Frankreich im Iahrzehnd vor der Februarrevolution. 551
Nach Kolettis' Tode bestand der unterdessen wieder in das Ministerium eingetreteneLord Palmerston auf ein Ministerium Maurokordatos, und als Otto I., von denKammern unterstützt, dies verweigerte, kam es zu einem von England und der Pfortebeförderten Ausstande, der aber weiter keine wichtigen Folgen hatte. Kolettis' Poli-tik und somit die Frankreichs trug um diese Zeit in Griechenland den Sieg davon.
Noch größer war der Erfolg der französischen Politik in Spanien. Bei derbevorstehenden Verheirathung der jungen spanischen Königin und ihrer Schwesterstanden die Interessen Frankreichs und Englands abermals im Spiel. Frankreichhatte darauf zu achten, daß die Bourbonische Linie ungemischt auf dem spanischenThron verbleibe; England hatte es gern gesehen, wenn ein Koburg die Hand derKönigin erhalten. Hinter diesen beiden Anwartschaften befanden sich die entsprechen-den politischen Parteien: die gemäßigte, regierende, die es mit Frankreich, und dieradicale, oppositionelle, die es mit England hielt. England durfte hoffen, daß wennes ihm gelinge, ein radicales Ministerium und eine radicale Kammer in Spanienherzustellen, es eine Abänderung der Thronfolge erwirken könnte. Wahrend desToryministeriums kamen Frankreich und England miteinander überein, daß Ersteresein für alle mal einen französischen Prinzen, und Letzteres einen Koburger von derVerheirathung mit ber spanischen Königin fernhalten würde. Es ist zu bemerken,daß diese Zustimmung von Seiten Ludwig Philipp's um so bedeutender war, alsdie Königin-Mutter, Marie Christine, früher schon die Hand des Herzogs von Mont-Pensier für ihre Tochter gewünscht hatte; aber Ludwig Philipp zeigte hier die an ihmgewohnte Vorsicht, sowie den Wunsch, den Frieden um keinen Preis zu beeinträch-tigen. Die Candidaten, die Frankreich nach und nach vorschlug, waren: der Grafvon Aguila (Bruder des Königs von Neapel), der Graf von Trapani, der ältereSohn d-es Don Carlos, und die beiden Söhne Don Francisco's. Als Ludwig Phi-lipp zusagte, seinen Sohn von der Heirath mit der Königin fernzuhalten, versprachihm Lord Aberdeen dagegen, keinen andern Prinzen als einen aus dem Hause Bour-bon zu unterstützen, und das französische Cabinct behielt sich ausdrücklich vor, daß,wenn England einen Koburg vordränge, Frankreich seinen Prinzen zum BewerberMachen würde. Auf keinen Fall aber widersetzte sich England einer Verbindung desHerzogs von Montpensier mit der Jnfantin, wobei sich freilich von selbst verstand,daß England vor der wirklichen Verheirathung des Prinzen mit der Jnfantin vonder Zeugungssähigkeit des königlichen Paares überzeugt sein mußte, indem sonst dieJnfantin Thronerbin werden konnte. Auffallenderwcise hielten sich die englischenAgenten in Spanien nicht streng an die Weisungen ihrer Vorgesetzten. Es kamsogar dahin, daß der regierende Herzog von Sachsen-Koburg, der zur Zeit in Lissa-bon war, von der spanischen Regierung auf einmal die Einladung erhielt, nach Ma-drid zu kommen, um wegen der Verheirathung mit dem Prinzen seines Hauses zuverhandeln. Vielleicht kannte Marie Christine die zwischen Frankreich und Englandabgeschlossenen Bedingungen, und hoffte auf diese Weise, Frankreich würde nun,seiner Versprechungen entbunden, den Herzog von Montpensier zum Bewerber machen.Kaum hatte Lord Aberdeen, dessen Politik überhaupt ehrlicher war als die Lord Pal-mcrston's, das französische Ministerium von dem unerwarteten Schritte der spanischenRegierung in Kenntniß gesetzt und seinen Gesandten verboten, auf den spanischenVorschlag einzugehen, als die Whigs und mit ihnen wieder Lord Palmerston denTones folgten. Die Lage des französischen Cabinets wurde daher noch schwieriger,denn von Lord Palmerston erwartete es nur neue Schleichwege, und deshalb warman in Paris mehr auf der Hut als je. Marie Christine, die den englischen Ein-fluß fürchtete, soderte endlich Bresson, den französischen Gesandten in Madrid, auf,sich entweder für eine gleichzeitige Heirath der Königin mit dem Herzog von CadixUnd der Jnfantin mit dem Herzog von Montpensier zu entscheiden, oder der Heirathder Königin mit dem Koburger gewärtig zu sein. Bresson hatte halb und halb dieErlaubniß, auf diesen Vorschlag einzugehen, und nahm die gleichzeitige Doppelheiratham Als er aber dem französischen Hofe Nachricht davon gab, gerieth Ludwig Phi-