rd
Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 367
Überhaupt kein Gesetz vorgelegt. Und doch hatte das Land nicht einmal irgendeineangemessene Gemeindeordnung. Die Gutsherrlichkeit bestand allenthalben fort, Patri-Aonialjurisdiction, gänzliche Abhängigkeit der Tagelöhner, Hilflosigkeit derselben. VonGeschworenengerichten war gar keine Rede; die Justiz war mit der Verwaltung aufbie bunteste Weise gemischt. Und statt Dem abzuhelfen, verfolgte man gerichtlich dasdurchaus loyale, aus keinem Punkte in Ungesetzlichkeit ausartende Bestreben der de-mokratischen Richtung, die namentlich dem Insten- und Tagelöhnerstande sein Loosiu erleichtern trachtete. Dieser große Fehler hatte eine zweifache, höchst traurige Folge.Zuerst versäumte man die kostbare, unwiederbringliche Zeit, in der man die Herzog-tümer durch gleichartige, gemeinsame und freisinnige Institutionen hätte innig ver-enden können. Die tüchtigsten Männer verwandten sich vergeblich dafür, daß dieStatthalterschaft solche Schritte thun möge — umsonst! Es blieb Alles beim Alten,Und das stärkste Band, das die Herzogthümer hätte vereinigen können, ward auf diesedeklagenswerthe Weise aus der Hand gegeben. Wie ganz anders stände die SacheAtz und wie viel ohnmächtiger würde jeder Versuch geblieben sein, Schleswig vonHolstein zu trennen, wenn man damals namentlich die Gemeindefreiheit und die volks-tümliche Gerichtsverfassung eingeführt hätte! Daß Das nicht geschehen, wird ewigder härteste Vorwurf für die Statthalterschaft sein, und die Zeit kann nicht aus-üben, wo man bitter bereuen wird, die Einheit der Herzogthümer nicht auf der'Oasis erbaut zu haben, auf der sie allein Sicherheit finden konnte. Die Statthal-^'schaft hat in diesem Punkte durch Unterlassung dem verbundenen Schleswig-Hol-mehr geschadet, als sie durch verkehrtes Handeln es jemals hätte thun können,zweite Folge aber war, daß sich eine neue wachsende Opposition gegen die Ne-Zlerung st^si erhob, die am Ende sowol die reine Demokratie als die rein schleswig-Msteinisch Gesinnten zusammenfaßte. Denn nur zu deutlich begann man einzusehen,d' diesem Wege im günstigsten Falle ein harter Kampf mit der Regierung uml.e Bewilligung jener Institute entstehen, im ungünstigen aber durch deren Nichtein-lUhrung die Herzogthümer verloren sein würden. Indessen half alle Opposition undMes Drängen nichts. Die Statthalterschaft legte keine Entwürfe vor, und der Un-^Uth des Landes darüber führte das wahre Wohl der Herzogthümer um nichts wei-Es bedeutete nicht viel neben dieser eigentlichen und wahren Lebensfrage der^krzogthümer, daß nun ein langdauernder Kampf über die Adresse der Versammlung* die Statthalter entstand. Doch war dabei das ganze Land in ziemlicher Auf-Kurzsichtigen glaubten, weil das schleswig-holsteinische Heer die DänenIchlagen habe, könne man jetzt aus endliche Erfüllung der Wünsche des Landes rech-NeÜ, ^"e Unzahl von Adressen lief ein, die Aufhebung der Personalunion mit Dä-verlangten. Man gab sich der kindlichen Hoffnung hin, daß wenn nur derH^schuß sich darüber ausspräche, das Wesentliche der Sache erreicht sei. Mehreedactionen der Adresse lagen vor; es ward lange debattirt. Endlich am 1. Juliman eine Adresse an, welche die Politik der Statthalter billigte, in welcherhalf die Stelle vorkam: „Wir hegen die Überzeugung, daß ein friedliches Ver-hE zwischen den Schleswig-Holsteinern und Dänen nicht eher dauernd hergestellt
Dies könne, als bis auch die Gemeinsamkeit des Fürsten ihr Ende haben wird.
Wunsch, welcher im Lande allgemein verbreitet ist, und dem jedenfalls eine^auf^ Berechtigung zur Seite steht, greift einem Ereignisse vor, welches doch demhöre Natur nach dereinst erfolgen muß" u. s. w. Daneben ward das Auf-vUna ^ Wirksamkeit der deutschen Nationalversammlung beklagt, aber die Anord--don Neuwahlen für dieselbe abgelehnt. Ein Theil der Linken stimmte nicht^ meinte, daß damit viel verloren sei. Die Rechte glaubte dagegen etwasgeleistet zu haben. Und doch hielten Statthalterschaft und Landesver-^hern""g uicht einmal ihr eigenes, von einem preußischen General und hundertniedern preußischen Offizieren commandirtes Heer in ihrer Hand! Dierv^e's L Minister ließen sich nicht einmal herab, der Statthalterschaft auf ihr mehr°v * Fragen auch nur zu antworten. Ja, ehe acht Tage nach dieser siolzklingen-