Band 
Fünfter Band.
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377
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Staat und Stadt Frankfurt. 377

Das Gerichtswesen wurde zwar mit preiswürdiger Gerechtigkeit und Unpartei-lichkeit verwaltet, und war im Ganzen, zumal nachdem der Jnstanzenzug durch dasden vier Freien Städten gemeinsame Obcrappellationsgericht geordnet, gut eingerichtet;aber von dem inquisitorischen Verfahren in Criminalsachcn kam man nicht los. Dasdccusatorische Verfahren mit Öffentlichkeit, Mündlichkeit und Geschworenengerichtenlvard in der vormärzlichen Zeit immer abgelehnt, und erst in der neuesten Zeitbeschlossen. Zur vollen Ausführung kam es auch bisjetzt (Mitte 1850) in Frankfurt"lcht, schon weil die dafür nothwendigen Baulichkeiten erst beschafft werden mußten.

Wie sehr aber auch, in gesetzlicher und geselliger Beziehung, die Stände, gleich,sam als kleinere Staatsgesellschaften im kleinen Staate, getrennt, wie sparsam auchd>s 1848 dem ganzen Vaterlande so auch der freien Stadt das Maß der öffentlichen«reihciten zugemessen war, so machte sich doch in Frankfurt zu allen Zeiten ein!?>er, tüchtiger und unabhängiger Bürgersinn geltend. Die Menschenfurcht, dasÄngstliche und gedrückte Wesen, das leidige Ceremonie!!, die Beamten- oder Adels-ycrrschast, welche namentlich in vielen kleinen Residenzen Deutschlands so unangenehmAuffallen, war hier unbekannt. Die glückliche Lage der Stadt, wodurch sie zumZusammenfluß so vieler Notabilitäten wird, ihre bedeutenden Handels- und andernVerbindungen, die vielen tüchtigen, zum Theil ausgezeichneten Männer, welche Frank-furt theils erzeugte, theils in seinen Mauern beherbergte, der Einfluß seiner mitkuntnißreichen, wohlbesoldeten Lehrern besetzten Schulen und Erziehungsanstalten, die^edcutenheit des frankfurter Buchhandels, der glückliche Umstand, daß es hier keinProletariat gibt, selbst die gutmüthige Derbheit des echten Frankfurters, die sichschwer in die Formen der Unfreiheit fügt, die Strömungen des öffentlichen Lebenssu Frankreich und den benachbarten konstitutionellen Staaten Süddeutschlands, mit"chcn die Stadt in beständiger Wechselwirkung steht — alles Dies wirkte mächtigud wohlthätig auf den öffentlichen Geist, der sich still aber fortschreitend entwickelte,^en Theoremen der stürmenden Weltverbesserer abgewandt, neigte sich der Kern derurgerschaft immer mehr dem wahrhaften und nachhaltigen Liberalismus zu, wenn"uch mit einiger reichsstädtischen Färbung.

Den ersten heilsamen Anstoß zur Aufhebung, oder doch zur Milderung verro-hter mittelalterlicher Institutionen gab der Beitritt Frankfurts zum preußischen Zoll-yhin (,m Januar 1836). Durch das Interesse der Handlungen mit ausländischenMaaren, durch den Schlendrian, der Alles gern beim Alten läßt, sowie durch denMeppendm Gang der Bureaukratie, war dieser Beitritt länger aufgehalten wor-,h, als für die Stadt ersprießlich. Man war sogar auf den barocken, einen Augen-. 'E verwirklichten Einfall verfallen, zwischen Liliput und Brobdignac, zwischen Frank-*t und Großbritannien einen Handelsvertrag zu schließen, in welchem beide Staa-g? s>ch zum Schutze ihrer Schiffahrt und ihres Handels verbanden. Durch dieUmgebung des Zollvereins, der man sich unterwerfen mußte, ward es unmöglich,Stadt länger hermetisch verschlossen zu halten, und jede außer der Meßzeit inA Gebiet eingebrachte Arbeit von den Zünften und Gilden proscribiren zu lassen,t^psschiffe und Eisenbahnen, diese mächtigen Apostel der Cultur der Neuzeit, führ-8m nach weitem Richtungen hin, und vollendeten die Enttäuschung Derjeni-die „och immer außer den Mauern ihrer Freistadt kein Heil, und jenseit ihrer^thürme das Ausland sahen.

ch Wie der Zollverein der Ausschließlichkeit des Zunftgeistes, so trat das Auftau-des Deutschkatholicismus im Jahre 1844 der religiösen Ausschließlichkeit in denprotestantische Stadt war von dem Mißbrauche, welcher mit dem hcili-deww Trier getrieben wurde, so außerordentlich aufgeregt und empört, daß siedaß '^nen und freimüthigei>,Manne in Laurahütte, von dem man damals nicht ahnte,'htm* ^ durch politische Überstürzungen den Boden selbst untergraben würde, inscholl »^en Mehrzahl lauten Beifall zollte. Der Ruf nach religiöser Freiheit er-blich- "°"all um so lauter und stürmischer, als der nach politischer Freiheit verpönt' und der Tag, wo Nonge in Frankfurt erschien (Oktober 1845), stand in Freu-