Band 
Fünfter Band.
Seite
345
JPEG-Download
 

Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 345

die Herzogthürner würden am Ende eine preußische Provinz werden. Abgesehenvon der wachsenden Abneigung der Schleswig-Holsteiner gegen die preußische Politik,brachte diese Rüstung Preußen nichts ein als die größere Aufmerksamkeit der Groß-mächte aus sein Benehmen in den Herzogthümern, und die entstehende Meinung,Mie es am Ende für das europäische Gleichgewicht besser sein werde, wenn die Her-ivgthümer wieder an Dänemark kamen, als daß sie an Preußen fielen. So richte-ten sich alle Elemente gegen Preußen; und die Lage der Dinge zeigte schon im3ahre 1848, daß einerseits der Krieg durch die politische Lage Dänemarks, avderer-seits die Niederlage der Herzogthürner durch die politischen Verhältnisse Preußensganz unvermeidlich wären. Freilich sahen dies damals nur Wenige ein. Diedeutschen Politiker gehören der Mehrzahl nach nicht zu Denen, deren Blick gar zuMeit trägt. Die Wenigen aber, die laut und offen sich aussprachen, die das Ver-hältniß, in welches Preußen sich und die Herzogthürner gebracht, beklagten, und trotzder schon bestehenden preußischen und der rasch emporwachsenden schleswig-holsteini-schen militairischen Macht, die schon allein den Dänen überlegen schien, doch immerMw immer wieder, während der ganzen Dauer des Waffenstillstandes, wie währendder glänzenden Siege der schleswig-holsteinischen Truppen, ein klägliches Ende vor-hersagten, wurden verlacht und von Vielen sogar verklagt.

Dies war die allgemeine Lage der Verhältnisse beim Eintreten des Waffenstill-standes. Sie wird nunmehr leicht sowol Das, was während dieses Waffenstillstan-ds, als was während des Krieges im Jahre 1849 geschah, verständlich machen^ir werden jetzt die Entwickelung jenes Keims der kommenden Dinge im Einzelnerverfolgen.

Das Ende des Jahres 1848; erstes feindseliges Auftreten Dänemarks.

Am 22. Oct. 1848 war, wie schon erwähnt, in den Herzogthümern die neuegemeinsame Regierung an die Stelle der provisorischen getreten. Die Majorität der-ben bestand allerdings aus Mitgliedern der hohen Aristokratie des Landes; allein'v entschieden diese Männer waren, gegen die Demokratie in aller Weise aufzutreten,^enso entschieden waren sie, die Rechte und die Zukunft der Herzogthürner gegenDänemark zu vertheidigen. Sie vertraten den eigentlichen Charakter des Adels inSchleswig-Holstein; und wenn sie auch für innere Entwickelung,,des Landes nichtsyaten, so waren sie doch stets voran, wo es galt den dänischen Übergriffen zu weh-Ihre Stellung war keine leichte. Sie wurden, und mit vollem Rechte, voner Demokratie des Landes mit großem Mißtrauen betrachtet, und konnten als ihr^bstntlich feindlich gesinnt angesehen werden. Das nahm ihnen namentlich in jenereinen großen Theil ihres Halts im Lande. Andererseits waren ihnen auch in2 bsthgebung und Verwaltung die Hände gebunden. Endlich aber gingen diese Männerdem gemeinsamen Principe aus,' daß man in Preußen allein die Hoffnung für^Herzogthürner zu suchen habe. Natürlich ward es ihnen dadurch fast unmöglich,^was Positives zu thun. Sie haben nur negativ gewirkt in Abwehr gegen Däne-und hier freilich begann ihre Aufgabe sofort schwierig zu werden,eine ^ich bei ihrem Antritt, noch am 22. Oct., erließ die gemeinsame Regierung„Bekanntmachung", durch welche sie die bisherigen Verordnungen der provi-^ichen Regierung, deren administrative Maßnahmen, namentlich aber das Staats-deß^äesetz als gültig anerkannte. Zugleich wurde von ihr der Präsident der Lan-der Sammlung, Bargum, als ihr außerordentlicher Kommissar nach dem NordenHz Herzogthürner abgeschickt. Kaum erfuhr man Dies aber in Kopenhagen, als derCv? v Waffenstillstandscommissar, Kammerherr Reedtz, sich sofort an den deutschenHerrn Stedmann wandte, und ihm Vorstellungen machte, indem er ihnilveif r ^ weitem Besprechung nach Kopenhagen zu kommen. Stedmann war un-rrig( ein vortrefflicher Mensch, aber nichts in der Welt weniger als einDiplo-

sei,,' hätte voraussehen müssen, daß jede derartige Verbindung mit Kopenhagen

' Einfluß in den Herzogthümern vernichten und die Achtung vor der Festigkeit