324 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
Der Malmoer Waffenstillstand.
ES wird wol Niemanden geben, der den Malmoer Waffenstillstand einfachals einen militairischen Abschnitt in dem ersten Kriege deS vereinigten Deutschlandbetrachtet. Für Jeden, der die Entwickelung der neuen Zeit einigermaßen kennt,wird er mit Recht gelten als der Wendepunkt des Schicksals der Herzogthümer undDeutschlands, der entscheidende Punkt für die Stellung, welche Preußen dem neuenDeutschland gegenüber eingenommen. Dieser Waffenstillstand ist daher daS zweitegroße europäische Ereigniß deS JahreS 1848, dessen Bedeutung weit über die GreMzen der Länder hinausging, die eS zunächst umfaßte. Wie die Französische Revolu-tion des Februar plötzlich das ganze System des europäischen GesammtlebenS aufftiefste erschüttert hatte, so stellte dieser Waffenstillstand jenes System fast ganz wiederher. Er vernichtete gänzlich die junge Macht Deutschlands, die Hoffnung desselbenauf ein Gewicht in der Diplomatie, die Zukunft seiner Flotte, die innere, bisher nochscheinbar aufrechtgehaltene Harmonie zwischen der Nationalversammlung und den*preußischen Cabinet. Eine Friedenserklä'rung nach außen, war dieser Waffenstillstandnach innen der erste KriegSruf für den Kampf der Elemente, die ein einiges undjunges Deutschland, mit denen, welche die Herstellung des alten wollten. Auchzeigte der Waffenstillstand endlich dem Blödesten, daß das Schicksal der HerzogthU-mer unabänderlich mit dem Deutschlands verbunden sei. Wir werden ihn daher i"seinen drei Hauptstadien verfolgen. Das erste Stadium ist der Abschluß des Waffen-stillstandes in Malmoe selbst; das zweite ist der Kampf um ihn in der deutsch^Nationalversammlung; das dritte ist die Bewegung, welche er in den Herzogthu-mern hervorrief.
g) Der Abschluß in Malmoe.
Wir haben oben gesehen, wie der General Wrangel durch sein Schreiben vorn24. Juli dem dänischen General Hedemann die Erklärung gab, daß die Feindselig-keiten wieder beginnen würden, da Dänemark die Foderung der Ratifikation de§Waffenstillstandes von Bellevue (bei Kolding) vom 19. Juli durch den NeichSverwest*unter keiner Bedingung hatte anerkennen wollen, und wie der diplomatische SturrU,der sich darauf erhob, Preußen zwang, um nicht ganz und gar isolirt zu werden,in aller Weise nachzugeben, und namentlich eine Vollmacht vom Reichsverweser ein-zuholen zum Abschluß des Waffenstillstandes. In dieser Vollmacht waren nun ftt^lich einzelne Punkte aufgestellt, welche nach dem Ermessen des ReichsministerSpreußische Gesandte nicht überschreiten sollte: namentlich erstlich die Voraussetzung?daß die neue schleswig.holsteinische Regierung in der Art gebildet werde, daß diesonen „den Bestand und die gedeihliche Wirksamkeit der neuen Regierung" nicht g^fährden; dann, daß unter den „im Art. 7 des Entwurfs erwähnten, in denzogthümern bestehenden Gesetzen und Verordnungen" ausdrücklich alle bis zum Ab-schluß des Waffenstillstandes daselbst erlassenen mitinbegriffen seien; endlich, daßin den Herzogthümern verbleibenden Truppen sämmtlich unter den Befehlen des deu ^schen Oberkommandos bleiben sollen. Mit dieser Vollmacht ging der preußische ^sandte, General von Below, am 12. Aug. von Berlin nach Malmoe ab. Alle*natürlich war die Stellung desselben hier eine ungemein schwierige. Die bisher bfreundeten Mächte waren gegen Preußen verstimmt, und Preußen fühlte dies deulieh genug. „In den Unterhandlungen", schrieb Camphausen an Heckscher am 2. ^ 'I„ist aufs deutlichste hervorgetreten, welchen Einfluß die neulichst geschehene Einmisch^lFrankreichs und dessen für Dänemark günstige Erklärungen gehabt haben, auchEngland keineswegs mehr die frühere neutrale Stellung gegen Deutschland Z" ^Häupten sucht, sondern sich entschieden auf Seiten Dänemarks neigt. Von SeiRußland- hatte Dänemark bei Wiederausbruch der Feindseligkeiten die bestimmteficht auf active Unterstützung, und Schweden war zu einer gleichen Handlung^durch bestimmte, Dänemark gegenüber übernommene Verpflichtungen genöthigt." ^ ^ßerr war also isolirt. Es hatte sich dabei zwar an Deutschland angelehnt; ave