Band 
Fünfter Band.
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Hessen-Darmstadt.

auch rasch durchgeführt. Bereits am 14. März wurde der Generalstaatsprocura-'tor Kilian zum Justizminister ernannt, Jaup zum Präsidenten des Staatsraths,Hofgerichtsadvocat Emmerling zum Ministerialrath, und Justizrath Eigenbrodt sumgirte schon am 7. März, an demselben Tage, wo auch Gagern zum ersten mal alsMinister in die zweite Kammer eintrat, zum ersten mal als NegieruNgscommissar wdiesem Hause. Nicht in allen deutschen Landen geschah es, daß in die Kreise derhohem Verwaltungsbeamten so viele frische Kräfte gezogen wurden.

Ich brauche nicht den Jubel der ersten Freiheitstage zu schildern: er istüberall in Deutschland derselbe gewesen. Man konnte sich in Hessen um so unge*theilter demselben hingeben, da die „ Errungenschaften" hier mit am friedlichsten un"leichtesten gewonnen worden waren.

Die Vorgänge in Darmstadt und namentlich die Ernennung Gagern's wir^besonders in dem Nachbarlande Kurhessen elektrisch. Der Kurfürst zögerte.Provinz Hanau war dem vollen Aufstande nahe. Von Hanau aus hatte manreits Sendboten in die wetterauischen Nachbarstädte geschickt, um anzufragen, inwit*fern man im entscheidenden Falle auf deren Hülfe rechnen könne? Als nun lDarmstadt Alles so rasch und glücklich sich gewendet hatte, drohte man in Han^mit einer Losreißung der Provinz von Kurhessen und dem Eintritt in den Hessindarmstädtischen Staatsverband. Erwägt man jetzt klaren Sinnes diese Drohungdann kann sich gewiß Keiner des Lächelns erwehren über die derselben zugrund^liegende großartig-naive Auffassung der deutschen Staatsverhältnisse. Allein sie ^sehr ernsthaft gemeint. Die Hanauer sandten sogar zwei Abgeordnete nach Dar^stadt, um dem Minister Gagern den Plan mitzutheilen und ihn um seine AnMvon der Sache zu befragen. Gagern soll darauf hin eine drängende Depesche n"Kassel geschickt, und diese nicht wenig beigetragen haben zur sofortigen glücklichEntscheidung der kurhessischen Angelegenheiten. „

Die kurzen Flitterwochen deß politischen Idealismus begannen. Zih beantraöbereits am 11. März in der zweiten Kammer neben der Anerkennung der Franz"!scheu Republik auch: das Ministerium möge den Hosgerichtsrath Georgi in Anklaöstand versetzen lassen, und den Prinzen Emil sammt dem Herrn von Linde aus ^ersten Kammer und von allen Staatseinflüssen entfernen. Auf Zureden Gagern's öer jedoch den zweiten Theil des Antrags zurück. Reh stellte den Antrag, die Sta^regierung zu ersuchen, daß sie für die baldige Wiederherstellung eines freienwirke! n. dgl. mehr. Als ein schöner und gemüthlicher Zug, die damalige Zeitigmung trefflich kennzeichnend, ist es uns erschienen, daß gegen 500 Frankst^,und Sachsenhäuser nach Darmstadt kamen, um dem volksfreundlichen Erbgroßh^iMitregenten und seinem berühmten Minister einen Besuch in Person abzusta^zDer Besuch ward angenommen, und mit lautem Jubel zogen die Nachbarsleuteden beiden Mainstädten wieder heim. Bereits am 11. März war AmnesieForst- und Jagdvergehen und Strafmilderung für andere Verurtheilte gewährtden; am 20. desselben Monats folgte auch Amnestie für politische Vergehen. ^

. Die erste Kammer machte gute Miene zum bösen Spiel, und fügte sich..""per*lich in die Anerkennung der neuen Errungenschaften. Merkwürdig und f"^Standpunkt jener Körperschaft sehr bezeichnend erscheinen aber dabei die Worte, *der Präsident der Kammer, Prinz Emil, in der Sitzung vom 0. MärzEr erklärte, daß er die Einführung der Preßfreiheit u. s. w. nicht mit ganzer ^rizeugung für durchaus wohlthätige Maßregeln ansehen könne, daß er sich " ZglichAnsichten der Krone unterordne, da er die seinigen eben auch nicht für "'Atzesthalte. Als später diese erste Kammer auseinanderging, verehrte sie dem ^

Emil eine eigens auf sein Präsidium geprägte Denkmünze.

Daß ein Mann wie Gagern seine hessische Ministerstellung nicht bloS vo ^engen Standpunkte einer großherzoglich»hessischen Politik auffassen würde,wol erwarten. Sein Augenmerk wandte sich sofort auch auf die Lage derAngelegenheiten. Bereits im Monat März, just zu derselben Zeit, wo man w