Band 
Fünfter Band.
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605
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DaS Königreich Sachsen. 665

Verbesserung ihrer Zustande selbst in die Hand. Schon vor der Märzbewegunghatte der gebildetste Theil der Arbeiter in Leipzig, die Buchdrucker, im Wege derAssociation theils für ihre Ausbildung, theils für die Verbesserung ihrer materiellenLage gemeinsam zu wirken versucht. Der Argwohn der Behörden gegen alle Ver-einigungen solcher Art, vielleicht genährt durch die Besorgnisse einzelner Arbeitgeber,hatte jene Association zerstört. Jetzt, nach dem Fallen dieser Schranken, trat sie als-bald wieder ins Leben, aber in größerm Umfange, auf alle Gewerbe sich erstreckendund weitere Ziele verfolgend. Allgemeine Arbeiterversammlungen fanden zuerst inLeipzig statt, geleitet von Arbeitern und mit Ausschluß politischer Fragen, lediglichauf die Interessen des Arbeiterstandes gerichtet. Skrobek, Overbeck, Kick, Hampel,sämmtlich Arbeiter, waren hier die hauptsächlichsten Wortführer. Die Versammlun-gen hatten einen gemäßigten und besonnenen Charakter. Mit Entschiedenheit wiesman communistische Tendenzen von sich, verlangte aber praktische Verbesserun-gen des Arbeiterstandes, und wünschte zu dem Ende eine geregelte Vertretung derInteressen dieses Standes innerhalb der Regierung selbst, die Errichtung eines Ar-beiterministeriums oder doch einer besondern Stelle für Besorgung der Arbeiterange-legenheiten im Ministerium des Innern. Die Errichtung der Arbeitercommissionkam diesen Wünschen entgegen und gab den Versammlungen der Arbeiter, die auchspäterhin fortdauerten, einen bestimmten praktischen Zielpunkt ihrer Bestrebungen.Daneben richteten sich diese auf die Hebung und Bildung des Arbeiterstandes durchfreie Association, hier und da auch auf Verbesserung , der Verhältnisse der Arbeitergegenüber ihren Arbeitgebern im Wege der freien Übereinkunft mit diesen letztem.So erlangten zuerst die Buchdruckergehülfen von ihren Principalen bessere Bedingun-gen; andere Gewerbe folgten ihrem Beispiel. Arbeitervereine, theils für einzelneArbeitszweige, theils allgemeiner Natur, organisirten sich allmä'lig durch das ganzeLand und fanden ihren Mittelpunkt in regelmäßigen Hauptversammlungen und ineinem gemeinsamen Vereinsorgane: der „Arbeiterzeitung". Im Ganzen war undblieb diesen Vereinigungen der Gedanke einer gewaltsamen oder durch Terrorismuszu erzwingenden Umgestaltung der Arbeitsverhältnisse fern. Nur in einzelnen Ver-sammlungen trat eine solche Tendenz hervor, und zwar ging diese gewöhnlich nichtvon Arbeitern aus, sondern von Agitatoren aus andern Standen, welche sich denArbeitern als Führer aufdrängten. In den meisten Fällen aber stieß der lessereSinn der Arbeiter diese Verführer bald von sich. Selbst der wachsende Nothstand,der, namentlich im Erzgebirge, Tausende von Arbeitern brotlos machte, und zu demsteh an mehren Orten die Schrecknisse des Hungertyphus gesellten, ward von derMehrzahl mit Ruhe und Mäßigung ertragen. In Chemnitz kamen 4000 Arbeiterauf einmal außer Brot, welche eine Deputation ans Ministerium sandten und umArbeit baten. Das Ministerium half nach Kräften, und Alles blieb ruhig. Die Ge-meinden nahmen sich gleichfalls der brotlosen Arbeiter an; die Vereine leisteten ih-nen darin Beistand, und so kam man durch thätige Theilnahme von der einen, durchGeduld und Genügsamkeit von der andern Seite über diese gefährliche Zeit ziemlichglücklich hinweg. Nur an einigen Orten des obern Erzgebirgs, in Mittweida,Aterlein u. s. w. fanden bedauerliche Ausschweifungen statt: die dort befindlichenNagelfabriken wurden von den durch den Nothstand erbitterten, wol auch durch ein*jelne Aufwiegler verleiteten Nagelschmieden gewaltsam zerstört, und die Behörden^aren unvermögend, dieser Zerstörung wirksam Einhalt zu thun.

Auch sonst kamen hier und da Widersetzlichkeiten gegen die Behörden und Be-gehungen gegen Eigenthum und Personen vor, jedoch nur sehr vereinzelt, und meistWurden diese Excesse rasch unterdrückt. Indessen fand sich das Ministerium veran-gßt, eine ernstlich abmahnende und mit strengem Einschreiten drohende Bekannt-machung zu erlassen. Ernstere Ruhestörungen fanden im Schönburgischen statt.

wo der Druck der Feudalherrlichkeit auf die derselben Unterworfenen ungleichgroßer als im übrigen Lande gewesen war, zeigte sich natürlich jetzt der stärkste Ge-gendruck von unten. Zum Theil begnügte man sich mit drohenden Foderungen so-