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Die Marzkatastrophe in Ostreich.
mit den verlaufenden Stunden ein bedenklicher Umschlag ein. Am Morgen hattesich die Nachricht zur allgemeinen Befriedigung verbreitet, daß sich Fürst Metternichund seine verhaßte Frau in einem kaiserlichen Wäscherwagen geflüchtet. Ebensoerfuhr man später, wie Erzherzog Albrecht sein Kommando abgegeben und sich nachUngarn begeben habe. Jetzt aker verlautete, daß Fürst Windisch-Era'h, schon damalsals hochmütiger Aristokrat gehaßt, der Nachfolger des Prinzen geworden; und zu-gleich erhoben sich bedenkliche Gerüchte über den bereits geschehenen und noch zu er-> wartenden Anmarsch von Truppen. Hierzu kam gegen Mittag ein Erlaß des Ne-
I, gierungspräsidenten, welcher ganz im alten Stil nichts Minderes als gänzlich stumme
! Ergebung und polizeiliche Ruhe empfahl. Die Stimmung wurde schnell stürmisch!Rothe Bänder und Cocarden, die einzelne Patrouillen aus radicalen Vorstädten mehrim Scherze mitgebracht, begannen hier und da zahlreich aufzutauchen-, und heftigeRedner sprachen unverhüllt das letzte gewaltsame Ziel aus. Diese zu erwartendeEntwickelung war den Blicken der Männer, die als Führer der von uns geschilder-ten Kreise, der Stände, der Universität und der Vereine, bereits am Tage vorherthätig gewesen, nicht entgangen, und sie bemühten sich darum vorn frühesten Morgenan unablässig in der Hofburg, auf die Nothwendigkeit rascher und umfassender Ge-währungen hinzuweisen. Anfangs schien ihnen dies auch geglückt zu sein. Eine ausden kaiserlichen Zimmern entlassene Deputation brachte gegen 1 Uhr die Nachrichtmit, die Nationalgarde sei bewilligt und ihre sofortige Organisation beschlossen. Esmag als Zeichen das damaligen allgemeinen Wirbels gelten, daß man weder die Na-^ men der Deputirten noch die Persönlichkeit zu nennen weiß, von welcher sie die Zu-
. sage erhielten. Nur soviel ist gewiß, daß diese Zusage allgemein bekannt, ja daß sie
^ am Stadtthor selbst vorn Wachofsizier dem eben zurückkehrenden Gewerbverein zuge-! rufen wurde, und daß wirklich in der kaiserlichen Reitschule sowie in der Universität
! für 3 Uhr Nachmittags die Vorbereitungen zur Einschreibung getroffen waren. Etwas
später verbreitete sich auf dieselbe, auf keine einzelne Quelle zurückführbare Nachricht,daß die Preßfreiheit bereits bewilligt sei, und das Entzücken über diese höchste und. erste Grundfeste staatlicher Entwickelung gab zu einer rührenden Scene Veranlassung.
^ Zwei starke Bürgerpatrouillen, die eine mit der Divise: Preßfreiheit! auf der Fahne,
begegneten sich am Josephsplatze, an der Statue des seinen Völkern unvergeßlichenKaisers. Unwillkürlich brachen sie in ein langes Lebehoch aus. Ein Knabe aus demVolke kletterte an dem Erzbilde hinauf, und drückte demselben einen blühenden Kranzaufs Haupt und die weiße Fahne in die Hand, mit jenem großen Worte, das erzuerst, obwol vergeblich ausgesprochen.
Eine allgemeine Beschwichtigung der Gemüther trat mit dem Verlauten solcherBewilligungen ein, und die Vorstellungen populairer Männer und der sie begleiten-den Studenten fanden überall Eingang; man rief sich wechselseitig die Mahnung:Ordnung und Ruhe! zu. Inzwischen hatte aber die militairische und staatsräthlicheReaction in der Hofburg wieder das Übergewicht gewonnen und ihre Bedenken gegenjene Zusagen geltendgemacht. Nicht blos, daß die unermeßliche politische Bedeutungdes Worts „Nationalgarde" seinen Ersatz durch das unverfänglichere „Bürgerwehr"räthlich machte, sondern jene letzten, wie es scheint, in persönlicher Übereilung ge-machten Zusagen mußten überhaupt das Motiv abgeben, den Schritt für SchrittBoden gewinnenden Volkswünschen Grenzen zu sehen. Dazu schien Drohung nöthigUnd, wie man die Sache in der Burg sah, genügend. Gegen 3 Uhr erschien eine^ Bekanntmachung des Regierungspräsidenten des Inhalts: „Gestern habe der Kaisereinige ihm vorgebrachte Bitten gewährt, auf die Versicherung, damit würden RuheUnd Ordnung ohne Waffengewalt zurückkehren. Heute würden aber neue Bittengestellt, bei noch beunruhigenderer Gestaltung der Dinge. Dadurch würde daS An-sehen des Throns und das Zustandekommen der beabsichtigten Verbesserungen gestört.Der Kaiser habe also beschlossen, zur Wiederherstellung der Ruhe dem Feldmarschall-lieutenant Fürsten Windisch-Grätz alle nöthigen Vollmachten zu übertragen, und ihm alleCivil- und Militairautoritäten zu unterordnen." Das genügte, um die wirkliche Lage