Band 
Fünfter Band.
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Frankreich im Jahrzehnd vor der Februarrevolution. 565

nöthig, und zahlt die Salztaxe. Er hat Credit nöthig, und findet das Leihhaus, dasihm mit Wucher borgt. Er hat Gerechtigkeit gegen Spoliation nöthig, aber inFrankreich ist die Civiljustiz für den Armen unmöglich. Von dem Necrutirungsge-seh getroffen, gibt er acht Jahre seines Lebens hin, und erhält keine Entschädigung.Eines Tags verfällt er in Lahmheit und Altersschwäche; aber umsonst sucht er Hülfefür seine alten Tage: die Hülfskafse für Invaliden der Industrie, die in Englandüberall existirt, ist in Frankreich nicht zu finden" u. s. w.

So bereitete sich die sociale Revolution bereits unter den Augen der Juliregie-rung vor. Die Regierung that nichts, um sie zu verhindern; ja sie verhinderte nichteinmal die politische Krisis, in welcher eine sociale Revolution immer mehr Aussich-ten hat als während des Friedens. Das Jahr 1847 verlief theils unter Skanda-len, theils unter den Eindrücken, welche die Reformbankete hinterließen. Zu Anfangdes Jahres 1848 eröffnete der König die Kammer, und bezeichnete in der Thron-rede die ganze Neformbewegung als von blinder Leidenschaft ausgehend. .MadameAdelaide, die Schwester und treue Rathgeberin des Königs, soll sich, als man imFamilienkreise das Project zur Thronrede vorlas, diesen harten, einer großen Bewe-gung trotzbietenden Worten widersetzt haben, aber Guizot's ausdrücklicher Wunschsoll es gewesen sein, der Opposition in solcher Weise zu begegnen. Diese nahm nunden Handschuh auf; und da das Ministerium erklärt hatte, es würde sich den Ne-formbanketen überhaupt widersetzen, so veranstaltete das Wählercomite des zwölftenKreises von Paris ein Banket, um die Regierung gleichsam herauszufodern. DieMitglieder der Opposition wurden wieder eingeladen, und nahmen fast ohne Aus-nahme an. An der Spitze stand Odilon-Barrot als Haupt der Linken. Es unter-liegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß die Legitimisten bei diesem neuen Angriff dieHand im Spiele hatten. Ihre stille Verschwörung gegen Ludwig Philipp hatte nieaufgehört, und alle Annäherungsversuche von dessen Seite waren fruchtlos geblieben.Außer den Legitimisten erhob sich jetzt aber die republikanische Partei, die sich bis-her ziemlich im Hintergründe gehalten. Erst als sie die Krisis, in welche dieseBankete die Regierung unfehlbar werfen mußten, vor Augen sah, stürzte sie sich indie Bewegung. Sie bestand damals schon aus zwei entschieden voneinander abwei-chenden Brüchen, einem gemäßigten und einem revolutionären, socialistischen. Er-sterer war in der Presse durch den „Nrrtional", Letzterer durch die „Umforme" ver-beten. Die Partei des „National" bestand aus Männern von verschiedenen Ge-werben, aus Journalisten, Ärzten, Kaufleuten u. s. w. Ihre Veteranen warenehemalige Carbonari, Männer, die eine gewisse Bildung und gesellschaftlichen Ein-stuß hatten. Zum „National" gehörten außerdem auch noch dynastisch gesinnte,^ber zur Opposition haltende Individuen, die sich dieses mächtigen Organs nur zuAngriffen bedienten. Die „köioi-me" war hingegen das Organ aller bereits ausge-losten und noch in Trümmern bestehenden geheimen Gesellschaften, und namentlichder Gesellschaft der Menschenrechte. In der Kammer war Ledru-Nollin ihr Patron;^nd wir müssen es dahingestellt sein lassen, ob er selbst oder nur der Redacteur desJournals, Flocon, in direkter Verbindung mit geheimen Gesellschaften stand. Diesehatten ihre Verzweigungen in der Nationalgarde, in den Werkstätten der Arbeiter, und^lbst in jenen unsaubern Winkeln von Paris, wo Vagabunden ihr Handwerk trei-Es hat sich später herausgestellt, daß die Polizei einen Spion, Delahodde, in^stn geheimen Gesellschaften unterhielt; und wenn sie nicht einschritt, so lag die-Westheils an den Vorsichtsmaßregeln, die man bei der Verschwörung getroffen hatte,Udermheils wol aber auch an der doppelten Untreue des Spions, der für das Geld,er nahm, wahrscheinlich nur halb verrieth. Übrigens wußte die Polizei die ge-^wien Gesellschaften bereits dergestalt demoralisirt, daß sie in ihnen nichts als einenVagabunden sah, von denen nichts zu fürchten sei. Sie dachte nicht daran,p die politischen Parteien sie bei Gelegenheit doch benutzen könnten.

Am Abende des 21. Febr. fand eine Versammlung von Vertrauten der „Ue-