Band 
Fünfter Band.
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Hessen-Darmstadt. ' 485

Wirksamkeit. Auch andere Wahlen waren geeignet, Interesse zu erregen: der modernultramontanen Partei war es zum ersten mal geglückt, die Erwählung eines, ihr ganzu«d gar ungehörigen Candidaten (Seih) durchzusetzen. Jaup war wiedergewähltWorden, aber die Regierung versagte ihm auch diesmal, wie früher schon öfters, denErlaub. Durch seine politische Wirksamkeit in Hessen längst schon Vortheilhaft be-°annt, zog er durch seine Vertheidigung der Schwurgerichte auf der lübeckcr Germa-Wstenversammlung die Aufmerksamkeit des gesammten deutschen Publikums auf sich.Die Verhandlung über die rheinhefstschcn Nechtsinstitutionen war die wichtigste Auf-gabe des Landtags: sie sollte wol noch zu Beschlüssen, nicht aber zu einem prak-tischen Resultate mehr führen.

Am 28. Febr. 1848 stellten die Abgeordneten Gagern, Wernher, Lehne undTranck in der zweiten Kammer, an Bassermann's berühmte Motion anknüpfend, ih-ten Antrag auf Berufung einer Nationalvertretung und Ernennung eines Bundes-hauptes. Die Katastrophe für Deutschland war der Zdee nach bereits hereingebro-chen; die specielle Katastrophe für Hessen-Darmstadt datirt, als Thatsache betrachtet,"°»i 6. März.

Märztage; Minister Heinrich Gagern; Bauernunruhcn; Excesse des Proletariats; die«Mmung Oberhessenk; die ultramontane und radicale Partei in Rheinhessen; Zeitungswesen;

Gagern's Rücktritt.

Die Geschichte der Märztage in den kleinern deutschen Staaten sieht sich überalli'emlich ähnlich. Wir müßten in der „Gegenwart" bereits wiederholt Geschilderteso ermals schildern, wollten wir uns auf eine ausführliche Darstellung derselben für«armstadt einlassen.

g Am 3. März kehrte der Erbgroßherzog, auf den die freisinnigere Partei desandes schon seit längerer Zeit ihre Hoffnung setzte, aus München in die Residenz»Uruck. Er wurde mit Jubel empfangen. Am 4. März wurde ein Preßgesetz, Bür-gerwehr und Schwurgericht zugesagt. Allein angesichts Dessen, was in den Nach-°arstaaten, namentlich in Baden und Nassau bereits errungen war, genügte dies.'cht mehr. Eine große Masse von Fremden war bereits in Darmstadt versammelt,? Mainz begann die Bevölkerung schwierig zu werden, die Lenker des Staats wur-en durch Adressen aus den nächstgclegenen wichtigsten Orten bestürmt: man drängteErweiterung des Verheißenen. Als in der zweiten Kammer jetzt schon einegnkadreffe für Zusagen vom 4. März berathen ward, meinte Zitz aus Mainz:bi^ wüste nicht für Etwas danken, was keinen Dank verdiene, und protestirte gegenAdresse. Gagern aber sprach dafür und wollte Ruhe und Ordnung erhalteniffn. So trat die Spaltung in der freisinnigern Partei bereits zutage,llk « 5- März würde das Edict erlassen, welches die Mitregentschaft des Erb-

, ^herzog- verkündigte. Der Mitregent proclamirte sofort die Erfüllung der bekann»da« ^"zfoderungen, wie sie fast überall gleichlautend formulirt worden waren, so-wir sie hier nicht im Einzelnen zu wiederholen brauchen. Aber durch einenE > unterschied sich diese Proklamation doch von allen andern ähnlichen: das^'stück war unterzeichnet: „Der Minister des Innern: Heinrich Gagern."

W ist es in frischem Gedächtniß, welches Aufsehen die Ernennung der beidenaus den Reihen der bisherigen Opposition gegriffenen Märzminister, Gagern"'er, in ganz Deutschland erregte. Man hatte vorher schon mehre System-gesehen, jetzt kam auch der Wechsel der Personen. Die Folgen waren un°">»e denn aus diesen ersten Thatsachen erwuchs rasch das Princip. Schon we-HVs^age nachher konnte Hrcker in der badifche» Kammer dem Ministerium Bekk-*Wftr Elches sich ja in Alles gefügt hatte, mit der Parole „Gagern und Römer""wpfen und mit dem Losungswort: „Das Volk will Personen sehen!"

soll dem Minister du THU, der so lange Jahre das Scepter der hessischenbkN^kratie geführt hat, sehr schwer gefallen sein, die Nothwendigkeit dieses Perso-°Hsels zu begreifen; aber als dieselbe einmal eingetreten war, ward der Wechsel