326 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
eine vollständige Niederlage der Centralgewalt, ja ihre Vernichtung in den Augender Diplomatie. Man begriff dies wol in Frankfurt. Allerdings konnte man nunsehr verschiedener Meinung sein über den Ausfall und sogar über die Möglichkeiteines energischen Auftretens der Centralgewalt, dem preußischen Verfahren gegenüber;man konnte glauben, daß in dieser Beziehung jeder Versuch, das preußische Cabinetdem Willen des frankfurter zu unterwerfen, scheitern müsse: aber in keinem Falledurste man sich von Seiten des Reichsministeriums zu so kleinlichen Maßregeln her-beilassen wie die, welche man auf den Grund jener Befürchtung hin vornahm. An-statt das Allerwenigste zu thun, was von Seiten deß Reichsministeriums hatte ge-schehen können und müssen; anstatt eine ganz unzweifelhafte Erklärung über denWillen der Centralgewalt und einen definitiven Protest gegen jede Überschreitung dereinmal gegebenen Vollmacht zu erlassen, der wenigstens die Würde der Centralgewaltgewahrt und doch Preußen den Abschluß eines Separatfriedens nicht unmöglich ge-macht hätte: griff das Reichsministerium zu Mitteln, deren Kleinlichkeit und gänzlicheNutzlosigkeit nicht einmal durch die gänzliche Entfremdung aller staatsmännische"Praxis bei dem Minister des Auswärtigen, dem man als frühern Hamburger Advo-caten doch einen gesunden Menschenverstand zutrauen durfte, begreiflichgemacht undentschuldigt wurden. Herr Heckscher, der sich in dieser Angelegenheit eine traurigeBerühmtheit verschaffte, wollte anfänglich selbst nach Malmoe reisen. Dann abersandte er, wie bereits oben bemerkt wurde, den Unterstaatssecretair M. von Ga-gern ab, mit Jnstructionen, welche dahin lauteten, sich mit dem preußischen Cabinetin Vernehmen zu setzen, die Jnnehaltung der oben angeregten drei Punkte in derVollmacht an Preußen zu beachten, und namentlich die Personen für die neue Re-gierung mit zu bezeichnen. Gagern kam über Berlin am 13. Aug. in Rendsburgan, während Below schon am 12. Aug. in Malmoe war. Er wollte dann selbst nachMalmoe gehen; aber man erklärte ihm vertraulich so bestimmt, daß seine Gegenwarthöchst ungern gesehen und vielleicht zu sehr großen Unzuträ'glichkeiten führen werde,daß er eigenhändig an Heckscher schrieb, wie er verhindert sei, nach Malmoe z"gehen, und wie jedenfalls „die Würde der Centralgewalt es verlange, daß ihr Ver-treter nicht als ein heimlich hinter den Coulissen stehender Agent erscheine" (14. Aug )-Gagern blieb also in Rendsburg. Von der ReichSgewalt erhielt er aber keine be-stimmten Jnstructionen. Beinahe lächerlich war es, daß Heckscher ihm zum Vorwurimachte, nicht nach Malmoe gegangen zu sein, während Gagern durchaus nicht wußte,was er dort sollte. Um indessen nicht müssig zu bleiben, betrieb die Reichsgewaltdoch Eines, was gerade ihre Politik und ihre Macht unter allen Dingen am meiste"herabsehen mußte. Nachdem man sich vollständig, auch durch die Berichte Gagern'6,überzeugt hatte, daß Preußen um jeden Preis einen Waffenstillstand schließen werde,und daß alsdann der Neichsgewalt, wenn sie durch Nichtachtung der Vollmacht, ^sie gegeben, nicht gänzlich mit Füßen getreten bleiben wolle, nichts Anderes übrig'bleibe, als sich an die Herzogthümer zu wenden und mit ihnen nöthigenfalls den Kriegweiterzuführen, that man — was? Man gebrauchte den ganzen Einfluß der Ee"'tralgewalt und die ganze Thätigkeit deS ehrlichen Gagern dazu, die Vertagung ^schleswig-holsteinischen Landesversammlung (von der wir später sprechen werden) ^bewirken, die allein noch eine Befürchtung rücksichtlich der Nichtannahme des Waff^stillstandeS darbot! So hatte die Reichsgewalt neben dem Mangel an Macht und ^Einfluß zugleich ihren äußersten Mangel an der einfachsten Klugheit bethätigt; ""jetzt konnte Preußen allen wettern Schritten derselben mit großer Ruhe entgeg^sehen. ES führte natürlich nunmehr zu gar nichts, daß Gagern sich mit Below ^Correspondenz setzte, und dann und wann Nachrichten erhielt, die ihn doch imklaren ließen. Es nutzte nichts, daß der ehrliche Gagern Briefe über Briefe anMinister Heckscher schrieb voll von Befürchtungen über den preußischen Frieden.gern, da er nicht nach Malmoe gehen konnte, reiste von Rendsburg zu Wrangel 'Hauptquartier, und berichtete von da: „General Wrangel sprach sich zwar in ^Eigenschaft als deutscher Oberfeldherr in jeder Beziehung befriedigend aus, ^