Band 
Fünfter Band.
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V34 Die Engländer und Nüssen in Persien und Mittelasien.

über Persien anerkennen, was mit der Unabhängigkeit dieser letztem Macht unver-trta'glich ist. Wäre Graf Nesselrode, fügt der Lord hinzu, gehörig unterrichtet ge-wesen, so hatte er wol nicht behauptet, Persien habe allen Anfoderungen, zu denenwir berechtigt sind, genügegeleistet, und England möge nur alsbald Charek heraus-geben und die abgebrochenen diplomatischen Verbindungen mit diesem Staate wiederaufnehmen.

Hadschi Mirsa Aghasi, Athemad eddauleh, d. h. erster Minister des Schah,verstand sich endlich zu allen Demüthigungen. Größere und schmachvollere haben wolkaum die Römer über die verächtlichen Königlein in Kleinasien und am Pontus ver-hängt. Die persische Regierung gewährte Alles, was gefedert wurde; sie bat umVerzeihung wegen des Auffangens eines englischen Kuriers, sowie wegen der andernVorfalle, worüber man sich beschwert hatte. Die im Dienste der englischen Gesandt-schaft stehenden Leute, mögen es Perser sein oder Fremde, sollen ferner unter keinemVerwände von den Behörden des Schah zur Rechenschaft gezogen werden können.Ghorian wird der Regierung zu Herat herausgegeben, und gleich nach der Rückkehrder englischen Gesandtschaft nach Teheran soll ein Handelsvertrag zwischen Persienund England abgeschlossen werden. Persien hat nicht blos in allen diesen Beziehun-gen Wort gehalten, sondern in der Folge auch auf andere Weise seine freundlich de-müthige Gesinnung gegen England beurkundet. M'Neil, gegen welchen der Schahpersönlich den größten Widerwillen hegte, erhielt nun (1841) den Befehl, sich neuer-dings mit der ganzen Mission als britischer Gesandter nach Persien zu begeben unddie Unterhandlungen wegen eines Handelsvertrags zu beginnen.

Dieser Vertrag kam schnell (28. Oct. 1841) zustande. Die Kaufleute der bei-den Reiche genießen hiernach die Rechte der begünstigtsten Nationen; es werden einmalfür allemal bei dem Ein- und Ausgange der Waaren bestimmte Abgaben erhoben.Weitere Zölle sollen nicht verlangt werden. Zwei englische Agenten erhalten Zutrittin Persien, einer in der Hauptstadt und der andere zu Tauris; nur der zu Taurishat die Stellung eines Generalkonsuls. In Buschir kann sich ebenfalls, wie dasbis jetzt der Fall war, ein englischer Resident aushalten. Die Handelsagenten desSchah zu London und Bombay genießen gleiche Rechte wie die britischen in Persien.Muhammed hat nicht blos in allen diesen Beziehungen Wort gehalten, sondern spä-ter auch in anderer Weise seine freundlich demüthige Gesinnung gegen England be-urkundet. Kamran und sein Wesir Aar Muhammed fühlten sich durch den uner-warteten Beistand den Engländern keineswegs verpflichtet. Sie mochten ahnen, daßeine scheinbare Lehnsoberherrlichkeit Persiens ihrem tollen, wüsten Treiben beiweitemförderlicher und vortheilhafter sei als die Schuhherrschaft eines europäischen, Gesetzund Ordnung erstrebenden Staats. „Die Engländer", schreibt Kamran, „habenKandahar und Kabal erobert und auch mir einen Offizier gesandt, welcher es ankostbaren Geschenken nicht fehlen läßt. Mein Herz ist aber mit Persien und demIslam. Der Glaube ist mir für weltliches Gut nicht feil." Die Beherrscher desFürstenthums Herat luden dann den Schah ein, sich mit ihnen zu verbinden, unddie Länder Afghanistans den Ungläubigen zu entreißen. Die persische Regierungwar aber jetzt soweit davon entfernt, dieser Einladung Folge zu geben, daß sie viel-mehr dieses Schreiben den Engländern mittheilte. Diese Handlung sollte, wie siesich ausdrückt, als ein Zeichen ihrer grenzenlosen Ergebenheit betrachtet werden; Groß-britannien möge nun alles Frühere vergessen und mit der „Zuflucht des Weltalls^von neuem in ein inniges, freundschaftliches Verhältniß treten.

Die innern Verhältnisse PersienS, und die russischen Überläufer.

Die Verwaltung deS gesegneten, von einem hochbegabten Volke bewohnten Lan-des, Persiens, kann in voller Wahrheit ein organisirteS Na'uberwesen genannt werden-Der leitende Gedanke der Machthaber ist, die mächtigen Vasallen aus den heimat-lichen Gauen zu locken. Die einzelnen Häuptlinge und Khane großer Nomaden-sta'mme und ihre Söhne werden nach Hofe berufen und alle ihre Schritte ängstlich