Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 333
Hermann und Wurm. Die Majorität dagegen beantragte: „1) Auf die ErklärungDänemarks, daß es auf die Wahl des Grafen Moltke zum Präsidenten der gemein-gastlichen Regierung verzichte, und auf Concessionen, wie sie der Frieden und die^uhe der Herzogthümer erheischen, bereitwillig eingehen werde, den Waffenstillstand*ucht weiter zu beanstanden, aber die unverzügliche Eröffnung der Friedensunterhand-?ugen durch die Centralgewalt zu beschließen; 2) die Centralgewalt zu beauftragen,ger daS Verfahren Preußens der Centralgewalt besonders zu berichten." Als diese^opositionen bekannt wurden, steigerte sich die Aufregung in Frankfurt aufs höchste,^ie Debatten über dieselben sollten erst zum 13. Sept. stattfinden; dann wurden sieauf den 14. Sept. festgesetzt. Mit der höchsten Spannung sah man diesem Tage
entgegen.
Am 14. Sept. Morgens um 9'/, Uhr eröffnete der Präsident die Debatte übertk vorliegenden Anträge. Zugleich erklärte er, daß noch Sonderantra'ge eingegangen«klen. Mit höchstem Erstaunen vernahm nun die Versammlung, daß die vier schles-Ais-holsteinischen Abgeordneten, Droysen, Franke, Michelsen und Neergaard, einen.Utrag eingegeben, dahin lautend: „Die Nationalversammlung beschließt: a) die Voll-üiehmrg des Waffenstillstandes, soweit solcher nach der gegenwärtigen Sachlage nochausführbar ist, nicht länger zu hindern; d) die provisorische Centralgewalt aufzufo-..^u, die geeigneten Schritte zu thun, damit auf den Grund der dänischerseits amt-erklärten Bereitwilligkeit über die nothwendigen Modifikationen des Antrags vorn^6. August dieses Jahres baldigst eine Verständigung eintrete; o) die provisorischecentralgewalt aufzufodern, wegen schleuniger Einleitung der Friedensverhandlungenas Erfoderliche wahrzunehmen." Niemand wol konnte solche Anträge von Seiten^ Schleswig-Holsteiner erwarten! Nun begann die Debatte, deren nähere Versol-man uns erlassen wird. Sie gehört der Geschichte des Parlaments. Genug,
aß die Linke alle ihre Kraft aufbot, und von allen Seiten den Antrag der Mino-
^?t vertheidigte. Allein es geschah vergeblich. Von großer Bedeutung war derT^fall jener schleswig-holsteinischen Abgeordneten gewesen; er war es, der die bis-sige Minorität zur Majorität erhoben und damit das Schicksal der Herzogthümer^firiitiv entschieden hatte. Vorstellungen, Gründe, Bitten, Zorn und Drohungenleben gleich unnütz: die Minorität des alten Beschlusses vom 5. Sept. gewann vontunde zu Stunde mehr Anhänger, und schon am 15. Sept. ließ sich vorhersagen,
sie zur Majorität werden werde. Am 16. Sept. endlich,, fand der Schluß der
ebatte statt. Die..preußische Partei hatte ihr Äußerstes an Überredung, die Parteisatt Zentrums ihr Äußerstes an angstdurchdrungener Nachgiebigkeit geleistet. WaSH."Ee man von einer Versammlung sagen, in der Männer, wie Waitz, an einemfür den Dahlmann'schen Antrag redeten und am andern dagegen stimmten!am 17. Sept. war die preußische Partei entschiedene Herrin der ganzen?^ge. Der Antrag Dahlmann-Wurm ward mit 258 gegen 237 Stimmen abge-bt; die wenigen Stimmen, die von preußischer Seite unterdessen gewonnen waren,f^ichieden die Sache. Jetzt verließen mehre Abgeordnete den Saal; es kam ein Ge-über die Versammlung, als habe ein geheimes aber großes Unglück sie betroffen,unheimliches Durcheinandersummen von Stimmen und ein regelloses Hin- unddb?Aufen trat an die Stelle der bisherigen Ruhe. Draußen hörte man die Wellenöern^^dewegung §n die Thore des Hauses schlagen; die Ähnung trüber Dingeberechtigte sich der Gemüther. Um die Sache rasch zu enden, brachte der Präsidentobigen Äntrag von Franke und Droysen zur Abstimmung. Er ward mit 257durttt ^.0 Stimmen angenommen. Schleswig-Holstein hatte den traurigen Ruhm,hab leine eigenen Abgeordneten seiner Angelegenheit den Todesstreich versetzt zuLasse man unS rasch über diese klagenvollste Partie der ganzen Reichs-hinweggehen! Mit jenem Beschlusse war denn nun wirklich deraber ^ Suche, wie Dahlmann in Wahrheit gesprochen, das Haupt abgeschlagen;auch die Nationalversammlung war von da eine verlorene Macht. Als jener