Staat und Stadt Frankfurt. 379
öei der dänischen Dynastie verbleiben konnten, als der dortige Mannsstamm nicht^usstürbe, und er bitte die Anwesenden, wenn sie hiermit einverstanden wären, diesvurch Erhebung von ihren Sitzen zu bethätigen: da fuhr, wie von einem elektrischenschlage getroffen, Alles vom Sitze auf. Freilich widersprach hierauf, formell mit^echt, Pertz, suchte Mittermaier zu vermitteln, nahm Neyscher selbst halb zurück,was er eben beantragt hatte; aber das Wort war gesprochen, und die Germanisten-^rsanimlung zur Vorläuferin des Vorparlaments geworden. Als die VersammlungAch für deutsches Recht und Geschworenengerichte erklärte, als in der historischen^(Heilung GervinuS und Wurm aus Hamburg kräftig für die Neuzeit auftraten,beim Festessen fast von allen Rednern in deutscher Sprache Worte gehört wur-dkn, wie sie eine deutsche Gelehrtenversammlung wenige Jahre früher kaum in latei-nischer Sprache gewagt haben würde, da zeigte sich in säuselndem Wehen die Neu-i^it, die sich bald im Sturme offenbaren sollte.
In Frankfurt hatte die Germanistenversawmlung auf die sogenannten höhernstände einen Theil der Wirkung, den in einer andern Beziehung das Montags-drä'nzchen auf den Mittelstand übte. Es gehörte immer mehr zum guten Ton, sich,was die allgemeinen Verhältnisse Europas und Deutschlands betraf, zu freisinnigen^"sichten zu bekennen, wenn auch selbst die Koryphäen des Liberalismus noch man-^es Wenn und Aber in Bereitschaft hatten, sobald ?s sich von der Anwendung die-Ar allgemeinen Grundsätze auf die besondern Verhältnisse der Freistadt handelte,immerhin konnte man jedoch auch dieser nicht ganz entgehen. So gelang es dennEndlich im Jahre 1847 die Öffentlichkeit der Sitzungen des Gesetzgebenden Kör-^Ers durchzusetzen. Früher hatten — sollte man es glauben — Männer, die spaterder Spitze einer Partei standen, welchen das Bedenklichste nicht bedenklich er-«chren, diese Verbesserung unserer politischen Zustände, die selbst dem Vereinigtenandtage in Berlin nicht versagt ward, sehr bedenklich gefunden und sich aus allenrasten dagegen ausgesprochen. Man hatte die sonderbare Furcht gehegt, es möchtensolche Weise das Budget der Freistadt und ihre sonstigen Staatsgeheimnisse den„andern Mächten" bekannt werden. Als ob diese nicht Mittel genug gehabt hätten,Urch ihre hier befindlichen Gesandten oder auf andere Weise die dünne Decke derwankfurter Mysterien zu lüften, welche im Senate unter 42, in der GesetzgebendenErsammlung unter 85 Menschen verhandelt, und zum Theil als Manuscript gedrucktUrden! Auch zeigte sich bald, wie wenig Gefahr das Aufgeben dieser Geheimniß-aruerei nachsichzog. Der Raum für das Publicum, welcher etwa 60 — 70 Mett-en — ungefähr ein Tausendtel der frankfurter Bevölkerung — fassen konnte,^ selten voll; aber die öffentlichen Blätter fingen doch an, über die Verhandln-N? LU berichten, das Publicum begann Notiz davon zu nehmen: Das stärkte denUth der freisinnigen, lahmte die Zunge der cmtediluvianischen Mitglieder!
^ Freilich wurden von der andern Seite auch einige bedenkliche Zeichen in dertätlichen Stimmung theils bemerkt, theils gewittert. Im Montagskränzchen bilde-t?6ch schon zwei Parteien. Ein Mann von Kopf, aber von sehr extremer Rieh-2 3,. Georg Lommel, hatte bei einem Feste, das der Verein feierte, an die Tönevy^st, die er später im Verein mit den Radikalen hören ließ, und dadurch zwarErbat " Vorstehern eine Rüge, aber auch bei einem Theile der Hörer großen Beifallbirst Uhlich, dem bei seiner Durchreise durch Frankfurt (September 1847) eben^rein eine Ovation bereitete, wäre beinahe durchgesallen, weil er auf gehar-yr^eden mit versöhnlichen Worten geantwortet, und erinnert hatte, wie Würdefled^^nnenheit mehr Kraft und selbst mehr dauernde Begeisterung verleihen alsHitze, und im Streite der Ansichten nicht Feinde zu bekämpfen, sondernde^ br iu widerlegen wären. Auch hier war Georg Lommel wieder in den Vor-daß < getreten, und hatte dem Gaste ins Gesicht ein Wort von Hütten angeführt,wrht hinausläuft: man solle nur Todte, nicht Lebende feiern, weil der Morgenden EH Abend des Lebens verbürge. Auch andere, sonst gemäßigtere Männer lie-harten Worten gegen den Gast nicht fehlen, und von allen Rednern nahm