Hessen-Darmstadt. L89
«>che Fülle deS verschiedenartigsten Individuellen im geistigen Streben entfaltet, woöis dahin nur todte Einförmigkeit herrschte.
Am 30. Dec. 1848 war Peter Leopold Kaiser, Bischof von Mainz, gestorben.An, 22. Febr. 1849 trat das Domcapitel zur neuen Wahl zusammen: sie siel aufden gießener Professor der Theologie, Leopold Schmid. Dieser allgemein geachtete,aber gemäßigte und philosophisch gebildete Mann sagte der ultramontanen Partei,den Männern des Piusvereins, sehr wenig zu. Sie begannen sofort eine heftigeAgitation gegen die Wahl. Es machte sich die Behauptung geltend, darmstädterEinflüsse seien es vorzugsweise gewesen, welche die Mehrheit des Domcapitels für dieErwa'hlung Schmid's bestimmt hätten. Damit war in der That der Partei dasrechte Stichwort gegeben. Wer nicht um seines kirchlichen Eifers willen einen gro-ßer,, Eiferer als Schmid an der Spitze des Bisthums sehen wollte, bei dem warletzt wenigstens die alte mainzische Eifersucht gegen die Obervormundschaft Darm-stadts regegemacht. Wir sahen schon, daß die Demokraten aus Trotz und Ärgerdarüber, immer nach Darmstadt schauen zu müssen, lieber das Nationalbewußtseinvergaßen und hinüber nach ihrem alten Schirmherr,, Frankreich schauten; wir sahen,daß sie z. B. einen Ausschuß niedersetzten, der über das „8a1ut puklique" zu wa-chen hatte. Wir begegnen sogar einem „Banker" zur Gedächtnißfeier des Jah-restags der französischen Februarrevolution, bei welchem der Preis des Gedeckes mitWahrhaft komischer Coquetterie auf „einen Franc" festgesetzt ist. So sehen wir nunauch, daß bei den Mainzer Ultramontanen, wo sie sich zur Opposition gegen Darm-stadt herausgesodert glauben, der Gedanke nicht ganz unterdrückt werden kann, sich!?ber den Manen Bonaparte's oder der Französischen Republik zu verschreiben, alsstch von Darmstadt aus einen Bischof auflisten zu lassen. In dem officiellen Organder Mainzer Ultramontanen, dem „Mainzer Journal", finden wir z. B. folgendehöchst bezeichnende, obgleich vielleicht etwas „„vorsätzlich entschlüpfte Stelle: „Wirddie Freiheit der (Bischofs-)Wahl nicht im Interesse Aller, sondern nur Wenigerausgebeutet, so mag sie hinfahren, diese Freiheit, und es wäre uns lieber, wenn derPräsident der Republik uns aus Paris einen Bischof schickte — wir wüßten dannwenigstens zum voraus, daß wir einen heiligen Mann bekämen, wie der große Jo-wph Ludwig Colmar war, den seiner Zeit der Erste Consul als Hirten uns geschickthüt." Deutlicher kann man nicht reden. An, 14. Jan. 1850 lief die ofsicielle^achricht von der päpstlichen Verwerfung des erwählten Bischofs in Mainz ein.specielle Gründe sollen in dem Schreiben des Papstes nicht geltendgemacht, sondern!?ur Bezug genommen worden sein auf verschiedene gewichtige und glaubwürdigeZeugnisse und Urkunden, welche gegen die Person des Gewählten gesprochen hätten,^ht erst erreichte die beiderseitige Aufregung ihren Höhepunkt; alles politische Jn-^tesse trat auf eine Weile zurück gegenüber der Vischofsangelegenheit. An, 28. Jan.'ünd deshalb eine große Versammlung von mainzer Katholiken statt, welche die radi-Demokratie vergebens zu einem Congreß ihrer eigenen, außerhalb jeder KircheGehenden Partei umzuwandeln suchte. Die Versammlung beschloß von dem schlecht^Errichteten an den besser zu unterrichtenden Papst zu appelliren und eine neuelis^sung der Verwerfungsgründe in Nom zu veranlassen. Eine große Zahl katho-lick ^ Professoren der Universität Gießen foderte das Mainzer Dorncapitel nachdrück-fod iur Wahrung der Ehre ihres Kollegen Schmid den rechtlich durchaus er-^ Glichen Jnformativproceß herbeizuführen. Um die ärgerliche Streitfrage zu einemouipromiß zu bringen, wurde endlich am 4. Febr. eine Commission des Ministe-nia?^ *"6 Innern nach Mainz geschickt, welche sich mit dem Domcapitel dahin ei-A E' daß, im Falle der Papst trotz der neuen Eingaben auf der Verwerfung derlg?*hl Sch.mid's beharre, die Domcapitulare Kettler von Berlin, Förster von Bres-den ^hler von Notenburg dem heiligen Vater zur Auswahl vorgeschlagen wer-Hierauf folgte in Nom die Erwählung Kettler's, der im Juli des Iah-*850 auch bereits die Verwaltung seines Bisthums angetreten hat. Schmid
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