Band 
Fünfter Band.
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645
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Die Engländer und Russen in Persien und Mittelasien. 645

Agenten bemerkt. Der Regierung Großbritanniens, fügt der Minister hinzu, seiüberdies die glaubwürdige Anzeige geworden, der Gesandte des Zar habe dem Schaherklärt: es sei eine russische Armee gegen Chiwa und Bochara im Anzug; der glück-liche Ausgang der Unternehmung der beiden Regierungen gegen Herat würde dieFeststellung der Grenzen zwischen Persien und Rußland auf der nordwestlichen Seiteund in der Richtung zum Opus sehr erleichtern.

„Die britische Regierung", fährt die Denkschrift fort, „gibt gern zu, daß Rußlandin allen Dingen und so auch in Beziehung auf Persien frei ist, die Handlungsweisezu verfolgen, welche seinem Vortheil am meisten zusagt. Großbritannien ist sich zusehr seiner eigenen Kraft bewußt; es hat eine zu sichere Kenntniß von der Ausdeh-nung und Hinlänglichkeit der Mittel, seine Interessen aus jedem Theile der Erde zuvertheidigen, als daß man die hier berichteten Vorfälle mit einer ernstlichen Besorg-niß betrachten könnte. Die britische Regierung hält sich aber für berechtigt, das Ca-binet von Petersburg zu fragen, in welcher Weise Rußland gegen Persien zu han-deln gedenke; ob nämlich die Versicherung der russischen Regierung oder die Hand-lungen des russischen Gesandten die Richtschnur bilden, nach welcher man in Zukunftsich richten wolle."

Die russische Regierung hielt es ihrerseits für nothwendig, ohne diese förmlicheAuffoderung abzuwarten, ihre Ansichten und Absichten in Betreff dieser asiatischenAngelegenheiten, wie es heißt, unumwunden anzusprechen, „damit das englische Volkberuhigt und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Kaiser und der Köni-gin keine Störung erleiden möchten". „Es ist der Kaiser", so lauten die Worte indem denkwürdigen Aktenstück", fern von jedem Gedanken an Eroberungen; niemalsist die Idee seinem Geiste gekommen, ja sie wird ihm auch niemals kommen, dieSicherheit und Ruhe der britischen Besitzungen in Indien zu gefährden." Er hälteinen Kriegszug an den Indus nicht blos für ungerecht, sondern auch für un-möglich. Man könne sich hiervon durch einen bloßen Blick auf die Karte überzeu-gen. Obgleich überzeugt^ daß der Schah vollkommen in seinem Rechte ist, Herat mitKrieg zu überziehen, so habe Rußland doch alles Mögliche gethan, ihn hiervon ab-zuhalten. Daß Cabinet von Petersburg wisse zu gut, daß jede kriegerische Unter-nehmung für einen so schwachen und erschöpften Staat wie Persien nur höchst nach-teilig und selbst gefährlich wirken könne. In diesem Sinne seien die Vollmachtendes Gesandten am Hofe zu Teheran abgefaßt. Wenn Persien diese Rathschläge nicht^folgte, so könne Rußland keine Schuld aufgebürdet werden. Es sei wahr, der Ge-sandte. Graf Simonitsch, habe sich mit der Zustimmung seines Hofs in das Lager desSchatz begeben und ihm treulich geholfen. Welcher englische Offizier würde aber bei derhülflosen Lage, in welcher sich die persische Armee befand, nicht Dasselbe gethan ha-ben? Wäre aber auch Herat gefallen, so sollte es doch nicht in den Händen Persiensbleiben. Vermittels des Grasen Simonitsch wäre bereits zwischen dem Schah undden Sirdars von Kandahar ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem diese es, unter^ ausdrücklichen Bedingung vollständiger Unabhängigkeit, erhalten würden. Diesirdars und die Stämme Afghanistans sollten, nach der Ansicht Rußlands, auchferner frei sein und in dem Zustande fortleben, in welchem sie jetzt sind. Dadurch^urde ohne Zweifel in diesem wirrenvollcn Lande die Ruhe hergestellt und auf langeE befestigt werden, was nur zum Vortheile aller bei dem Handel Mittelasiens be-teiligten Nationen gereichen könnte.

„Afghanistan ist reich genug, um für die Kaufleute aller Völker einen gewinn-Achen Markt darzubieten; sie brauchen und sollen sich gegenseitig nicht ausschließen."^ußland bekennt deshalb ohne Scheu, es habe vor kurzem des Handels wegen, und

des Handels wegen einen Agenten nach Kabal gesandt; fern sei aber der Ge-anke, politische Verbindungen anzuknüpfen. „Die Sendung des Herrn Witkv-^lsch nach Kabal geschah blos in Folge der Erscheinung eines Agenten von Dost«-b^hanimed zu Petersburg; der Emir wünschte nämlich einen Handelsverkehr zu «-und man suchte natürlich, ehe man sich darauf einlassen wollte, seine und