Band 
Fünfter Band.
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Frankreich im Jahrzehnd vor der Februarrevolution. 563

Von 1832 — 46 hat also die Zahl aus der Armee und der Marine abgenommen;die aus der Magistratur ist dieselbe geblieben; die aus der Centralverwaltung, demRechnungshöfe, dem Staatsrathe und dem königlichen Hofe hat bedeutend zu-genommen.

Duvergier de Hauranne, der in der Kammer einen Reformvorschlag machte,und über diesen Gegenstand ziemlich umfangreich geschrieben hat, sagt, daß wennman nun noch diejenigen Deputirten in Anschlag bringt, die bei den Handelsge-schäften mit dem Staate ein directes oder indirektes Interesse haben, man mit gutemGewissen annehmen kann, daß zwei Drittel der Majorität, theils durch ihr Amt,theils durch ihre Privatinteressen, mit dem Ministerium in Verbindung standen.Hierbei ist gar noch nicht der geheimen Begünstigungen gedacht, die von jeher dieReinheit des Repräsentativsystems getrübt haben.

Womöglich noch nothwendiger aber als die Parlamentsreform war die Wahl-reform. Das Wahlgesetz hatte nämlich solche Fehler, daß die Majorität der Kam-mer von der Minorität der Wähler gewählt wurde. Charles Lesseps hat bewiesen,daß von 220000 Wählern, die Frankreich 1845 hatte, 92000: 284, und 128000nur 175 wählten. Lesseps meinte, daß diejenigen Bezirke, wo Reichthum und Bil-dung vorherrschen, am meisten zu kurz kamen, sodaß die Majorität der Kammerweder der Majorität der Bevölkerung, noch der des Reichthums, noch der der Bil-dung entspräche. Die 3000 Wähler des zweiten Bezirks von Paris ernannten nureinen einzigen Deputirten, also nicht mehr als die 130 Wähler von Embrun undBourgeneuf. Nach den letzten Listen hatte Frankreich 61 Wahlcollegien von mehrals 800 Wählern, 139 von 800 bis 500, 87 von 500 bis 400, 93 von 400 bis300, und 77 von weniger als 300. In den letztem, kleinern Wahlcollegien hingdas Votum namentlich von einer kleinen Anzahl Familien ab, die immer dieselbenblieben und außer den Localinteressen auch noch persönliche vertreten wissen wollten.Setzte man nun während einiger Jahre an die Seite dieser Familien irgend eineAutorität, so wurde deren Einfluß auf diese kleinen Collegien bald so groß, daß sie-uletzt rein ministeriell werden mußten.

Also ganz abgesehen von jeder hohem Federung, die man, wenn eine Nationvon 30 Millionen Menschen nur 220000 Wähler hat, doch wohl machen könnte,war selbst dieses Miniatur-Nepräsentativsystem ein verdorbenes. Naudot, ein conser-vativcs Mitglied der Nationalversammlung von 1850, charakterisirt dieses System infolgender Weise: Die meisten Wähler gaben ihre Stimmen als Austausch für Plätzeoder andere persönliche Vortheile, oder wenigstens als Austausch für die Hoffnung,folche zu erhalten. Die Deputirten waren die gehorsamen Diener ihrer einflußreichenZähler, die Regierung Sklave der Deputirten, die sie stürzen konnten, und die De-putirten selbst wiederum die Schmeichler der Regierung, die den Deputirten undWählern Vortheile und Gunstbezeugungen nehmen und geben konnte. So wuchsdie Anzahl der Plätze und öffentlichen Lasten. Im Staatsschätze mußten die MittelPfunden werden, die Opponenten zu gewinnen, den Eifer zu belohnen, die Hungeri-gen zufriedenzustellen; und dabei lief man beständig Gefahr, mehr Appetit hervorzu-rufen als man befriedigen konnte.

Danket im Chäteau rouge; das Danket vom 22. Febr.; die Parteien des „National"und der,, kekorme"; der 23. und 24. Febr. und ihre innere Geschichte.

^ Alle Versuche, die in der Kammer gemacht wurden, um dort die Wahl- und^arlamentsreform durchzusetzen, blieben fruchtlos. Die Majorität, die durch ein^Ues Wahlgesetz zerstört worden wäre, hütete sich, dieses Gesetz selbst herzustellen.

wendete sich die Opposition denn nach außen hin, und veranstaltete sogenannte^.eformbankete, bei denen die Hauptpersönlichkeiten der parlamentarischen und repu-"kanischen Opposition erschienen. Sie regten in feurigen Reden zum ruhigen Kampfe^gen das Corruptionssystem der Regierung an, und wiesen die Nothwendigkeit der

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