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Fünfter Band.
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Die Engländer und Nüssen in Persicn und Mittelasien. 635

bewacht. Der geringste Ungehorsam wird für Rebellion angesehen und oft mit denrTode bestraft. Der Nomadenstamm wird in einem solchen Falle unter mehre Häupt-linge vertheilt, damit sie leichter überwacht und zum Gehorsam gezwungen werdenkönnen. Zu Statthaltern der Provinzen ernennt der Schah gewöhnlich seine Söhneund Verwandten, welche dieselben als gepachtete Grundstücke ansehen und soviel Gelderpressen, als das Land nur zu liefern vermag. Einheimische Edelleute, die irgendeinen Einfluß in der Provinz ausüben können, werden als Wesire oder Statthalterin fremde Provinzen gesandt, wo sie dasselbe Erpressungssystem wie die Prinzen be-folgen. Nicht selten tritt der Schah mit einem gesürchteten Häuptlinge in Ver-wandtschaft, vermählt entweder sich selbst oder einen seiner Söhne mit dessen Tochter,und versichert sich auf diese Weise der Anhänglichkeit des Khan, welcher dadurchfreilich viel an seiner Popularität verliert. Beim Volke ist die bloße Verwandtschaftmit den Kadscharen Grund genug zum Hasse. Die Prinzen und Statthalter derProvinzen führen oft Kriege untereinander, wozu sie sich die Erlaubniß vom Schahmit bedeutenden Summen erkaufen. Der Zustand des Landes ist natürlich unterdiesen Umständen höchst trostlos. Die Städte, mit Ausnahme von dreien, Teheran,Tauris und Schiras, bieten dem Auge einen Anblick von Trümmerhaufen und daßwiderliche Bild einer armen, hungernden Bevölkerung. Der herrlichste Boden liegtzum Theil ganz unbebaut. Schon längst würde Rußland unmittelbar in Persienherrschen, wenn es nicht durch die Rivalität Großbritanniens davon abgehalten wäre.Der Hof von Teheran muß sich aber allen Anfoderungen der beiden Schutzma'chtefügen. Die russischen Truppen im Kaukasus und in Transkaukasien wurden massen-haft fahnenflüchtig und gingen über die Grenze. Sie waren in Persien sehr will-! kommen, wo man ganze Regimenter aus ihnen bildete und unter polnische Offiziere

> stellte. Rußland sah dies ungern, und Persien mußte einen Vertrag eingehen (3. Juli

1844), wonach künftig keine Überläufer aufgenommen werden dürfen. Ein Russe,der ohne Paß erscheint, wird der nächsten Behörde des Zar ausgeliefert.

Bemühungen der Franzosen in Persien; Tod des Mubammed - Schah; die Zustande unterseinem Nachfolger Nasireddin.

In den letzten Jahren Ludwig Philipp's suchte die französische Regierung sich inPersien, wie in andern asiatischen und afrikanischen Ländern, eine Geltung zu verschaffen.Eine Gesandtschaft ging nach Teheran, wo (24. Juli 1847) ein Handelsvertrag ab-geschlossen wurde, welcher jedoch, weil kein unmittelbarer Verkehr zwischen Frankreichund Persien stattfindet, eine leere Form war und blieb. Ein französischer Einflußist jetzt in Persien gar nicht vorhanden. Die französischen Exercitienmeister erhieltenauf Andringen Rußlands ihre Entlassung, und sogar die katholischen Sendboten littenUnter wiederholten Verfolgungen. Dies liegt in der Natur der Dinge. Frankreichhat kein unmittelbares Interesse in Persien zu vertreten. Es kann höchstens durchEin Jntriguenspiel einen augenblicklichen Einfluß gewinnen, wie dies während der An-wesenheit des Gesandten Grafen Sartiges der Fall gewesen ist. Persien und diePforte wurden in den letzten Jahren vermocht, ihre seit alten Zeiten obschwebendenAenzstreitigkeiten der Vermittelung russischer und englischer Agenten zu überlassen,^ach fünfjährigen in Erzerum geführten Unterhandlungen haben diese endlich einen^ertrag zustandegebracht (7. Juni 1847) und feste Grenzlinien gezogen.

Das kräftige Auftreten der beiden Schuhmächte hat Persien bei der Thronbe-steigung des achtzehnjährigen Prinzen Nasireddin (5. Sept. 1848), gleichwie bei derstines an diesem Tage verstorbenen Vaters Muhammed, nochmals vor einem längern"Bürgerkriege bewahrt. Die Erklärung des russischen und englischen Gesandten, daßste nur Nasireddin als Schahinschah anerkennen und ihren Einfluß für ihn vermen-gn würden, hat alle die zahlreichen Kronprätendenten eingeschüchtert und ihren An-hang vermindert. Doch mußte der Aufruhr zu Schiras, Jspahan und an andern^"en mit Waffengewalt niedergeschlagen werden. Seit der Zeit sind an mehrentheilen des Reichs, namentlich zu Masenderan, Kerman und selbst in der Haupt-