Band 
Fünfter Band.
Seite
463
JPEG-Download
 

öhel

die

Niederland und seine Colonien. 463

Egoismus, unser Festhalten am Herkömmlichen zu einer verderblichen Miskcnnung derPolitischen Nothwendigkeiten, zu einer Verknöcherung von Ansichten und Ansprüchenherangewachsen, woran der Staat schon einmal zugrundegegangen und, wiederherge-stellt, zum andernmal in seinen Grundvesten erschüttert worden ist. Noch immer willHolland sich nicht bequemen, der aufsteigenden Bewegung Deutschlands seit den letzten^ahrzehnden Rücksicht zu schenken; und gerade hierin liegt der tiefere Grund derschnellen Wiederauflösung des Vereinigten Königreichs der Niederlande, das nur im^eien Bunde mit Deutschland ein inneres Gleichgewicht gefunden hätte. Holland^ütte sich an ein getheiltes Deutschland gewöhnt, das ihm Talente, Menschen, Schiff-^lz, Getreide, Wasserkitt u. s. w. zufließen, und geduldig sich die Preise hierfür^.lvie für die Artikel machen ließ, welche es dagegen nahm. Es will ihm nicht zu„"ine, daß Deutschland ihm den Binnenantheil am deutschen Handel nicht langerKurien, daß es sich nicht mehr ohne weiteres ausbeuten lassen kann.

^ Vielleicht ist der Augenblick ziemlich nahe, wo wir das auf jenem wichtigen^oden in den Jahren 1814 und 1815 Versäumte wieder einholen können! Wasbeklagt das westliche Deutschland seit 1815 am häufigsten; was hat seine Entwicke-lung dort am meisten gehemmt? Daß man der englisch-russisch-französischen Diplo-matie erlaubte, ein Königreich der Niederlande, angeblich zwischen Deutschland undFrankreich uns zum Schutze, in Wahrheit aber zwischen uns und dem Meere zuUnserer Knebelung und Fesselung zu errichten; daß man Preußen von dem Deutschen^teere zurückwarf, ihm selbst das matrosenreiche Ostfriesland und damit seinen Halt^ der Nordsee entriß, und es mit Sachsen statt mit den Niederlanden entschädigte,^ei den vielen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Rheinland-Westfalen, jahuschen ganz Preußen und Holland würde eine nähere Verbindung beider Ländernaturgemäß für alle Theile die Bedingungen einer großen politischen, commerciellen^nd maritimen Entfaltung insichgefaßt haben. Allein das eben wollte die fremde Di-plomatie hindern; und die preußischen Diplomaten ließen sich die eigensüchtigen An-^dnungen der Fremden gefallen. Indessen wir hoffen, die natürliche Entwickelung^ Dinge werde die schwere Versa'umniß von selbst wieder gutmachen, und zwarWesentlich durch die zweckmäßige Neugestaltung eines erweiterten Deutschen Bundes.^ wird freilich lange Zeit darüber vergehen: die Bataver sind zäh, langsam vonhi?Eschluß; die Vlaminger hängen am Alten — wie viele Mühe heischte nur die Um-.durig des altständischen Unwesens! Doch kommen wird der Tag, wo die ver-ten Staaten Deutschlands die tapfern Brüder an den Dünen und Mooren, dielperhalb solcher Union nicht mehr bestehen können, in ihre Mitte wieder aufnehmen,^ zusammen eine große, weltbeherrschende Seemacht entfalten werden!hol, Überzeugung greift hier wie dort um sich, daß das bisherige einseitige Ver>disfs d lur Grunde für beide Theile nachteilig war, und ganz besonders die hollän->>u)e .Weltstellung gefährdet, die weit über das Vermögen des Staats hinausgeht,b ouand sieht seine selbständige Existenz an Colonien geknüpft, deren Besitz und Aus-es ung höchst zweifelhaft ist.,. Das Gleichmaß zwischen Ausgabe und Einnahme hatim Frieden durch Überspannung seiner Steuerkraft, und dadurch zuwege-eiiiE cht, es seine ostindischen Eilande auf nicht erhörte Weise ausbeutet. Auf/Elchen Grundlage können die Finanzen des Landes nicht dauerhaft erblühen,eß setzte Grund seiner hülflosen Lage ist aber die Trennung von Deutschland, dieeinmal vorn Gipfel Europas Herabsinken ließ. Nur wenn diese Trennung^ wird es wieder dauernd erstarken, und sicher und wahrhaft unabhängig stehen.^ wachsenden Seemacht der übrigen Staaten muß das jetzt vereinzelte Hollanddern - "e sogar fortwährend noch vergrößern statt sie zu reduciern. Die Colonien fo-kvd inrmer stärkere Militairbesatzung, je mehr die Pflanzungen sich ausdehnen,b sAwieriger die dortige Bevölkerung wird. Um nicht blos von der Gnade^ ieü' abzuhängen, wie es so lange die Hansestädte gethan, muß es in sei-

^ 13 .Sonderstellung für das Kriegswesen allein im Mutterlande die SummeMillionen ausgeben, während es früher in der Vereinigung mit Belgien nur