Band 
Fünfter Band.
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652 Die Engländer und Russen in Perfien und Mittelasien.

des Fürsten lastete früher gar schwer aus dem Nacken dieser unbeugsamen afgha-nischen Kaledonier. Muhammed stachelte die gegenseitige Eifersucht der Clane auf,daß einer den andern vernichten möchte; er mordete die widerspänstigen Häuptlingeund belastete das Land mit vierfachen Abgaben. Alle diese Unbill und Grausam-keiten waren aber bei dem Anblick des vor den Ungläubigen fliehenden Emirs schnell ^

vergessen. Man scharte sich um den Baraksi und gelobte ihm Beistand gegen dieunreinen Kafir Frcngistans, die, unerhörte Verbrechen in den Augen dieser Recht-gläubigen, Schweinefleisch essen und vertraulich mit den Hunden umgehen. Eine bri-tische Truppe eilte nach Bhamian, um den Emir zu sahen; und dem hundertfachenVerra'ther Hadschi-Khan Kaker ward unbegreiflicherweise die Stelle eines Wegweisersübertragen. Natürlich, daß die Briten genarrt waren und »»verrichteter Dinge nachKabal zurückkehren mußten.

Der vertriebene Fürst und sein tüchtiger Sohn Akber erregten jetzt das Mit-gefühl und die Besorgniß aller benachbarten Muselman, mochten sie ihnen frühernoch so sehr widerstreben. „Gebieten die Jnglis in Kabal, so werden sie bald, vonRaub und Herrschsucht gespornt, ihre gewaltthätigen Hände nach Kondus und allenmuselmanisch-usbegischen Gauen jenseit des Oxus ausstrecken. Umsonst haben sienicht die Edelsteinminen Badakschanß untersucht und ausgekundschaftet. Uns ist jaaus langer Erfahrung bekannt, daß die Ungläubigen, selbstsüchtiger Zwecke wegen, dieReiche des Islam durchstreifen; sie lernen unsere Lande kennen, erforschen die schwachenSeiten, um sie dann zu gelegener Zeit mit ihren Heeren zu überziehen, die Bewoh-ner zu unterjochen und zu ihrer Vielgötterei zu bekehren." Durch solche Reden und !

gegenseitige Botschaften aufgereizt, scharten sich große Haufen von Chulm, Kondus ^

und Bochara, wohin sich Dost-Muhammed mit seiner ganzen Familie begeben hatte, l

um den flüchtigen Emir. Mit den Fürsten dieser Gauen wurden im Laufe des Win- !

ters Schutz- und Truhbündnisse geschlossen, und im Beginn des Frühjahrs sollten diegemeinschaftlichen Operationen in großem Maßstabe beginnen.

Während der Zeit waren die Engländer damit beschäftigt, die Eroberung des Lan- !

des zu vollenden, sich in ihrem neuen Besitzthume einzurichten (der Schah residirteden Winter zu Dschelalabad) und ihre Netze über die andern Länder Mittelasiens !

auszuwerfen. Man dachte anfangs selbst an einen Zug jenseit des Amu gegen Sa- !

markand und Bochara; die Ausführung scheiterte jedoch an der außerordentlichen ,

Kälte utid dem tiefem Schnee, der die Pässe versperrte. Auch herrschte während des ^

Winters große Sterblichkeit unter den Truppen: die Gebirgsketten um Bhamian be- >

wahrten wieder ihren alten, aus den Zeiten des Padischah Akber und Orangsib stam-menden Namen Hindokusch, Hindutödter. Erst in den folgenden Sommermonatenwar man im Stande, einige Streifcorps gegen die Ufer des Oxus zu senden; dochhatte dies keine wettern Folgen als die Usbegherrscher yon Chulm und Kondus fürden Augenblick einzuschüchtern, daß sie versprachen, Gesandte zu schicken, um Bünd-nisse mit den Briten zu schließen. Vergebens harrte man aber in Kabal aus dieErfüllung dieser tauschenden Worte. Die einzelnen Aufstände der Häuptlinge undganzer Clane wurden durch Waffengewalt, wenn auch mit bedeutenden Verlusten vonSeiten der Anglo-Jndier, niedergeschlagen; es mußte natürlich die rohe Tapferkeit derGildschi und Jusofsi auf allen Seiten der Taktik der Europäer und den überwiegen-den Zerstörungskünsten der Civilisation unterliegen. Eine kurze Zeit lang herrsch"in der That, sowol in Betracht der Naturverhältnisse wie der bürgerlichen Verfassungdes Landes, ungemeine Ordnung und Ruhe in den Gauen Afghanistans. !

Der russische Krieg gegen Chiwa und die englischen Agenten.

Diese erfreulichen Zustände wurden von den britischen Geschäftsträgern undsidenten in Afghanistan benutzt, um den Einfluß und die Herrschaft ihre- Vaterlandin den Landern jenseit des Amu zu verbreiten. Alle Mitglieder der anglo-indischenRegierung zu den Zeiten Lord Auckland's waren von einer wunderlichen Russenfurchergriffen: jeder neue Tag brachte neue Gerüchte von dem Anmärsche eine- russischen