332 SchleSwig'Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
daß sie die Lage der Dinge um jeden Preis zu vollständigem Siege benutzen müßten.Alle begannen daher, Jeder in seiner Weise, zu arbeiten. Die Anträge waren einemAusschusse überwiesen. Dieser Ausschuß, gebildet auS der Vereinigung des Aus-schusses für die Centralgewalt mit dem Ausschusse für die internationalen Angelegenheitenbestand zum großen Theile aus mehr ruhigen Männern. An diese machte man sichvon Seiten der Rechten. Man stellte ihnen vor, was es eigentlich bedeute, wenndie Ratifikation verweigert werde; daß alsdann nicht blos das ganze Europa, sondernnamentlich Preußen dies als eine offene Kriegserklärung betrachten werde und be-trachten müsse; ob man glaube, daß diese Nationalversammlung die Kraft habe, so!"chen Gegnern die Spitze zu bieten; ob man auch nur meine, gegen den entschiedenenWillen Preußens allein durchgingen zu können; wie viel denn von und für die Na-tionalversammlung wol übrigbleibe, wenn Preußen sich definitiv lossage; endlich obman den Muth habe, alle Elemente der Bewegung ohne Grenzen in die Schrankenzu rufen für einen Beschluß, den die Politik des ganzen Europa verdamme? Alndiese Erwägungen wirkten allmälig ein, aber sicher. Je länger jenes klägliche MiM-sterinterregnum dauerte, desto kräftiger wurden die Gründe; und schon wenige Tagtnach jenem Beschluß vom 5. Sept. konnte man gewiß darauf rechnen, daß die Ma-jorität sich für einen neuen extremen Beschluß nicht zum zweiten mal erklären werbt-Zu gleicher Zeit aber sammelte die Partei der Bewegung ihre äußersten Kräfte. Auchsie sah in der Ministerlosigkeit die Unfähigkeit der Majorität, ihrem eigenen Willentreuzubleiben. Wilde Plane tauchten auf. Wenn diese Nationalversammlung be-stehen blieb, so war kein Erhalten der deutschen Einheit, keine energische Entwicke*lung des deutschen GesammtstaatS denkbar; stürzte man sie, so war dem UmstulSüberhaupt Thür und Thor geöffnet. Mit der voraussichtlichen Verwerfung des ein-mal gefaßten großartigen Beschlusses schien daher der geeignete Augenblick gekommen>der ganze Haß, die ganze Hoffnung aller äußersten Parteien concentrirten sich darU»nauf diesen Punkt; Jeder fühlte, daß eine Entscheidung nahe.
Der combinirte Ausschuß arbeitete unterdessen fort. Schon am 11. Sept. wuß^man, daß er mit seiner Majorität nicht mehr auf dem Standpunkte des letzten Bt'schlusses der Versammlung stehe; doch befand sich Dahlmann noch in der Oppolstion. Eben deshalb mußte er sein Mandat vom 11. Sept. zur Bildung einesnisteriums zurückgeben; der Reichsverweser beauftragte nunmehr den Vicepräsident^von Hermann mit der Bildung eines neuen Ministeriums. Preußen blieb indessen, ^die Gefahr noch immer eine große war, nicht unthätig. Es beeilte sich, nach jenc^Beschluß vom 5. Sept. sogleich außerordentliche Botschafter nach England, Nußla^und Kopenhagen zu schicken, mit dem Auftrage die Sachlage darzulegen, diemeine Gefahr einer völligen, unberechenbaren Revolution in Deutschland zu zeig^und um jeden Preis eine gewisse Nachgiebigkeit von Dänemark zu sodern. ^kannte in jenen Cabineten vollkommen so gut wie in Berlin die Lage der Sach'Man konnte mit dem erreichten Erfolge, der völligen Niederlage Preußens und .gänzlichen Vernichtung deS neuen Deutschland, in der Diplomatie sehr wohl zUi"den sein; man gab also gerade soviel nach als nöthig war, um die Nalionalversaw ^lung nicht zum Äußersten zu treiben. Preußen konnte bereits am 11. Sept. in Fraifürt melden, daß Dänemark den Grafen Moltke als Regierungspräsidenten aufgE^habe, und über die die Herzogthümer am härtesten verletzenden Punkte deSstillstandes in weitere Unterhandlungen treten werde. Jetzt bestimmte sich dierität deS combinirten Ausschusses zum Nachgeben: mit 10 gegen 9 Stimmen besuchderselbe, den Waffenstillstand nicht zu verwerfen. Die Minorität blieb jedochfest. Am 12. Sept. ward der Bericht erstattet. Die Minorität beantragte:Waffenstillstand nicht zu genehmigen; 2) das Reichsministerium aufzufoderN/zur Fortsetzung des Kriegs nothwendigen Maßregeln zu ergreifen, dasern die da ' ^Negierung sich nicht geneigt zeigen sollte, die Friedensverhandlungen mit der Cergewalt sogleich zu eröffnen." Zu dieser Minorität gehörten: Arndt, Blum, ^jp-muS, Elauffen, Dahlmann, Esmarch, von Räumer, Stengel, von Trützschler,