha^en überd ^ constitutionelle Regierung einzuleiten, entstand; man wußte zu gut, daß
och Niemand da sei, der dem Misbehagen seinen rechten Ausdruck geben werde,^er deutschen Partei waren durch die Hinweisung auf Frankfurt die Hände gebunden,der demokratischen durch die Hinweisung auf Olshausen's Mitgliedschaft in der Ne-uerung, den einsichtigern Politikern durch die Betrachtung der Wehr- und Mächt-igkeit der Herzogthümer. Doch ging die Regierungsvorlage wegen Einführung all-gemeiner Wehrpflicht durch, und das betreffende Gesetz, in hohem Grade der Lage^ Dinge angemessen, wurde schon am 8. Juli publicirt. Es ward die Grundlageer Geschichte des folgenden Jahres, die den Herzogthümern, wenn auch kein Glück,a Ruhm genug brachte. Die Verhandlungen über das Wahlgesetz begannen^50. 3uni. Die Reaction gab sich alle Mühe, die Sache zu erschweren. Man.^^uns die Darstellung der Verhandlungen, die für das größere Publicum kaumInteresse haben dürsten, erlassen. Die Schlußberathung fand am 7. Juli statt.Neventlow-Farve's Vorschlag ward angenommen, daß die alten Stände bis zurerufung der neuen bestehen bleiben sollten. Dann ward die Regierungsvorlage an-^Uonrnien, und der Census mit 61 gegen 9 Stimmen verworfen, wesentlich in Be-daß die zu berufende Versammlung nur für die Constituirung thätig sein solle... 1Z, J^i gelangte das Gesetz zur Publication. Dann trat man in Berathung
^ . die Finanzen ein, wobei man eine neue Einkommensteuer unter gleichzeitiger"Mon von Kassenscheinen beschloß. Endlich ward, nachdem die Wahl des Reichs-y ^esers angezeigt und eine Adresse an denselben beschlossen worden, noch über die^r Verhandlungen ohne bestimmtes Ziel debattirt. Die Regierung zeigte dabei,^ sie sehr wenig unterrichtet war. Sie habe, erklärte sie, nur Kunde von einersg ^enruhe, und wisse, daß man über den Waffenstillstand verhandele. Die Ver-sch?^ung antwortete darauf, indem sie für diese Erklärung einen Dank votirte. SoAtz Od diese Versammlung, deren Resultat das Wahlgesetz, das Gesetz über allgemeine^ ^Pflicht, und das Steuergeseh war. Die Versammlung hatte nicht bewiesen, daßder Höhe der Frage stehe; sie ging auseinander, um der neuen, aus allge-^ Wahl gebildeten Platz zu machen. So standen die Sachen im Anfang desseine^onats. Der Waffenstillstand war im Wesentlichen fertig. Indessen hatteew-. . "rchsühruna ernste Schwierigkeiten. Der Kampf, der sich darum erhob, soderteigene Darstellung.
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