Staat und Stadt Frankfurt. 391
heiligten, siegte jene liberale Liste über die ihr entgegengesetzte mit großer Mehrheit,^er neue Verfassungsrath hatte kaum seine öffentlichen Sitzungen im Kaisersaalebegonnen, als Dr. Kugler (2. Sept.) schon den Antrag stellte, eine von allen Staats-angehörigen in Stadt und Land frei gewählte verfassunggebende Versammlung von^0 Mitgliedern mit der Abfassung der neuen Konstitution für den kleinen Freistaat^ betrauen. Am 11. Sept. wurde der Antrag mit 26 gegen 3 Stimmen an-kommen.
Auch in der Nationalversammlung theilten sich nicht nur die Parteien, sonderndie Nuancen vielfältig. Von dem Steinernen Hause — nomen et omen —s.A Club der äußersten Rechten, welche später nach dem Cafe Milani und dem Eng-ten Hofe übersiedelte, bis zu dem Donnersberge, wo die äußerste Linke ihre Zu-nienkünfte hielt, waren alle Schattirungen besonders verbunden, und sonderten
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Ä dann immer wieder zu neuen partiellen Einigungen. Wenn wir sagen, daß imteinernen Hause die Cigarre untersagt, in den Kreisen der Linken (Deutscher HofDonnersberg) der Rock gewöhnlich abgelegt wurde, so gaben diese Äußerlichkei-E" ein Bild ihres innern Lebens. Wenn wir hinzufügen, daß die Rechte sich inornehmer Abgeschlossenheit hielt, während die Männer der Linken in den Felsenkel-Wein- und Kaffeehäusern vertraulich mit dem Volke plauderten und verhan-gen, die äußerste Linke auch die Kneipen nicht verschmähte, so haben wir einenl?krn, aber nicht unwichtigen Grund angegeben, warum die Letzter« immer popu-te ^ wurden. Die Männer des Centrums, des Casino, des Landsberg und des Wür-^oerger Hof, hielten auch in dieser Beziehung die Mitte. Sie lebten ebenfalls inbau "E dem Volke; aber sie sowol als die sogenannte Linke im Frack, die Westend-h ' standen doch dürch ihre Ausdrucks- und Lebensweise den untern Schichten^ "Bevölkerung ferner. Bedenkt man zugleich, daß die starke, vor keiner Konsequenzh..^schreckende Leidenschaft etwas Dramatisches, Ergreifendes, Hinreißendes hat,hrend das besonnene Abwägen des Für und Wider eher Billigung findet als Be-Mrung erregt: so wird man es natürlich finden, daß die Galerie, wie ein ziemlichvßer Theil der Bevölkerung überhaupt, immer mehr Partei für die äußerste Linke^yrnen konnte. Bald kam es dahin, daß die Hallen der Paulskirche jedesmal vomL^allssturm der Galerie erdröhnten, wenn die Männer der äußersten Linken ihrenin schneidenden Reden von der Tribune herab in die Versammlung ausschütteten,der Momenten that sich dem Beobachter der ganze bodenlose Abgrund auf,^in' b Kation tiefer und tiefer spaltete, während sie ämsig an der Herstellung ihrer^ung zu arbeiten schien. Hier die Freude am Aufregen und Verletzen, Mangeldg S^ouung der Gefühle deutscher Stämme, aller Achtung vor ihren Häuptern;jh ' auf der äußersten Rechten, das kaum minder ^parlamentarische Herausfodern" Vorhallen des Tempels der Gesetze, die geballten Fäuste, die laute Drohungsch.scheiden, wo es galt Roheit durch Bildung und parlamentarischen Takt zu be-gegen, und Denen, die zerstören wollten, die vaterländische Centripetalkraft entge-zollen. Das Benehmen der Galerie, als Brentano den bekannten Ausfall gegene^l^mzen von Preußen gleich einem Erisapfel in die Debatte schleuderte, hatteöur Folge, daß der Raum der Galerie um mehr als die Hälfte verengtE- Es war nothwendig geworden; aber welch ein trauriges Zeichen!
Der Septemberaufstand.
kly ^Uter solchen Verhältnissen nun trat der Malmoer Waffenstillstand heran —bers^Eigniß, das die äußere Ohnmacht und die innere Zerrissenheit der National-^tg^^ung vor den Augen Europas bloslegte, und dem Radicalismus theils den^ ""hr noch den Vorwand abgeben sollte, gegen die erste Vertretung des deut-^ und die von ihr getragene Regierungsgewalt die Fahne des Aufruhrs
tz/n. Es ist hier nicht unsere Aufgabe, auf die innere Geschichte dieser trau-^ s. ^ Gelegenheit, ihre Wendungen in der Versammlung, auf die Ministerkrisis' einzugehen; wir haben nur die Ereignisse zu berichten, welche sich in Folge