Band 
Fünfter Band.
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550 Frankreich im Iahrzehnd vor der Februarrevolution.

dieser Angelegenheit auffallend nachgiebig, wahrend auch die französische Regierungihrerseits den Sieg nicht bis zur wirklichen Besitzergreifung von Tahiti ausdehnte,die übrigens, wie sie sagte, ihr nicht zum materiellen Vortheil gereicht haben würde.Der Admiral Dupetit-Thouars erhielt daher Auftrag, die Autorität der KöniginPomare bestehen zu lassen. Nun aber wurde der Regierung der Vorwurf gemacht,sie habe die Besitzergreifung England gegenüber nicht gewagt. Die AngelegenheitVerwickelte sich noch mehr dadurch, daß die Franzosen den ehemaligen englischen Con-sul auf den Gesellschaftsinseln, Pritchard, verhafteten, weil dieser die französischeRegierung während seiner Amtszeit zu untergraben gesucht, und spater noch einenAufstand vorbereiten half, der zwar mislang, aber bereits mit der Entwaffnung einerfranzösischen Schildwache begonnen hatte. Guizot bot am 2. Sept. 1844 durch seinenGeschäftsträger in London eine Entschädigung für Pritchard an, und dies war dieLosung zu einem neuen Sturme in Frankreich, wo die rastlose Opposition in denKammern und in der Presse überall Verrath und Bestechlichkeit witterte. Die De-putirten, welche das Verhalten des Ministeriums in dieser Angelegenheit billigten,erhielten sogar den Spottnamen der Pritchardisten. Die Entschädigung soll übrigensnie ausgezahlt worden sein.

3m Jahre 1844 sah sich Frankreich genöthigt, gegen den Kaiser von Marokkoden Krieg zu beginnen. Letzterer beförderte die Ausstände in den bereits erobertenalgerischen Provinzen, und eröffnete namentlich sein Gebiet dem Todfeinde der Fran-zosen, Abd-el-Kader, als Zufluchtsort. Außerdem hatte der Kaiser mit der franzö-sischen Regierung Händel über die Grenze zwischen Algier und Marokko begonnen.Diese Händel gingen so weit, daß der Kaiser die Räumung der Beste Lalla-Maghrniaverlangte, und am 30. Mai 1844 einen seiner Verwandten mit regelmäßigen Trup-pen zum Angriffe der französischen Grenze ausschickte. Frankreich und Englandgeriethen hier abermals indirect aneinander, indem letzteres eine Bekriegung Mar-kos von Seiten Frankreichs unmöglich mit Gleichgültigkeit ansehen konnte. DreBedeutung und Sicherheit Gibraltars hatte durch die unmittelbarste Nähe einer gro-ßen französischen Besitzung abnehmen müssen, und die französische Regierung kanntedaher die Anfoderungen Englands für den Fall, daß Frankreich einen Krieg nntMarokko beginnen müsse. Hier stellt sich unleugbar das englische Übergewicht beldem sogenannten herzlichen Einverständnisse heraus. Denn während England sichvon keiner Nation der Welt die Grenzen der Eroberung einer Colonie hätte vor-schreiben lassen, ging Frankreich die Bedingung ein, Marokko nur zu demüthigen,keineswegs aber zu erobern. Der Marschall Bugeaud übernahm den Krieg zuLande, der Prinz von Joinville befehligte die Flotte, und die Siege von Jsly undMogador beendigten den Feldzug nicht ohne Glanz. Dem Kaiser von MarokkoWurde nach diesen beiden großen Siegen ein Bündniß aufgedrungen, in Folge dessenAbd-el-Kader gleichsam zwischen zwei Feinde zu stehen kam, sodaß Frankreich ausdiesen: Kriege eigentlich nur die Aussicht auf die allerdings leichter gewordene Ee-fangennehmung des gefährlichen Emir davontrug. Wahr ist, daß England, sobaldes der Mäßigung Frankreichs im voraus gewiß war, dem Kaiser von Marokko Vor-stellungen machen ließ, die französischen Bedingungen anzunehmen, und demselbenauch erklärte, es werde ihm bei einem Kriege nicht zuhülfekommen.

Dies fand noch unter Aberdeen's Ministerium statt, unter dem übrigens dasfranzösisch-englische Bündniß seinen Gipfelpunkt erreichte. Wenigstens war der Schecheines wahrhaft ritterlichen Verhältnisses zwischen beiden Nationen vorhanden. Dlebritische Königin besuchte Ludwig Philipp im Schlosse zu Eu, und Ludwig Philippkurz darauf die Königin in Windsor. Die Stadt London wollte dem Könige d^Franzosen ein Danket in Guildhall geben. Da dieser es nicht annahm, begab sichdie ganze londoner Municipalität nach Windsor, um ihm eine Adresse zu überre:-chen. Trotz dieser Freundschaftlichkeit der beiden Kronen fehlte es selbst währenddes Toryministeriums nicht an Spannungen. In Griechenland unterstützte Frank-reich fortwährend das Ministerinn: Kolettis, während England an Maurokordatos hielt-