348 Schleswig'Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
dauern werde, macht der König jedem seiner getreuen Unterthanen in Schleswig,„der auS zwingender Nothwendigkeit der für den Augenblick herrschenden Machtnachgibt, die Zusage, daß solches nothgedrungene Nachgeben in keiner Weise als eineihrerseitige Anerkennung der Rechtmä'ßigkeit der Gewaltmacht und als ein Abfall vonPflicht und Eid betrachtet werden soll". Die gemeinsame Regierung antwortete hierausin einer andern Proklamation vorn 23. Dec., worin sie klagt, daß „ihr Streben völligverkannt" worden sei, und zugleich erklärt, daß sie „mit der ganzen Machtvollkormmenheit deS Landesherrn ausgerüstet, die ihr legitim übertragene Gewalt zum Schuhtgegen jedweden faktischen Eingriff mit Kraft und Besonnenheit geltendzumachen wwsen werde". Das Alles hatte keineswegs den Anschein einer friedlichen Verstandsgung; allein es kam doch am Ende wenig auf die gemeinsame Regierung an, rMJedermann begriff, daß dieses ganze Verfahren wesentlich gegen Preußen gerichMsei. Preußen aber war in schwieriger Lage. Das Auftreten der gemeinsamengierung, die entschieden an den Gesetzen der provisorischen festhielt, und das eben?entschiedene Festhalten Dänemarks an den allerdings nicht zweifelhaften Bestimm^gen der Convention von Malmoe setzten das preußische Cabinet in die höchst misEAlternative, entweder gegen die gemeinsame Regierung oder gegen Dänemark vorg^hen zu müssen. Das Erstere hätte sein Ansehen im ganzen Norden auf immerbrochen, und am Ende doch auch den Zerfall mit Frankfurt früher herbeigeführt, ^man es in Berlin wünschte; das Andere hätte Preußen in einen ganz ziellosKrieg gestürzt. Es suchte daher mit allen Mitteln eine Verständigung, namentMin London, und Bunsen ließ es weder an Thätigkeit noch an Geschicklichkeit fehlesAber Dänemark blieb bei seinem hochfahrenden Tone. Es genügte sogar demschen Cabinet nicht, daß, als die schleswig-holsteinische Landesversammlung am Schlußdes Decembermonats zusammenkommen mußte, um das Budget für das na'EJahr zu bewilligen, Stedmann in einem eigenen Schreiben vom 27. Dec. sehr "
stimmt erklärte, daß zwar die Reichsgewalt die gemeinsame Regierung stets alsgesetzmäßige Behörde anerkenne, daß sie aber die Proteste des Neichscommiffars
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gen die Erklärung dieser Regierung in Beziehung aus die Gültigkeit der Gesetze vekommen billige, und daß die bevorstehende Landesversammlung „sich nicht mitProklamation Sr. Majestät des Königs von Dänemark und den militairischenregeln auf der Insel Alsen befassen, und namentlich keinen Act gesetzgeberischertigkeit ausüben dürfe". Die Landesversammlung, am 27. Dec. eröffnet, fügtewenn auch widerstrebend, in dem Gefühle, daß jeder Widerstand die Lage dernur verschlimmern könne. In Dänemark nahm man diesen Befehl des Reichs^missars auf als einen Act der Schwäche; in den Herzogthümern sah man darin ^Erklärung, daß man auf Deutschland nicht mehr zu rechnen habe. Die Sacheaber kam damit um keinen Schritt weiter; und obwol Preußen jetzt ernstliche ^suche zu Friedensvorschla'gen namentlich in London machte, von denen wirreden werden, so ward doch das Gefühl immer allgemeiner, daß an eine sriedAusgleichung nicht zu denken sei. . ^
Daß preußische Cabinet begriff schon im Anfange des November, daß nn^,ider erneute Krieg daS Ende des Waffenstillstandes sein werde. Die schwanken §Zustände Deutschlands ließen aus eine bestimmte Hülse von Seiten der deuu^Mächte kaum rechnen. Preußen selbst schien seine Truppen bedürfen zu müssengeschah es nun, daß Preußen begann, die Kräfte der Herzogthümer in vollstem ^ ^zur Anwendung zu bringen. Der bisherige preußische Oberst Bonin wardSpitze des schleswig-holsteinischen Heerwesens gestellt; der Prinz von Augustsdankte ab und zog sich aufs Land zurück. Eine große Anzahl preußischertrat in das schleSwig-holsteinische Heer ein, und mit äußerster Anstrengungnunmehr in demselben gerüstet. Die allgemeine Wehrpflicht wurde zur Anwegebracht im größten Umfange. ES war ein erhebender Anblick zu sehen, ^„^6lich die ganze Masse der Jugend Schleswig-Holsteins ohne Unterschied desdie Muskete ergriff: Grasen, Edelleute, Studenten, Handwerker, Bauern,