3L6 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
der preußischen Diplomatie in Kopenhagen sehr wenig fordern werde. Er sah Diesnicht ein, und ging nach Kopenhagen. Hier vereinbarte er mit dem Herrn vonRecdh ein gemeinsames Schreiben an die gemeinsame Regierung (datirt vom 28. Oct.)des Inhalts, wie in Erwägung, daß während des Waffenstillstandes nichts dem Frie-den Präjudicirliches geschehen dürfe, die beiden Commissare sich „gegen die Rechts-gültigkeit aller präjudicirlichen Bestimmungen erklären müssen". Namentlich aber müsseman diese Erklärung richten gegen die Aufrechthaltung der vier Verordnungen der pro-visorischen Regierung: über die Wahl zur deutschen Nationalversammlung vom 18.Apr.; über das Verbot der dänischen Farben und Cocarden vom 23. Sept.; über denSchuh der schleswig-holsteinischen Schiffe im Auslande vom 30. Sept.; über die schles-wig-holsteinische Handelsflagge vom 21. Oct. Ebenso müsse man protestiren gegen dasStaatsgrundgesetz im Allgemeinen, insbesondere gegen die Art. 1 (den untheilbaren unduntrennbaren Staat Schleswig-Holstein betreffend), Art. 3, 53 und 140. Die gemein-same Regierung antwortete darauf am 3. Nov.: da sie die Gültigkeit unter Vorbe-halt der definitiven Bestätigung durch den Frieden anerkannt habe, so könne durchjene Erklärung der Commissare der Nechtsbestand jener Verordnungen nicht als beein-trächtigt angesehen werden. Stedmann replicirte an demselben Tage fast ganz un-verständlich: alle Verordnungen und Gesetze der provisorischen Regierung seien ein-mal durch die Art. 7 und 11 des Waffenstillstandes ohne Ausnahme ungültig; erwerde den Inhalt der Verträge heilig halten, wolle aber „Alles thatsächlich undunvorgreiflich als Verwaltungmaßregel gelten lassen, was die hohe Regierung anord-nen werde". Damit war man denn natürlich um keinen Schritt weiter. Aber dieDänen hatten jetzt, da die gemeinsame Regierung namentlich das Staatsgrundgesehanerkannte und in Ausübung erhielt, einen Verwand, diese Regierung selbst anzu-greifen, und die preußische Politik in Beziehung aus die Herzogthümer als eine un-zuverlässige darzustellen. Die Schlcswig-Holsteiner dagegen hatten einen guten Grund,an einer Politik zu zweifeln, die ihr Staatsgrundgeseh als bloße Verwaltungsmaßre-gel gelten lassen, und mit den Dänen im besten Einvernehmen stehen wollte. ^sehte sich Stedmann, um einen bezeichnenden Ausdruck zu gebrauchen, zwischen zw^Stühlen nieder. Der Unmuth über dieses Benehmen eines Mannes, der sich^seinem Gewissen nach handelte, der aber doch als ein deutscher und nicht als einpreußischer Kommissar betrachtet wurde, stieg in den Herzogthümern von Tage ^Tage. Man warf ihm Schwäche des Charakters, Nachgiebigkeit gegen dänisch^Übermuth, endlich gar geheimes Einverständniß mit Dänemark vor. Der Unwilleder Herzogthümer ging so weit, daß bereits in der Mitte des November von mehr^Orten, namentlich Schleswigs, Petitionen nach Frankfurt abgingen, welche die Nü^berufung desselben verlangten. Natürlich führten diese Bitten zu nichts; denn ^lag ja nicht an der Person Stedmann's, wenn die Lage der Herzogthümer schwiegger ward. Während die letztem den kleinen Krieg mit dem Kommissar Stednia"führten, bereitete sich auf einem andern Gebiete ein großer Kampf gegenßen vor
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Jn Kopenhagen hatte bis dahin das Märzministerium an der Spitze derschäfte gestanden. Allerdings besaß dieses Ministerium in Orla Lehmann einen h.thätigen und gewandten Agenten seiner auswärtigen Diplomatie, in Tscherning e" ,wahrhaft genialen Kriegsminister: Dänemark hatte diesen beiden Männern ke"geringen Theil seiner Erfolge gegen Preußen im Jahre 1848 zu verdanken.dieses Ministerium besaß zugleich große und mächtige Feinde im Lande wie ausw^tIm Lande standen ihm die Trümmer der alten Bureaukratie gegenüber, die esvergessen konnten, daß plötzlich jene Männer, aus dem Nichts aufgetaucht, diesten Stellen des Landes für sich in Anspruch genommen, und die Bildungfreien Verfassung unterstützt und geleitet hatten. In Preußen und Englandhielt man das Ministerium für ziemlich intraitable, während es in Rußlandpiell gehaßt wurde und man hier voraussetzte, daß man bei einem andern SSrium jedenfalls in Kopenhagen einen bedeutend größer» Einfluß erlangen wer
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