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Die Märzkatastrophe in Östreich.
der Dinge erkennen zu lassen. Durch die ganze Stadt ging der Ruf: Es ist Alleszurückgenommen! Man will uns mit Kanonen antworten! Rothe Bänder auf! v
An vielen Orten warfen Frauen rothe Bänder in Menge unter die Bewaffneten. 3
Die an der Universität, am Hofe und in der Nähe der Burg stehenden Hausen, / eiBürger und Studenten ohne Unterschied, geriethen in Bewegung, schoben sich zu- t!
sammen und vorwärts. Bald waren alle zur Burg führenden Gassen eine unabseh- n
bare, schwankende Fläche von Bayonneten, aus der der tausendfache Ruf: Preßfrei- n
heit! Nationalgarde! erscholl. Wien hatte den ihm hingeworfenen Handschuh gegenErwarten ausgenommen! Zu. gleicher Zeit war eine große Anzahl der achtbarsten h
Bürger zum Zwecke der früher angesagten Einschreibung in der zur Burg gehörigen r
kaiserlichen Reitschule zusammengekommen; und so wiederholte sich die Scene des d
vorigen Abends nur in größern Verhältnissen. Die in der Reitschule versammelten ei
Bürger, zum Theil hervorragende Mitglieder der Reformpartei, wie Bach, Arthaber, d
Dobblhos, Breuner, sandten Deputationen über Deputationen in die kaiserlichen Ge- 6
mächer, und die auf dem Michaelerplatz zusammengedrängte Menge setzte sich ihrerseits 3
mit ihnen durch Sprecher in Verbindung. Die erste von der, Reitschule abgehende n
Deputation, an deren Spitze Arthaber und Bach, hatte nur den Auftrag gehabt, 2
die Bestätigung der Preßfreiheit zu beschleunigen, da man an der Bewilligung der li
Nationalgarde gar nicht mehr zweifelte. Nun aber trat der von der draußen stehen- 3
den Menge gesandte Advocat Neumann (damals ein ebenso heißer Volksadvocat, wie g
später in Kremsier der des Ministeriums) in die Versammlung der Reitschule, um 3
im Namen seiner ungestümen Vollmachtgeber zu fragen: ob denn die Nationalgarde ,
irgendwie officiell zugesichert sei? Diese Frage konnte man allerdings nicht entschie- ^
den bejahen. Man sandte darum nachträglich verschiedene Deputirte ab, theils umdiesen Punkt nachzuholen, theils um die Rückkehr der früher Entsendeten zu beschleu-nigen. Alle diese Deputationen trafen zuletzt beim Grafen Kolowrat zusammen, wo»hin die erste, nach langem Antichambriren und kurzer Abweisung bei Windisch-Eräh, d
gekommen. Lange schien auch hier ihre Sendung fruchtlos. Der Erlaß über die a
Nationalgarde war, wie Kolowrat versicherte, bereits erfolgt, ja sogar in der Druckerei. e
Aber über die Preßfreiheit konnte oder wollte er keine Beruhigung geben. o
Endlich stürzte der Polizeicommissar Angermann herein und beschwor den Grafen,auf die Knie fallend, zu eilen. Es sei keine halbe Stunde mehr zu zögern, wenn mandaS Ärgste für die Burg abwenden wolle. Er sprach die Wahrheit! Zwar warunterdessen der kaiserliche Erlaß, durch welchen die Nationalgarde constituirt und derOberjägermeister und General Graf Hoyos (ein wohlmeinender, wenn auch unbedeu-tender Charakter) zu ihrem Obercommandanten ernannt wurde, durch diesen selbst indie Reitschule gebracht worden; doch Neumann erschien abermals in höchster Eilevon draußen und meldete, daß er die Menge nicht mehr zu halten vermöge. Es warvorüber mit jedem persönlichen Einfluß, und der Ruf: Preßfreiheit! schlug wie eineBrandung unaufhörlich an die Fenster der Burg. Kolowrat begab sich zum Erz-herzog Ludwig, und abermals siegte persönliche Stimmung über starre Berechnung.
Er kehrte nach einigen Augenblicken mit dem vom Erzherzog unterschriebenen Blattzurück, welches besagte, daß der Kaiser die Aufhebung der Censur und die Veröffent-lichung eines Paßgesetzes bewilligt. Gras Breuner, auch einer der Deputirten, ent-nahm eS ihm, .um es noch naß in die Staatsdruckerei zu tragen. Die übrigen mit -
dem inzwischen dazugekommenen Hoyos eilten mit einer Abschrift auf die Reitschule, s
um sie dort und an allen öffentlichen Plätzen zu verkündigen. Einige Augenblicke 4 '
darauf hallte der Ruf: Preßfreiheit! durch die ganze Stadt. Seltsam genug und
doch erklärlich! Man hatte dieses kostbare Gut so heiß verlangt, so schmerzlich er-wartet, und nun man es besaß, kam man eben deshalb nickt zu vertrauend ruhigesFreude. Das durch lange heftige Spannung hervorgebrachte geistige Fiebersich mit gleicher Gewalt aus jeden ihm gebotenen Gegenstand. Der handschriftlicheErlaß brauchte seine Zeit, um gedruckt zu werden. Schon das genügte, um neuesiedende Unruhe hervorzurufen. Von allen Seiten ergoß man sich in Ausbrüche de