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Fünfter Band.
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Niederland und seine Colonien.

Die übrigen Verhältnisse Hollands; seine Handelsbeziehungen zu Deutschland; Limburg.

Wer möchte den Nachkommen der Männer, welche weite Moore zu ihren Wohn-platzen eindeichten und in stetem Kampfe mit Meer und Strömen der Freiheit schonfrüh bedurften, die hinter ihren Dämmen Alba's gedrillten Heeren löwenmuthig wider-standen, und die Flagge der Geusen auf allen Meeren siegreich entfalteten — wermöchte ihnen verdenken, daß sie sich in stolzem Selbstgefühl vom deutschen Mutter*lande entfernten, weil sie in jeder Beziehung, in politischer, religiöser und literari-scher Freiheit, in Handel, Reichthum und Macht, für jene Zeit allen übrigen Ländernvorausgeeilt waren! Die traurigsten Jahrhunderte der deutschen und der europäischenGeschichte bilden gerade die glorreichste Zeit für Niederland. Zwar hat auch Preu-ßen in dem Zeitraume des monarchischen Absolutismus, besonders dann, als derniederländische Stern schon vor dem englischen zu bleichen begann, seine äußertGröße als Staat begründet: es arbeitete sich unter seinen trefflichen Regenten vorden übrigen absoluten Monarchien, einen Augenblick selbst bis zur ersten Rolle, empor«Doch Preußen befolgte auf dieser raschen Entwickelungsbahn zwei sich cntgegenge*setzte Principien: es war reformatorisch und aufklärend noch entschiedener als selb?die niederländische Republik und als England, zugleich aber absolutistisch und dirständischen Gerechtsame schwächend, in Widerspruch mit diesen der politischen Freiheuzustrebenden Staaten. Diese innern Gegensätze, eine Zeit lang durch die Persönlich*keit der preußischen Fürsten zu einer Art erleuchteter Dictatur vermittelt, mußten S"innern Kämpfen und selbst zu einer Revolution führen, um den Staat davon zu be-freien — ein Proceß, der im Jahr 1807 begonnen und eben vor unsern Augen sichentwickelt hat. In der That, die innere Annäherung auch im VerfassungsprinciP^hat somit zwischen Preußen und Niederland stattgefunden: jenes hat sich aus der"Absolutismus, dieses aus der Staatenrepublik zu einer verfassungsmäßigen Einhe^schaft umgestaltet. Die Zukunft erst wird das Resultat dieser Wandelung anTag bringen. DaS neue deutsche Verfassungsleben, bei einer zeitgemäßen Verjüngungdes Bundes, wird auch neue Brücken in das Herz des niederländischen Volks bilde"'Und warum sollte Holland nicht zuletzt ebenso gern wie Baiern oder Hannover d§freie Glied eines neuorganisirten starken Deutschland abgeben! Selbst die wechsi^festigen Interessen werden am Ende noch darauf hinarbeiten; denn das Vordring^des binnendeutschen Staatskörpers an die Nordsee, auch über Niederland undgien, ist eine Lebensfrage für Deutschland.

Die lange Entfremdung des deutschen Südens vom Norden erklärt eS, daß ^süddeutsche Presse, welche den Angelegenheiten der Schweiz eine so warme Theilnahl"bewies, den belgisch niederländischen Verhältnissen ziemlich fremd blieb, ungeachtet dst!in mancher Hinsicht viel wichtiger sind als jene, und gewiß unsere höchsten Handelpolitischen und maritimen Wünsche berühren. Während die Schweiz verständig^weise nur die Aufgabe bietet, sie in ihrer vollen Integrität und Sicherheit zu erh"ten, geht über die Niederlande der Weg zur Handels- und Seegröße Deutschla^'Auch liegen dort, wo die Verhältnisse sich in Berührung mit der See von alter^für die Weltgeschichte bedeutungsvoller als -in den Hochlanden gestaltet haben,Principien, die Nationalitäten, Interessen mit weit unmittelbarerm Bezüge zu Dennland im Kampfe, und es würde eine traurige Kurzsichtigkeit in vaterländischen Di"^verrathen, wenn die deutsche Presse das Gewicht der dort obschwebenden Fragenfühlte, und das deutsche Interesse dabei nicht unablässig verfolgte. Und den" ^scheint man auch jetzt noch im deutschen Süden von dem tiefgreifenden KampfeDeutschem und Französischem, zwischen deutscher und französischer Politik in de»n ^biete der Rhein- und Scheldemündungen, und von der Tragweite desselben nur ^und da mehr als eine Ahnung zu haben. Das sind die Folgen der anerzogenen §Lügenden des Provinzialgeistes, des Stammneides, der konfessionellen und ch

Zersplitterung! Mit den guten Eigenschaften des deutschen Charakters haben aberdie Niederländer dieselben Fehler, und zwar noch prägnanter als wirgebildet. Namentlich ist unsere Kleinla'ndlerei bei ihnen zum unbilligsten ^