Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 363
entschlossenen Compagnien. Mit gefälltem Bayonnet ward jetzt ein glänzender undentschiedener Angriff auf die Dänen gemacht, die den Marktplatz schon genommenhatten. Ein wüthender Kampf erhob sich. Die Bürger, hingerissen vom Zorn, be-sannen theilzunehmen; es ward aus den Fenstern auf die Schleswig-Holsteiner ge-schossen. Mehre mit Schrot und Hagel verwundete Schleswig-Holsteiner wurdenaus der Stadt getragen. Das entflammte ihre Kameraden zur Wuth. Die Häuser> Wurden gestürmt, die Dänen geworfen und geschlagen; die schleswig-holsteinische Ar-tillerie eröffnete ein mörderisches Feuer auf jedes Haus, das an dem Gefechte theil-Senommen. Bald standen 5, 10, 18 Häuser in hellen Flammen; es war ein furcht-barer Anblick. Auch den Dänen deckte die Feuersbrunst den Rückzug. Bonin konnte,ves Siegs aus dem rechten Flügel gewiß, Verstärkung nach dem linken Flügel, ^cken; und dadurch ward auch Rye von der Defensive zum Weichen gebracht. Um' -Nittag befand sich das ganze dänische Heer im vollen Rückzüge.
Etwa 11000 Schleswig-Holsteiner hatten, ohne die geringste Unterstützung, mehr§ls 20000 Mann geschlagen. Der Verlust der Dänen belies sich auf 7—800 Mann
Todten und Verwundeten mit etwa 120 Mann Gefangenen; der Verlust der
Schleswig-Holsteiner betrug etwa 380 Mann. Moltke ging mit seiner und der
/ ^chleppegrell'schen Brigade nach Fridericia, Rye nach Veile. Die schleswig-holstei->! ^?sche Armee blieb vorläufig bei Kolding stehen. Der Eindruck dieses Siegs war
^ dM mächtiger. Es war das erste mal, daß die Schleswig-Holsteiner den Dänen
- Ain gegenübergestanden; sie hatten gesiegt, obschon nicht ohne Verluste. An 18^Were waren todt oder verwundet; unter den Letztem die beiden Brigadecomman-^Uten Graf Baudissin und Oberst Sachau. Letzterer starb spater an seiner Wunde,n- ^chdeni er noch den Sieg seiner Truppen erlebt. Der Muth wuchs im Innern des
^ ^bes, und nach außen mußte man die Überzeugung gewinnen, daß das kleine
v ^^kswig-Holstein doch Recht gehabt, wenn es stets mit Stolz behauptete, es selbstM '/hon sei den Dänen vollkommen gewachsen. Wollte man das schleswig-holstei-' Heer nicht allein zum Herrn des Schlachtfeldes machen, so mußte man jetzt
e o r! preußischen Truppen nachrücken. Es kam also ganz anders, als Manche
^ acht. Man hatte erwartet, die Niederlagen der Schleswig-Holsteiner würden denl- ^"Marsch der Preußen ungefährlich für die preußische Politik machen; jetzt erfodertenjt Siege derselben diesen Einmarsch. Schon am 24. Apr. kam ein Befehl an den§ Prittwitz von Frankfurt aus, mit der Neichsarmee in Jütland einzurücken.
rie " Prittwitz blieb ruhig stehen. Erst am 6. Mai langten die preußischen Colon-a- ^ Kolding an. Dänemark hatte auch jetzt noch nicht nachgeben wollen; und
^ ^ wußte wenigstens den Schein des Ernstes annehmen. Prittwitz ging von
sck- "S nach Veile und drängte die Dänen fort; die Schleswig-Holsteiner aber mar-r^Een mit ihrer ganzen Armee auf Fridericia. Hier trafen sie unterwegs das dä-zu» Heer in einer starken Verschanzung bei Gudsoe am 7. Mai. Diese Verschan-^ 3 beherrschte den Zugang zu der Festung Fridericia, und war so fest, daß ein directer^ dieselbe schwer oder gar nicht möglich erschien. Allein die Schleswig-öier»l- ^ umgingen den rechten Flügel der Dänen, und nun wichen diese nach einemhitzigen, jedoch keineswegs entscheidenden Gefechte nach Fridericia zurück. ZuUe^er Zeit marschirten die Preußen von Veile nördlich, das kleine Corps des Ge-vor sich hertreibend, zuweilen auch einige Kugeln wechselnd, stets aber in^ Vorsicht, daß den Dänen kein Leid geschehe. Es war das kein Feldzug zuselbst - Erbitterung über diese Politik inmitten des Kampfes stieg aufs Äußerste,Mbden preußischen Truppen. Rye schiffte sich zuletzt mit seinem Corps un-öetj^et ein, ohne einen Mann verloren zu haben, und erschien seiner Zeit in Fri-wieder, um hier das Ende seiner Laufbahn zu finden,baß "terdessen war das schleswig-holsteinische Heer vor Fridericia angelangt. Anstattsest dasselbe zur Verfolgung des Feindes hätte verwenden sollen, kettete man esbme schwer zu nehmende Festung, die von der Seeseite offen blieb, und derenuch im günstigsten Falle nichts nützte. So groß aber auch der Unmuth war,