328 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
erwarten sollten, genüge eS zu bemerken, daß e- unsere Aufgabe ausschließlich ist/den innern Zusammenhang der Bewegungen, der Wenigen ganz unbekannt, und derbisher noch nie in seinem ganzen Umfange dargestellt ist, hier vorzuführen.
Wir haben bereits früher die Lage der schleswig-holsteinischen Angelegenheit inFrankfurt charakterisiert. Die Häupter der Intelligenz erkannten gemeinschaftlich aN/daß Schleswig-Holstein die wichtigste Frage, „das Haupt der deutschen Sache" bilde'Dennoch, trotz der beständigen Hervorhebung der „Ehre" und der „Würde" Deutsch*lands, hatte man die Majorität bestimmt, die ganze Sache aus ihren Händen zu geben.Die einsichtigen Männer begriffen dabei sehr wohl, daß mit jener Erklärung, nachwelcher sich die Nationalversammlung der Ratifikation des etwaigen Waffenstillstandesbegab, im Grunde diese Versammlung in den Augen der Welt vernichtet sei. DieLinke, in der sich anfangs einige ehrenhafte Männer gegen diese Überzeugung gesträubthatten, war dadurch heftig aufgeregt. Sie fühlte, daß jener Beschluß wesentlich iiirInteresse Preußens und seiner diplomatischen Stellung gefaßt worden, und daß sichein tiefer, vielleicht tödtlicher Zwiespalt zwischen Frankfurt und Berlin vorbereite. Die*ses Gefühl äußerte sich schon seit Anfang des Juli, als die Conferenzen von Belle*vue gerüchtweise ins Publicum drangen, immer bestimmter. Man lernte schon da-mals die preußische Politik fürchten, obgleich die Feindseligkeiten wieder eröffnet waren-In Folge dessen trat nun der schleswig-holsteinische Abgeordnete Claussen au- Kielam 10. Juli mit seinem Antrage aus: „Die Nationalversammlung wolle beschließen,daß in der schleswig-holsteinischen Angelegenheit weder ein Friede noch ein Waffen*stillstand ander- als durch den Neichsverweser geschloffen werden dürfe." Dieser An*trag sollte offenbar keineswegs die Sache erledigen; er sollte nur die Frage, undnamentlich die Stellung Preußen- zu der neuen Centralgewalt in der wichtigsten An-gelegenheit Deutschlands nach außen klarmachen. Natürlich erhob sich schon um die-sen Antrag ein heftiger Kamps, der damit endete, daß namentlich auf Vincke's Be-trieb eine motivirte ausweichende Tagesordnung angenommen ward. Indessen bliebdie Bedeutung diese- Antrags eine große. Was bisher noch immer unklar geblie-ben, die Stellung der Linken zu Preußen, erhielt durch ihn seine definitive Entsch^düng. Viel Mistrauen ward zur Gewißheit, viel Schwankendes zur Entscheidunggebracht. Die Linke stellte sich von diesem Tage an definitiv auf die Seite der Geg*ner Preußens; die Rechte erklärte sich ebenso entschieden gegen Preußen. Die Mafstdes Centrums dagegen begann zum ersten mal zu begreifen, daß es neben und übetdieser souverainen Nationalversammlung ein ganzes und mächtiges europäisches Staa-tensystem gebe, gegen welches jene zu kämpfen haben werde, und das theils mit Be-denken, theils mit Haß der Bildung eines einheitlichen Deutschland zusehe.Furcht vor dem unabsehbaren Kampfe, der offenbar sich an die Constituirung ein^solchen Deutschland anschließen mußte, war eS, welche die Mitglieder der Mitte zu^stbedenklich machte, und sie daher der Macht in die Arme warf, von der sie am ersteserwarten konnten, daß sie durch ihre Stellung wie durch ihre Principien jenen Kawp^verhindern werde. Auf diese Weise gruppirten seit dieser Zeit die Auffassungen ' /.,war klar, daß, wenn nicht ganz unberechenbare Zufälle hinzukamen, die Majorsgegen jede Plötzlichkeit und Gewaltsamkeit einschreiten und dem Verfahren Preuß^zustimmen werde. Da indessen nichts Bestimmtes über die schleswig-holsteinischen An*gelegenheiten weiter vorlag, so stand die Sache hin, bis nach Ertheilung der Reichtvollmacht die Unterhandlungen in Malmoe begannen.
Jetzt ward die Aufmerksamkeit in hohem Grade wieder geweckt. Die Berichüber die Bedingungen, denen sich Preußen unterwarf, wurden immer ernster. ^Nachricht kam, daß da- Neichsministerium die Vertagung der schleswig-holsteinisch.Landesversammlung allen Ernste- betreibe, weil man in Frankfurt fürchte, baß h*^Schwierigkeiten entstehen könnten. Man erhitzte sich an dem Gedanken, daß d^lSchwierigkeiten doch nur zu Gunsten Preußens und gegen die „Würde" und Eh*des gesammten Reichs vom Neichsministerium beseitigt würden; man warf höchst §gerechterweise der schleowig-holsteinischen Landesversammlung vor, daß sie stch