Die Engländer und Russen in Perfien und Mittelasien. 625
feindlichen Islam wurde geschwächt, und den Franzosen für die Zukunft jede Hoff-nung genommen, neue Verbindungen mit dem Süden der indischen Halbinsel anzu-knüpfen. Der Gencralgouvcrneur fühlte sich jetzt (180V) in Indien so sicher undkräftig, daß er eine britische Armee nach Sues schicken konnte. Mit Erstaunen undVerwunderung horte man in Europa die Kunde, es sei ein indisches Heer unter derAnführung eines englischen Generals, Sir David Bairs', an den Usern des Mittel-ländischen Meeres erschienen.
Vertrag zwischen England und Afghanistan.
Die Regierung zu Kalkutta schickte Gesandtschaften nach Kabal und Sindh,um mit diesen Ländern Verbindungen anzuknüpfen und Tractate abzuschließen, gegenden Durchzug irgend einer europäischen Macht, der nach Indien gerichtet. Den Be-richten der Gesandten Großbritanniens Elphinstone und Pottinger, welche nach derlöblichen Weise der Öffentlichkeit übergeben wurden, verdanken wir eine große Erwei-terung unserer Erd- und Völkerkunde. Der Schah und die Großen Afghanistanshegten anfangs aus ganz verschiedenen Gründen ein starkes Mistrauen gegen dieenglische Gesandtschaft. Die Fürsten dieses Landes waren die Zuflucht aller Unzu-friedenen Hindostans; an sie wendeten sich Tippu, der Vezier Ali und viele anderemohammedanische Fürsten; selbst der Maharatte Holkar schickte den Afghanen eineGesandtschaft und suchte sie zu vermögen, ihm gegen die Engländer beizustehen.Man konnte also mit gutem Grunde befürchten, es werde der Botschaft ein Heerauf dem Fuße folgen, um dieses dem englischen Reiche gefährliche Land zu unterjo-chen. Andererseits fürchtete die Durani-Aristokratie, es würde die Macht des Schahdurch die englische Allianz so zunehmen, daß ihr Einfluß untergraben und aufden Ruinen der nationalen Freiheit eine unbedingte Herrschaft, gleichwie in Per-sien und Hindostan, errichtet werden könnte. Das Geld und die Gewandtheit desbritischen Unterhändlers hatten aber schnell alle diese Bedenken und Hindernissebesiegt. Es kam (1809) ein Vertrag zustande, worin Schah Schudschah sich ver-pflichtet, die vereinigten Franzosen und Perser, wenn sie über Afghanistan nachZndien ziehen wollten, mit Waffengewalt zurückzuschlagen, und selbst keinen einzelnenFranzosen in seinem Lande zuzulassen; die Engländer verpflichteten sich hingegen, alleUnkosten dieser Kriegsrüstung zu tragen. Man war von britischer Seite schlau oderunredlich genug, die Sache so darzustellen, als wenn Persien und Frankreich sich6egen den Schah von Kabal verschworen hätten — ejn Verfahren, worüber sich diePerser mit Recht beklagen. Durch diesen aus einem Gewebe von Lügen und Be-stechungskünsten hervorgegangenen Vertrag wurde der Grund gelegt zu der späternUnheilschwangern Einmischung der anglo-indischen Regierung in die innern Verhält-nisse Afghanistans. Man faßte damals bereits eine höchst irrige, nachteilige Ansichtüber dieses Land und seine Bewohner. Man wähnte, die hochmüthigen, unwissen-den Puschtu waren durch die Gesandtschaft von besonderer Achtung für den Cha-rakter der Engländer und ihre Regierungsweise in Indien erfüllt worden, was wolstcherlich eine große, heilsame Rückwirkung haben würde aus die künftige Handlungs-weise dieses Volks. Mistrauen und Furcht vor dem übermächtigen benachbartenDeiche der Ungläubigen, mit fanatischem Hasse verbunden, waren im Gegentheil^e einzigen Eindrücke, welche bei den Gebietern und dem Volke der Afghanen vonglänzenden, reichen britischen Gesandtschaft zurückblieben und immer tiefere Wur-öel schlugen.
Russische und englische Agenten in Mittelasien.
So dienten die asiatischen Plane Napoleon's nur zur Ausdehnung und We-der englischen Macht im Morgenlande. Frankreich verlor den letzten RestttMes Einflusses im Orient, sodaß ein Minister Ludwig Philipp's zu dem schmach-vollen Geständniß gezwungen wurde: eine Gesandtschaft an den Schah von Per*
Die Gegenwart. V.
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