Band 
Fünfter Band.
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755
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Die Anhaltischen Herzogthümer. 755

schiedenartige Elemente in denselben zusammenfanden. Erst spater konnten sich na-türlich Vereine von bestimmter politischer Tendenz bilden, als in Folge der wiedererstarkenden Reaction der eigentliche Kampf der Parteien begann. Der Anfang hierzufand statt, ungefähr im Frühling 1849, wo in Dessau ein „Bürgerverein" zusam-mentrat, der zunächst durch ein ziemlich freisinniges Programm sich Anhänger zuverschaffen wußte, sehr bald aber den Charakter eines dessauischen Treubundes an-nahm. Diesem und den ihm nachgebildeten Vereinen gegenüber bildeten sich durchbeide Länder hindurch die von entgegengesetzter politischer Richtung ausgehenden„Volksvereine", welche im Dessauischen etwa die Hälfte aller Urwähler umfaßten.

Alle diese Vereine übten natürlich bei der weitem Entwickelung der Dingeeinen mehr oder minder bedeutenden Einfluß aus, der sich namentlich bei den spä-tern Wahlacten fühlbar machte. Bei den ersten Wahlen konnte dies noch nicht ingleichem Maße der Fall sein; und so geschah es, daß hier, wie in den meisten an-dern Staaten, der Erfolg der Wahlen weniger von dem Verhältniß der Parteistel-lungen, die damals überhaupt noch sehr schwankend und unsicher, als vielmehr vonder Bedeutung oder Popularität gewisser Persönlichkeiten abhing. Die Wahl derWahlma'nner hatte bereits in den letzten Tagen des April stattgefunden; die der Ab-geordneten geschah am 5. Mai unter Leitung von Ausschüssen, welche aus der Mitteder Wahlmänner selbst gewählt waren. Das Resultat der Wahlen erschien nachder äußern Stellung der Gewählten nichts weniger als volksthümlich, indem die mei-sten derselben dem Beamtenstande, die übrigen aber größtenteils der Bourgeoisieangehörten. Auch ihrer politischen Gesinnung nach waren sie fast sämmtlich sehrgemäßigt, ja conservativ zu nennen. Dessenungeachtet erkannten diese Männer woldie Foderungen der Zeit, und hielten die Einsicht fest, wie die destructiven und staats-gefährlichen Elemente jetzt nicht im Fortschritt, sondern vielmehr in der Reactionlagen. Im Allgemeinen gingen sie daher mit Bereitwilligkeit und Ehrlichkeit aufeine durchgreifende Neugestaltung des Staatsorganismus ein.

Erster Zusammentritt deß Landtags in Dessau; Wahl eines Abgeordneten für Frankfurt;weitere Thätigkeit des Ministeriums; erste Regungen der Reaction.

Der erste Zusammentritt der dessauischen Abgeordneten erfolgte am 10. Maiim Concertsale des herzoglichen Schauspielhauses zu Dessau. Eröffnet wurde dieVersammlung durch einige Worte des Ministerpräsidenten Habicht. Den übrigenTheil der Sitzung nahmen die Wahlprüfungen, die Präsidentenwahl und sonstigeFormalitäten in Anspruch, wobei nur das Curiosum zu erwähnen ist, daß einerder Abgeordneten, weil er in zwei Wahlbezirken gewählt worden, anfangs zwei Stim-men beanspruchte, jedoch diese Ansicht alsbald wieder fallen ließ. Die zweite Sitzungfand am 11.'Mai und zwar unter Vorsitz des zum Präsidenten gewählten und vornHerzoge bestätigten Abgeordneten Nulandt statt. Man schritt in derselben nach Wahlzweier Schriftführer sogleich zum eigentlichen Hauptgeschäft der diesmaligen Versamm-lung, nämlich zur Wahl eines Abgeordneten für das frankfurter Parlament. Von einersorgfältigen und allseitigen Erwägung dieser wichtigen Angelegenheit war hier so wenig alsin Bernburg die Rede, und jedenfalls hätte, wenn die Wahl unmittelbar vom Volkevorgenommen worden, in den Wahlversammlungen eine weit gründlichere Erörterungder zu erwägenden Punkte stattgefunden. Nachdem der Vorsitzende bemerkt: man habe!lch in einer vorausgegangenen Besprechung überzeugt, wie man sein Augenmerk*ücht auf ein dem Lande unentbehrliches Mitglied des Ministeriums lenken dürfe,Drachen nur noch die Abgeordneten Fiedler und Grimmert, und zwar Ersterer, in-dern er im Allgemeinen auf die Qualitäten des zu wählenden Abgeordneten hinwies,^nd namentlich von ihm federte, daß er sich gegen das schon damals im Schwüngegehende Kaiserproject aussprechen möge, Letzterer aber, indem er merkwürdigerweiseErklärte: es brauche die Sache gar nicht so wichtig genommen zu werden, da der^Effauische Abgeordnet.» doch kein besonderes Gewicht in die Wagschak lege und