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Fünfter Band.
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500 Hessen - Darmstadt.

trat aus der theologischen Facultät in Gießen auS und ging zur philosophischen über.Allein die längst im Schoose der katholischen Partei Rheinhessens schlummerndeSpaltung war durch die Bischofsfrage trotz des Kompromisses zur vollendeten, indie äußere Wirklichkeit tretenden Thatsache geworden. Die treffliche Disciplin derzelotisch-ultramontanen Partei hatte einen Sieg erfochten; aber die Grenzen deS Ge-biets, über welches sie bis dahin ihre Macht erstreckt, waren mit dem Siege so be-deutend zusammengeschrumpft, als ob derselbe eine Niederlage gewesen wäre.

Die Bewegungen und Kämpfe „zur Durchführung der Reichsverfassung".

DaS letzte krampfhafte Aufzucken der revolutionären Begeisterung im Frühjahre1849 mußte auch in Hessen-Darmstadt Erschütterungen hervorrufen. Aber auchhier bekundete sich wieder der Dualismus des Landes in höchst charakteristischer Weise.Während die Provinz Starkenburg als der erste Wall gegen das Andrängen desbadischen Aufruhrs sich erprobte, während dort die hessischen Soldaten die Augenvon ganz Deutschland aufsichzogen und durch ihren entschlossenen Widerstand demganzen Großherzogthum ein politisches Gewicht verliehen, welches dasselbe seit langerZeit nicht mehr besessen, organisirte sich halb Nheinhessen zu einer Reserve deS pfäl-zischen Aufstandes; ja die ganze Bewegung zur „Durchführung der NeichSverfassung "fand außer in den wirklich insurgirten Ländern nirgend eine ausgiebigere Rüstkammeran Leuten, Waffen und Geld, als eben in Rheinhessen. Dabei gerieth jedoch auchdiese Provinz keineswegs in offenen Aufruhr. Vor den Schwurgerichten konntendie rheinhessischen Freischärler nachgehend sich ebenso gut darauf berufen, daß sieihr reichsverfassungtreues Ministerium nur zur großem Energie in seiner Treue fürdie Reichsverfassung hätten anspornen wollen; wie die Starkenburger den Ruhm derLoyalität dafür in Anspruch nahmen, daß sie daS Ministerium in seiner Treue fürdie hessische Landesverfassung unterstützt hätten.

Im März 1849 waren in dem nördlichsten Gebietstheile Hessen-Darmstadts,in der Herrschaft Jtter, Unruhen ausgebrochen, indem sich eine Schar von Bauernbewaffnet aufgemacht hatte, um mehre misliebige Beamte zu vertreiben. Dagegenzogen die Einwohner anderer Orte, den Bürgermeister von Vöhl an der Spitze, aus/und nahmen die Aufständischen nach kurzer Gegenwehr gefangen. Des unbedeutendenDorfalls erwähnen wir nur, weil die Art, wie er durch das in Gießen erscheinen^Blatt „Wehr Dich" inS Publicum gebracht und auch eine Weile geglaubt wurde, «nozu charakteristisch dünkt. Dieser Bericht liefert ein schlagendes Beispiel von der Wei!^in welcher die Menge damals Staatsveränderungen in Deutschland als möglich voraufsetzte, und muß zugleich als der Ausdruck einer politischen Naivetät gelten, auf die glei^nachher der ganze Plan der Erhebung zur Durchführung der Neichsvcrfassung gegründswar. Der „Wehr Dich" erzählt: das Fürstenthum Waldeck habe sich als Nep"b^constituirt, und die Republik Waldeck habe in offensiver Bewegung sogleich dieschaft Jtter besetzt und selbige ihrem Gebietsbestande einverleibt. Die ZeitungSe"sollte eine prophetische Satire auf die nach zwei Monaten erfolgende Erhebung ^republikanischen ParticularismuS werden; und in der That bestand fast die einzlSauswärtige Eroberung, welche das „Land Baden" später machte, in der Besetz"^und feierlichen Einverleibung der südlichsten Enclave deS GroßherzogthumS Hesse" ^Wimpfen, die am 13. Juni durch den Kriegscommissar Loose „im Namenprovisorischen Regierung" vorgenommen wurde!

Bereits im April 1849 begannen die Kammcrverhandlungen und Verein ^batten, die Deputationen und Adressen, in welchen die sofortige DurchführungReichsverfassung gefodert und, nach dem damals in stehende Lettern gegossenen K" ^ausdruck, „mit Gut und Blut" für dieselbe einzustehen verheißen ward. ES -sich bei diesem Anlaß in Hessen mehr noch als anderwärts eine scheinbare Ausi^nung, ein gemeinsames Handeln der sonst so schroff geschiedenen Parteien,lich besserten sich die von der Gegenpartei so viel geschmähten constitutionellen ^