Band 
Fünfter Band.
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648
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648 Die Engländer und Russen in Persien nnd Mittelasien.

Theilfürsten sich aus, daß ihre Jagdparke an den beiden Ufern des Flusses, Schikar-gah in der Sprache des Landes genannt, durch die auf- und abfahrenden Schiffe inkeinem Falle eine Beeinträchtigung erleiden sollten. „Ich fühlte", schreibt der englischeUnterhändler Henry Pottinger, „daß ich kein Recht habe, von den Talpur in dieserBeziehung die geringste Aufopferung zu verlangen. Sind doch die Jagden das Ein-zige, worin diese barbarischen Fürsten ihr Vergnügen, ihre Erholung von den Mühenund Sorgen der Regierung finden." Die Schikargahs am Indus sind auch in derThat mit derselben Sorgfalt gehegt und gepflegt, wie die königlichen Forsten unddie Wildparke in Europa.

Die Theilfürsten am Indus hatten aus der Geschichte aller benachbarten Terri-torien die Überzeugung erlangt, daß es am Ende so gehen würde, wie es ihnen wirk-lich ergangen ist. Deshalb sahen sie sich, sobald der Abschluß des Vertrags erfolgtwar, nach einer Stütze, nach einer Hülfe um, und glaubten thörichten Sinnes sie

in Persien zu finden, einem Lande, dem man sich überdies als Schute befreundet

fühlte. Wiederholt gingen Boten zwischen den beiden Staaten, und die Talpurwünschten, „die Sonnenstrahlen der Glückseligkeit des Schahinschah möchten denNacken aller Herrscher umzingeln, damit das Land des Islam von Dornen undDisteln gereinigt und von der Bosheit der ganzen ungläubigen Rotte befreit werdenmöchte". Es schien als wenn sie in der That glaubten, Muhammed-Schah wäre,von den Russen unterstützt, im Stande, als ein zweiter Nadir-Schah nach Hindostanzu ziehen und das Reich der Ungläubigen zu stürzen.

Solch ein gefährliches Beginnen in den westlichen Grenzlanden wollten dieEngländer nicht lange ungeahndet lassen. Man war entschlossen, wenn die Emirs

in der That ein Bündniß mit Persien eingingen, ihnen alsbald den Krieg zu erklären.

Überdies gab es noch andere streitige Punkte, die, wie es schien, nur durch Waffen-gewalt entschieden werden konnten. Die Emirs schalteten nämlich in herkömmlicher,wilder Weise gegen die in 4hrem Lande ansässigen Hindu, raubten die Mädchen undFrauen — unglückliche Geschöpfe, die zu den Herren Hindostans emporschrien, umsie aus den Händen der Barbaren zu befreien. Auch rückte die Zeit heran, wo dieArmee des Indus sich zu Firospur versammelte, um in Begleitung Schudschah sflußabwärts zu ziehen, dann durch den Bolanpaß hinaus nach Afghanistan. DieTheilfürsten widersetzten sich aber auf das entschiedenste dem Verlangen des Schahund der Engländer. „Daß ein großes Heer durch Sindh ziehe auf der Straße vonSchikarpor, sei ganz unmöglich; es dürfe nicht einmal ein Versuch dieser Art ge-macht werden."

Die Engländer drohten nochmals, und wenn dies nichts helfen würde, warensie entschlossen, Gewalt zu gebrauchen. Sir Henry war der Meinung, es sei ambesten, Sindh sogleich in Besitz zu nehmen. Die Emirs sahen nun, daß ein ernst-licher Widerstand unmöglich. Die Engländer zogen aus beiden Seiten, vom mitt-lern Indus abwärts und von den Mündungen des Flusses aufwärts, gegen dasHerz des Landes. Man wich der Gewalt. Mir Rustem, Khan von Cheirpur,fügt sich zuerst (10. Jan. 1830) den vorgeschriebenen Bedingungen; er erkennt dieOberherrlichkeit der britischen Regierung, wofür ihm und seinen Erben der mittel-bare Besitz des angestammten Landes zugesichert wird. Ohne Vorwissen des Lehns-herrn, heißt es, dürfe der Talpur mit keinem andern Staate in Verbindung tre-ten; er werde nach Maßgabe der Mittel, so oft dies verlangt wird, seinen ZuzuSstellen und alle Streitigkeiten mit Fremden der britischen Regierung zur Entscheidungvorlegen. In die innere Regierung deS Landes mögen sich aber die Engländer nichmischen; doch werde ein Agent mit einer bewaffneten Begleitung, deren Anzahl vonden Umständen abhänge, an dem Hofe des Fürsten residiren. Auch mußte Fort unInsel Bakkar, innerhalb des Flusses, alsbald (6. Febr. 1830) den britischen Trup-pen übergeben werden. Eheirpur folgten die andern Theilfürsten von Untersindh: stverstanden sich zu einem neuen Tractate ähnlichen Inhalts, der aber spater voder Regierung zu Kalkutta einseitig abgeändert wurde. Um nämlich die Macht o