364 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
so mußte man doch gehorchen. Und so begann nun jene thätige Untha'tigkeit vorFridencia, die in der Geschichte der Feldzüge wol kaum ihres gleichen hat. D"Schleswig-Holstemer, an ihre fast unlösliche Aufgabe gebunden, dehnten sich allrnäligrund um Fridencia aus. Es wurden in aller Gemächlichkeit Schanzen aufgeworfenund Parallelen gezogen; es ward ein Lager gebaut und schweres Geschütz zu ganz*lieh nutzlosem Bombardement herbeigeschafft. Am 16. Mai begann sodann diesesBelagerungsgeschütz zu spielen; die Festung antwortete: von beiden Seiten that niaNsich wenig zu Leide. Der General Bonin richtete sich ein, als ob er 100000 Man"zu commandiren hätte, während die Dänen doch numerisch stärker waren als ditSchleswig-Holstemer. Die Truppen machten sich breit im Lager; dasselbe ward aus'geschmückt; man errichtete Buden, Gastzelte, Wirthschaften; Krämer und Handels'leute kamen vom Süden, dann auch viele Besuchende. Das Lager fing an, seinenmilitairischen Charakter zu verlieren; es war eine Stadt vor einer Stadt. Niemandbegriff, wohin das führen solle; Jedermann sah ein, daß man so die Festung nichtnehmen könne. Um so fröhlicher überließ man sich dem Lagerleben. Noch erzay*len Die, welche in diesem Lager standen, mit wahrem Vergnügen von der schönenZeit, die sie hier erlebt, und die Besucher werden sich stets des freundlichen, lebeMdigen Anblicks erinnern, den dieses Heer darbot, das, ich möchte sagen, wie -U^Ausruhen im Grase hingestreckt dalag. Dazwischen trat dann und wann heftig^Feuern der Batterien, oft mörderisches. Die Bomben flogen dichter in die Stadtund richteten großen Schaden an; viele Dänen fielen durch die trefflich bediente ^tillerie der Schleswig-Holstemer, und namentlich zeichnete sich die Schanze des Lie^tenants Christiansen aus durch unverdrossenen Muth und vorzügliche Wirkung, dl.'mälig rückten dabei allerdings die deutschen Belagerer näher und näher, und d'Stadt ward von der Landseite immer enger cernirt; allein eine Entscheidung trat nichein, und die Dänen konnten täglich ungestört die Truppen wechseln und Zufuhr^bringen. Daß man dabei die eigentliche Kriegführung nach und nach aus den Aug^verlor, war natürlich. Der Monat Juni kam, keine Entscheidung! Kein Sch^war vorwärts oder rückwärts gethan! Umsonst warnten die Verständigen, umft^drängten die Unmuthigen. Nichts rückte aus der Stelle. Denn während das deuts^Schwert den Feind fast vernichtet, ging die Diplomatie ihren Weg. Es ist in.erfreulich diesen Weg zu verfolgen; dennoch muß es geschehen.
Die Diplomatie; die Schlacht vor Fridencia; der Waffenstillstand vom 10. Zuli.
Der letzte Theil dieses zweiten Abschnitts der neuesten schleSwig-holsteinischen ^schichte ist um so trauriger, die Erinnerung an jene Zeit eine so durch und du
- - urov
schmerzliche, daß der Leser es uns verzeihen muß, wenn wir so rasch als irgendlich über seinen Inhalt weggehen. Daß nie die deutsche Geschichte ein solches
aufzuzeichnen haben möchte
Während die schleswig-holsteinischen Truppen die dänische Übermacht ausPunkten schlugen, und die große deutsche Armee in voller Untha'tigkeit langsam ^Jütland hinemmarschirte, waren die Friedensunterhandlungen durchaus nicht a^.,krochen worden. Allein eben diese Unterhandlungen zeigten dem preußischen ^net, daß es gänzlich machtlos dem dänischen gegenüber dastehe. Nicht etwa, dapNiederlage der Dänen dieselben zur Besinnung gebracht hätte: im Gegentheuwannen sie immer mehr die Überzeugung, daß, je weiter Preußen nach Jütland ^einrücke, es um so entschiedenere Gegner unter allen Großmächten finde. Denn ^hatten den Krieg Preußens von jeher als eine Eroberung betrachtet. Solang ^deutsche Reich zu existiren schien, solange konnte Preußen sich, seine Auftragseine Gewalt hinter dasselbe zurückziehen. Bis dahin war es Preußenunter der Antipathie der Großmächte gegen diesen Krieg litt; es war diese ^ridethie vielmehr nur ein Kampf dieser Großmächte gegen die in Deutschland enOsechste oder fünfte Großmacht. Allein mit dem Monat März des Jahres 18 Deres endlich ganz unzweifelhaft, wie Preußen sich zu diesem Deutschland verha