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Fünfter Band.
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Die Engländer und Russen in Persien und Mittelasien. 647

das Recht auf der Großbritanniens. So glänzend war die Genugthuung, welchedie englische Regierung durch ihr gerades, offenes Verfahren von der russischen zuerhalten wußte; man hatte jetzt freie Hand, mit Afghanistan und ganz Mittelasien^ nach Belieben zu schalten.

> Die Besetzung der Länder am untern Indus.

Bevor jedoch der Zug gegen die Lander jenseit des Indus unternommen wurde,wollte man sich der Uferstaaten dieses welthistorischen Stroms versichern, damit nichtim Rücken der Heere dem anglo-indischen Reiche ein Feind erstände. Der Maha-radschah gehörte zum Bunde gegen Dost-Muhammed und die Baraksi; auf seine Mit-! Wirkung in allen Unternehmungen gegen die bestehende!: Mächte Afghanistans konnteman rechnen. Nicht so bei den Theilfürsten von Ober- und Untersindh. Die Re-gierung zu Kalkutta hatte schon seit einigen Jahren gesucht, diese Gebiete in der Art, an Großbritannien zu knüpfen, daß deren Fürsten die unmittelbare Oberherrlichkeitder Compagnie anerkennen. Man hielt dies in doppelter Beziehung für nothwendig,zur Befestigung der Mestgrenze des Reichs und zur ungehemmten Beschiffung desIndus. Die Emirs widersetzten sich diesem ernstlichen Verlangen, obgleich sie zu jenerZeit von Nanadschit Singh sehr bedrängt wurden. Der umsichtige Gebieter vonLahor erkannte nämlich die Schwäche des vielfach getheilten untern Flußgebiets undsann seit. mehren Jahren, wie bereits mit Multan geschehen, auf die Eroberung desganzen Landes. Zu diesem Endzweck verlangte er, als Entschädigung für einige Räu-bereien, die Bezahlung einer bedeutenden Summe Geldes und sandte zur Unterstützung, dieses Begehrs eine Truppe gegen den diebischen Stamm der Masari, welcher, aufdem östlichen Ufer des Sindh hausend, dem Namen nach die Oberherrlichkeit derTheilfürsten erkannte. Ein Castell in der Nähe von Schikarpor war bereits in dieHände der Sikh gefallen, die jetzt Vorbereitungen trafen, um in der nächsten Zeit dieseberühmte Handelsstadt selbst sowie alles benachbarte Land zu erobern. Schikarpor,eine verhältnißmäßig sehr neue Stadt, zählte damals schon eine Bevölkerung von 60000Seelen und versprach, wenn die barbarische Regierung der Talpur gebrochen würdeund die Schiffahrt auf dem Indus keine Stockung mehr erleide, der wichtigste Platzzu werden für den Durchgangshandel von Indien nach dem westlichen und mittlernAsien. Es lag in dem Plane der Engländer, an diesem Orte große Messen anzu-ordnen; sie mußten demnach den Unternehmungen Ranadschit's, auch nach dieserSeite das Reich der Sikh zu erweitern, durchaus entgegen sein. Die Klagen derZahlreichen und wohlhabenden Classe der Hindukaufleute wurden mit Zuvorkommen-heit aufgenommen. Der einst so blühende Handel zwischen Obersindh und Chorasan,hieß es, sei jetzt ganz vernichtet; von den zahlreichen Waarenzügen, welche ehemalsdurch Schikarpor nach Oberasien gingen, sei kaum noch ein Schatten vorhanden,und dies Alles aus Furcht vor den kriegerischen Zeitkäufen und den räuberischenSikh. Sie, die Kaufleute wie alle andern Bewohner innerhalb des Burgfriedens,

> blicken zu den Engländern empor, um Abhülfe bittend; die Sahiban seien ja der ein-zige Hort alles östlichen Landes. Die Versprechungen der andern Fürsten im Pen-dschab und Sindh, in Kabal, Kandahar und Herat seien eitle, selbstsüchtige Lügen,lvomit sie, wenn man traue, dem armen Mann seinen schwer errungenen Gewinn

>. aus den Händen jagen.

Die indische Regierung säumte nicht. Sie ließ dem Maharadschah wissen, diet Ueuen Eroberungsgelüste erregen ihr Misfallen, und sie müsse wünschen, daß diepuppen aus Sindh zurückgezogen werden. Der kluge Nanadschit fügte sich wie ge-wöhnlich dem Wunsche der Übermacht. Nicht so die Theilfürsten. Die Talpur er-klärten anfangs, sie würden niemals eine britische Truppe in ihrem Lande dulden, nocheinen Residenten in Haiderabad aufnehmen. Nur die ernstlichsten Drohungen ver-pachten die Fürsten in diesem letztern Punkte nachzugeben. Es mußte dem eng-uschen Agenten (8. Apr. 1838) nicht blos der Aufenthalt an dem Hofe, sondernüberdies gestattet werden, im Lande sich hinzubegeben, wo er wolle. Dafür baten die