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Siebenter Band.
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Das neue deutsche Drama.

Tragödie und Schauspiel.

Jmmermann, Grabbe und Büchner stehen auf der Brücke zwischen den» altenund dem neuen Drama. Jmmermann schwankte in seinen Stoffen zwischen demMittelalter und der Neuzeit, war in der Form von adeliger Einfachheit und Rein-heit, von marmorglatter Rundung; doch seine Glatte war kalt und seine Grazie oftseelenlos. Seine Charakteristik war fein, aber nicht gewaltig; seine Figuren hattenmehr Plastik als Innerlichkeit; sie brachten es mehr zu gemessenen Attitüden als zulebendiger Handlung. Sein „Alexis" ist nicht viel mehr als eine Formstudie; sein„Cardenio und Celinde" eine romantische Nachbildung Shakspcare's; sein „Trauer-spiel in Tirol", das mit glücklicher Kühnheit einen Stoff aus der Neuzeit ergriff,war zu skizzenhaft, um als Ganze? zu wirken. Die Charaktere in der letztem Dich-tung sind, bei aller Wahrheit, nur Portraits; die Liebesepisode ist zusammenhangloseingefügt: eS fehlte die Wärme, der Enthusiasmus, es waren in Marmor gehaueneGruppen, kein begeistertes Volk.

Grabbe und Büchner bezeichnen eine neue Sturm- und Drangperiode. Grabbeist der Lenz des 19. Jahrhunderts. Gewaltig, unbändig, über die Grenzlinien desGeschmacks übergreifend, kühn in seinen Intentionen — man denke an „Don Juanund Faust" — in seinen Bildern originell, oft bizarr, nimmt er eine Ausnahme-stellung in der Literatur ein. Aber es waren anfangs mehr Verheißungen, spätermehr Verirrungen des Genies als das Genie selbst. Man überschätzte seine vulka-nische Kraft, das erschütternde Schauspiel geistiger Explosionen in einer Zeit, inwelcher der ordinäre Jambentrab das deutsche Drama mit einem allgemeinen Nivel-lement bedrohte. In diese Schwüle einer unvermeidlichen Phraseologie brach dieGrabbe'sche Poesie mit urkrästigcn Wetterschlä'gen, ein Phänomen, eine Naturer-scheinung, welche aus dem Schlafe aufrüttelte, welche Erquickung brachte. Da wa-ren Verse und Gedanken hingeschleudert, wie unbehauene Granitblöcke in den Kon-vulsionen der Schöpfung. Die Charaktere hatten daS Rekrutenmaß der Titanen,die den Ossa auf den Olymp gethürmt. Es war eine Rebellion gegen Gott undWelt, in welcher sich der ohnmächtige Weltschmerz jener Zeit zu Attentaten derVerzweiflung zusammenraffte. In „Theodor von Gothland", in Nordlandsnebeln, anstürmischer See — ein wüster Atheismus mit ungebärdig stammelnden, oder an denSäulen des Himmels rüttelnden Monologen. In den Hohenstaufentragödien ge-schichtliche Fresken in großem Stile, aber ohne künstlerischen Rahmen. In „DonJuan und Faust" der Versuch, den Sensualismus und Spiritualismus in gran-dioser Weise sich gegenüberzustellen, ein Versuch, der schon deshalb misglückcn mußte,weil der Don Juan im Faust selbst als ein Moment seiner Entwickelung enthal-ten ist. Im „Hannibal", in der „Herrmannsschlacht", den „Hundert Tagen" —alte und neue Geschichte mit charakteristischen Schlaglichtern, genialen Zügen, be-deutender Auffassung; aber nirgends reines Gold, nirgends ausgeschlämmt aus demFlußsande wilder Strömungen, überall der Trotz auf geniale Formlosigkeit, aufdie Autonomie des regellosen Talents. Dieses Erbthcil der Romantik hat Grabbeverhindert, ein Dichter der Nation zu werden. Meteorisch ist er auf» und unter-gegangen; bewundert von Vielen, ein wildes Räthsel dem Volke, das ihn nichtverstand.

Ähnlich in der Bravour genialer Sprünge, aber nicht so ungeheuerlich wieGrabbe, ist Büchner in „Danton's Tod". Es sind Skizzen, aber Skizzen von sel-tener, charakteristischer Vertiefung, von einer großen geschichtlichen Weltanschauung.Nobespierre ist mit wenigen Zügen meisterhaft geschildert; Danton ein Titane; Ka-mille DcsmoulinS der liebenswürdige, frivole Schildknappe der Riesen; Saint-Justder edle Systematik» des Schreckens! Es ruht auf diesen Skizzen die bedrückendeAtmosphäre der Revolutionszeit mit ihrem Cynismus und Terrorismus; es zeichnensich in ihr bedeutsam die Gestalten, wie Ossian's Helden in den Nebeln Schottlands.Büchner's Talent, Menschen zu schaffen, mit wenig Aufwand poetischer MittelCharaktere hinzustellen, übertrifft noch das Talent Grabbe's, bei welchem die Unge-

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