Band 
Fünfter Band.
Seite
464
JPEG-Download
 

461

Niederland und seine Colonien.

ein Militairbudget von 19 Millionen hatte. Seine Schulden haben sich seit der Tren-nung von Belgien um 300 Millionen Gulden, um mehr als das Doppelte des Bel-gien zur Last geschriebenen Schuldenantheils vermehrt. Die Verzinsung seiner Staats-schuld, nach Verhältniß zur Einwohnerzahl gegenwärtig die ansehnlichste (nämlich an1248 Millionen Gulden für drei Millionen Einwohner), ist ohne die Beihülfe ausder Colonialverwaltung unmöglich geworden. Trotz einzelner Ersparnisse bleibt diesesungünstige Verhältniß wie ein Alp auf seinem Haushalte lasten. Der Gedanke einervolksthümlichen Wehrverfassung hat zwar Eingang gefunden, und durch eine zweck-mäßigere Verbindung der Schutterei mit der Linie und Landesvertheidigung sind w^einige Millionen am Kriegsheer erspart worden; doch besitzt man noch nicht den Muth,das preußische Landwehrsystem mit Beseitigung des Instituts der Stellvertretung awzunehmen. Selbst für die Schutterei, in welche die Ausgedienten der „Landmiliztreten, konnten bisher Stellvertreter gestellt werden, was gewiß dem Geiste jeder gute"Landwehrordnung zuwider ist. Würde Holland das Landwehrsystem im Scharnhorst'schen Geiste annehmen und entwickeln, bei den Fußtruppen aber statt ein oder zw^Jahre nur zwei Monate Dienstzeit einführen: es könnte möglicherweise noch zw*'Millionen an seinem Heere ersparen. Ein Staat stirbt nicht blos eines gewaltsam^Todes, sondern auch, wie die Hansa, an der Schwindsucht seiner Kräfte; und es l"sicherlich Thorheit, durch Abgabendruck einen gewissen langsamen Untergang vorzub^reiten, um einer möglichen Bewältigung durch Waffen vorzubeugen. In solcherkann gewöhnlich nur ein großer und zeitig gefaßter Entschluß helfen: das öffentlich.^Wesen muß auf neuen Grundlagen errichtet werden. Die Geldmittel, die Zähig^Hollands reichen freilich weit, und solange Frieden währt und die Colonien ausz^beuten sind, wird man den Staatscredit ausrechthalten. Wie dann aber, wehandere Zeiten kommen, wenn eine längere Stockung in den ostindischen Geldzuflüist'eintreten, wenn Java gar verlorengehen sollte? Holland würde an den Rand ^Verderbens geführt, eben weil es seine Zukunft nicht auf eine breite Grundlage, nl§auf die freie Entwickelung des Eigenhandels, sondern auf ein Monopol gestützt h^Eine solche breite Grundlage kann es aber nur durch die innige VerbindungDeutschland gewinnen: es muß mit einem Worte deutsch werden in seiner Hand^Politik, ohne Rückgedanken. Durch die Wiederherstellung seines innern festen Zust^menhangs mit einer großen Nation und einem weiten Hinterlands vermag es st^,Handel, seine Schiffahrt, selbst seine kolonial- und Seemacht sicherer als je zugründen, ohne das Volk durch übermäßige Ausgaben für Heer und Flotte nieder^drücken: je länger es sich dagegen sträubt, desto zweifelhafter und gefahrvoller ^seine Lage. Die strengste Strafe für alle seine handelspolitischen Sünden würdedarum auch dienlicher gewesen sein zur Besserung und zur Heilung seiner tiefenden, als eS die bisherige deutsche Langmuth gewesen ist. Hollands Zukunft be*nicht blos auf „Vereinfachung des Haushalts", sondern noch mehr auf einerdelspolitik, welche die Trennung zwischen holländischen und deutschen Interessen^zuheben und sich auf die Entwickelung deS großen Hinterlandes zu stützen sucht.einem plötzlichen, unbedingten Anschluß Hollands an das deutsche System sp^ht,wir hier allerdings nicht, obwol der Vertrag von 1824 nur insoweit entgege^ jiidaß der deutschen Erzeugung gegenwärtig keine directen Vorzüge vor der britisch*Holländisch-Ostindien gemacht werden können. Auch an eine mittelbare Begünst^ ^ist wenig zu denken, solange der am 27. Oct. 1837 zunächst auf zehnschen Holland und England abgeschlossene Vertrag besteht, der für das Mutterlan ^Zeit Das ausdehnt, was der Vertrag von 1824 für Holländisch-Ostindien a"f *festsetzt. Beide Theile stellen sich in letzterm Vertrage gegenseitig inSchiffahrt, Handel, Erzeugung in die Kategorie der von ihnen am meisten ^ siestigten Nationen, und jeder einem andern Staate verliehene Vortheil gehlüber. Ihre Schiffahrt stellen sie wechselseitig der nationalen gleich. „G.^^gLer^landische Sklavenschiffe sollen an Holland ausgeliefert werden. Im holländischen