Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 329
Wünsche,, des Reichsministers gefügt und sich vertagt habe, wahrend doch die ersteEOedingung aller Einheit und Kraft die Unterordnung unter die nun einmal bestehende^entralgewalt sein mußte. Die Parteien schieden sich; die Reaction, die Feindselig-st gegen die Nationalversammlung als solche fing an, sich mit der Durchsetzungledes preußischen Waffenstillstandes, die Partei der Bewegung, sich mit der Ver-werfung desselben zu identificiren. Die schleswig-holsteinische Frage ward aus demGebiete der hohem Diplomatie herausgerissen, in den Parteikampf geworfen; undnoch der Waffenstillstand selbst abgeschlossen, konnte Jeder sich vorhersagen, daß^ der Wendepunkt für die Geschichte der Nationalversammlung, der Kampfplatz zwi-schen Frankfurt und Berlin, die Entscheidung für den concreten, positiven Inhalt^ deutschen, noch halb im Nebel der Gefühle und Redensarten begrabenen deutschenEinheit sein werde.
Unter diesen Umständen kamen am 1. Sept. die ersten Nachrichten von demwirklichen Abschluß des Waffenstillstandes nach Frankfurt. Es hieß, daß er sehr un-dunstig für die Herzogthümer ausgefallen sei. Darum trat, bereits am 1. Sept., derAbgeordnete Reh auf, und interpellirte das Ministerium. Die Antwort Heckscher'swar der Art, daß sie die Bewegung noch steigern mußte. Es sei die Ansicht des^misterraths, daß die Vorlage des Programms über äußere Politik mit Hinsichtdas Eintreffen der Bedingungen des Waffenstillstandes zwischen Deutschland undDänemark vorläufig noch auszusetzen sei; eine nähere Mittheilung über letztere PunkteWl dem Reichsministerium von Seiten der königlich preußischen Regierung noch nicht^gekommen. Die Linke nahm dies natürlich als einen Spott Preußens gegen das^eichßministerium aus; die Gemüther erbitterten sich. Zugleich war Th. Olshausen^ Rendsburg in Frankfurt angekommen. Die provisorische Regierung war, wieW" sehen werden, vollständig ununterrichtet: man konnte nichts Bestimmtes mitthei-E"- Indessen traten doch die schleswig-holsteinischen Abgeordneten zur weitem Be-^thuiig zusammen. Es ward beschlossen, etwas Entscheidendes im Interesse der Her-Mhümer zu wagen. Die Demagogie ergriff gleichfalls die schleswig-holsteinische^ache mit aller Energie. Sie erkannte, daß sie in dieser Sache endlich einen positivenGegenstand der Bewegung habe, und beschloß an die Durchsetzung derselben ihreußerste Kraft zu wenden. So drängten die verschiedenen Elemente einer nahen Ent-I^eidung entgegen, als am 4. Sept. endlich Heckscher die Malmoer Convention inNationalversammlung mittheilte. Er sah sich dabei genöthigt zu erklären: „daß^ in diesen Bedingungen wesentliche Abweichungen von den Bedingungen vorsän-unter denen die Autorisation zum Abschlüsse von der Centralgewalt ertheilt wor-
sck Centralgewalt behalte sich demgemäß vor, aus Grund der Vor-der Gesetze, wonach über Krieg und Frieden nur im Einverständniß mit
Nationalversammlung bestimmt werden solle, die definitive Bestimmung über dens^u^ustillstand abzugeben. Zugleich soderte der Minister zur Festsetzung eines Tagstz bie Berathung auf. Nun trat Dahlmann auf, und verlas seine Interpellation,der zunächst die Bewegungen der folgenden Tage ausgingen. Er fragte: ob esihr ^ ^i, daß durch den Waffenstillstand die provisorische Regierung aufgelöst undan ^ Charakter einer ungesetzlichen Behörde beigelegt werde; ob Karl Moltke wieder^ w Spitze der Herzogthümer treten werde; ob die schleswigschen und holsteinischen^N getrennt werden sollen, und der Waffenstillstand auf sieben Monate geschlos-eii^^*den? Eine mehr bedeutende als glänzende Rede beschloß diese Interpellation;Cent ^hk von Anträgen und Rednern folgte. Heckscher vertheidigte die Sache dertzej/^ewalt schlecht, und an diesem Tage schien sich der Sieg definitiv auf dieA^!.oer Linken zu neigen. Zunächst ward denn die Sache an den völkerrechtlichen*icht verwiesen. Dieser stattete schon am folgenden Tage, den 5. Sept., Be-Berichterstatter war Dahlmann. Es hatte sich eine Majorität und eine Mi-Eiger «^bildet. Dahlmann war der Mann des Tags. Er trug mit kurzer und kräf-Sjstj ^tivirung den Antrag der Majorität vor: „Die Versammlung möge 1) dieder zur Ausführung des abgeschlossenen Waffenstillstandes ersoderlichen mi-