Band 
Fünfter Band.
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Hessen-Darmstadt.

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die Mainzer Liberalen veranlaßt, ihre Studien in dem nachher so bedeutsam geworde-nen Clubwesen wieder aufzunehmen.

Die eigenthümliche Stellung Rheinhessens gibt der neuern und neuesten Ge-schichte Hessen-Darmstadts erst ihre charakteristische Färbung. Man kann sagen, sieN>ä're ohne den hieran sich knüpfenden fortlaufenden Conflict ziemlich langweilig. Auch^ den jüngstvergangenen zwei Nevolutionsjahren ist Hessen-Darmstadt erst durch^heinhessen so recht in die Bewegung hineingezogen worden. Obgleich bedeutendestriche des Eroßherzogthums Hessens sehr arm sind, wie das Hinterland, wo die^aschinenindustrie die sonst so zahlreichen Tuchmacher ruinirt hat, wie die Hochflächedes Vogelsbergs, der Odenwald u. s. w., so fielen doch im Jahre 1847 im ganzen^ande keine nennenswerthen Theuerungsunruhen vor. Auch die Unruhen der Jahre1848 und 1849 würden sich im Wesentlichen auf Bauerntumulte, Judenverfolgun-gen und einige aus kirchlichen Conflicten hervorgegangen Excesse beschränkt haben,^enn nicht von Rheinhessen aus eine Theilnahme an dem aus politischen Beweg-gründen hervorgegangen» badisch-pfä'lzischen Aufstande erfolgt wäre.

An Sturmvogeln, welche den Märzsturm vorverkündeten, hat es in Hessen so^enig als anderwärts gefehlt. Die Enthüllungen über das tragische Ende des Pfar-rers Weidig kamen in vorderster Reihe. Da es trotz allem Schriftenwechsel doch nichtgelingen konnte, das schauervolle Geheimniß, welches über dem Ende des Unglückli-chen schwebte, ganz wegzuheben, so war den Aufgeregten umsomehr Raum gegönnt,ihre Phantasie walten zu lassen. Doch würde man die Sache über kurz oder langals der Geschichte angehörig rückwärts liegen gelassen haben, wenn nicht die Regie-rungspartei durch das geflissentliche Hervorziehen Georgi's die blutige ErinnerungWieder törichterweise in die Gegenwart gerückt hätte. Als Georgi, den man dochsoviel als möglich zu einem Verschollenen hätte machen sollen, gar wieder in die^anirner gewählt, wurde, da konnten die Liberalen doch nicht umhin, das Epigramm' kow'ö für sich auszudeuten und auszubeuten:

„Deutschland, glückliches Land, wo der Wahnsinn sitzt zu GerichteUnd in dem ständischen Saal taumelnd ein Trunkenbold lallt!"

^tatt die Begeisterung für den Schatten Weidig's gewähren zu lassen, sodaß sie inaturgemäßem Verlauf allmä'lig erloschen wäre, nährte man sie durch Gegenmaßregelrs., vf Weidig's Grab stand ein eisernes Kreuz mit der Inschrift: „Du starbst nachd^ger Kerkerhaft, als heil'ger Streiter, dein freier Geist sucht in gestirnter Höh'Lichtes Urquell." Diese unschuldigen Worte strich die Censur, indem sie dieselbenb " Eisenkitt überzog — um ja die Aufmerksamkeit recht darauf hinzulenken! NachUm. Mä'rztagen ward dann in feierlichem Aufzuge der Eisenkitt wieder weggenommentzd Eine Weidig-Stiftung begründet, welche unter Anderm regelmäßige Prämien fürHuler in Butzbach und Obergleen (wo Weidig Lehrer und Pfarrer war) aussetzteder für die damalige Periode der Volkssouverainetät höchst charakteristischen Be-y ^vUlng, daß die Schüler selbst in schriftlicher Wahl die der Prämien Würdigenihrer Mitte erwählen sollten.

Conflict Heinrich von Gagern's mit Georgi in der zweiten Kammer im1847, und die Bekundung der großartigen Sympathien, welche damals fürherül?p«osttionsmann,«sür den Heißsporn der Kammer, namentlich aus Nheinheffenf ö"ten, mochten der Regierungspartei wol zu spät zeigen, wie unklug sie ge-Elt habe, Georgi immer wieder in den Vordergrund zu ziehen,ki^ der Weidig'schen Blutgeschichte sollte am Vorabend der Revolution nochdes kommen, um die beim Schauerlichen immer gern verweilende Phantasie

kech ^olks aufzuregen: die Ermordung der Gräfin Görlitz. Man erinnert sich, wiegewandt Struve's „Zuschauer" das Geheimnißvolle dieses Ereignisses aus-2 ericktl'!r.^"dte, um einen deutschen Herzog von Praslin herauszubekommen. Dieals ei ^ Untersuchung hat das Grundlose der Anschuldigung erwiesen, aber es magn bedeutsames Zeichen der Zeit angesehen werden, daß sie damals so leicht und

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