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Das Königreich Sachsen.
Meinung flüchtete, suchte man durch Reklamationen an die Regierungen dieser Staa-ten derselben Beschränkung zu unterwerfen. Die Stadtverordneten Leipzigs, welcheam 12. Aug^, eine etwas trotzige, mehr von der augenblicklichen Erregung als vonder ruhigen Überlegung dictirte Adresse an den König gerichtet hatten, thaten jetztin einer -weisen Adresse Abbitte; in Dresden triumphirte man: „Leipzig habe sichwiedergefunden."
Aber in den Herzen der Bürgerschaft war ein tiefer Unmuth, das nagendeGefühl versagter Gerechtigkeit zurückgeblieben. Vertrauens- und erwartungsvoll blickteman auf den nahe bevorstehenden Landtag, der dieser wie so vielen andern Beschwer-den Abhülfe gewähren sollte. Zahlreiche Petitionen, mit Massen von Unterschriftenbedeckt, gingen aus Leipzig an denselben ab, sobald er zusammengetreten war. Allenvoran stand die Beschwerde wegen der Augustereignisse, entworfen vom Professor-Biedermann und unterzeichnet von 1800 Bürgern der Stadt. Andere Petitionenbetrafen die Herstellung des Versammlungsrechts, eine freiere Verfassung der pro-testantischen Kirche, die Gleichstellung der Deutschkatholiken mit den aufgenommenenchristlichen Konfessionen, die Reform des Wahlgesetzes, die Preßfreiheit, das öffent-liche Gerichtsverfahren und ähnliche wichtige Anliegen der Zeit. Viele Orte des Lan-des folgten dem Beispiele Leipzigs nach öder gingen ihm wol auch voraus, wie dennnamentlich in der Wahlresormfrage Zwickau und das Erzgebirge die entschiedene Ini-tiative ergriffen hatten. Die Bewegung der Gemüther, die Aufregung, der Drangnach Reformen, das Vertrauen auf die Herbeiführung solcher durch den zusammen-tretenden Landtag breitete sich über das ganze Land aus. Allerdings in sehr ver-schiedenen Graden. So klein das Land ist, welches den stolzen Namen eines Kö-nigreichs Sachsen trägt, so schloß dasselbe doch von jeher eine Mannichfaltigkettvon Abstufungen und Schattirungen politischer Bildung und Regsamkeit in sich.ein Hauptherd des Liberalismus ward schon oben das Voigtland bezeichnet.schloß sich gesinnungsverwandt der mittlere Theil des Erzgebirgs mit seiner leichtbe-weglichen Fabrikbevölkerung und daS sogenannte Schönburgische an, ein unter derbesondern Hoheit der Fürsten und Grafen von Schönburg stehender Landstrich, der,wie die meisten standesherrschaftlichen Gebiete, ungleich mehr als die unmittelbarenköniglichen Landestheile mit Lasten beschwert war. Die Städte Chewmtz, Zwickau,Crimmitzschau, Werdau, Glauchau und andere spielten hier eine Hauptrolle. Dieserganze Theil des Landes war bedeckt mit sogenannten „Bürgervereinen", die untersich wieder durch regelmäßige Volksversammlungen in Zusammenhang standen undin denen eine lebhafte Propaganda, weniger im liberalen als im extremen radicalenSinne, gemacht ward. Auch in weitverzweigten Gesangvereinen wurden ähnliche Zweckeverfolgt. Jene Versammlungen mußten zwar nach dem 26. Aug. aufhören, alleindie Verbindung der Gleichgesinnten ward auf allerhand sonstigen Wegen erhalten. Derobere Theil des Gebirgs blieb von dieser Bewegung fast unberührt und verharrte inaltgewohnter conservativer oder stabiler Gesinnung, ebenso der untere, gleich jenemhauptsächlich aus den Bergbau angewiesen. Bis zum Jahre 1848 galt Freiberg s^ssden Typus einer gut königlich und ministeriell gesinnten Stadt; erst diese Zeit, dreso Vieles umgestaltete, brachte auch dort einen totalen Umschwung der Stimmungzuwege. Doch war gerade 1845 in Freiberg ein Stoff mannichsacher Aufregunggegeben durch eine zwischen den Offizieren der Garnison und den Zöglingen der Berg*akademie entstandene heftige Reibung, bei welcher die Regierung ziemlich augenfalugfür die Erstem Partei ergriffen, die Akademie eine Zeit lang gänzlich geschloffen unauch später deren Besuch seitens der Ausländer aus eine für die Stadt sehr eMPN^.liehe Weise beschrankt hatte. Im Ganzen ebenfalls mehr außerhalb der politischeBewegung stand das fruchtbare Flachland des leipziger und dresdener Kreises; ube^wiegend conservativ aber, ja zum Theil reactionair, zeigte sich die Lausitz, dieser durwVerfassung, Provinzialeinrichtungen und Sitten wesentlich von den sogenanntenlanden" abgeschiedene Landestheil. Was endlich die beiden Hauptstädte anlangte,so ließen in Dresden die weithinreichenden Einflüsse des Hofs und eines zahlreich