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Siebenter Band.
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DaS neue deutsche Drama. 3

vor diesem einen großen Vorsprung. Doch wird er eben dadurch oft rhetorisch opern-haft. Seine Charakteristik leidet bisweilen an idealer Verflüchtigung; besonders seineFrauengestalten verschwinden oft in lyrischem Dust, werden zu haltlosen Mondschein-figuren, wie z. B. Amalie, Thekla, Beatrice, Bertha. Die Massenhastigkeit des hi-storischen Materials ist selten ganz durch die künstlerische Komposition bewältigt; derStoff geht nicht ohne Rest in der Form auf. Einzelne Dramen, wie „Don Car-los", leiden an mangelnder Einheit der Handlung, an dem zersplitterten Interessesur zwei Helden; andere, wie die „Jungstau von Orleans" an dem vorherrschenden,eschen Pomp; noch andere, wie „Tell", an einer epischen Ausbreitung, in welcherder Held nur zur Staffage wird und bei Hauptsccnen, wie auf dem Rütli, ganzverschwindet. Diese Aufzählung der Gebrechen unserer größten Dramatiker soll hiernur beweisen, daß auch die ästhetische Kritik, wen» sie nicht in beliebter Mist zier-Apotheose wird, keineswegs vor unbestreitbaren Meisterwerken stillestehen oder gardem Fortschritt der dramatischen Literatur Halt gebieten darf; ganz abgesehen davon,3cit einen größer» Reichthum von Stoffen, Gedanken, Interessenerschlossen, welche unsern Classikern fernläge». Man denke nur z. B. an die gänz-der Lyrik von der Mythologie, deren schulmäßiger Inhalt nochle schönsten Dichtungen Goethe's und Schiller's beherrscht. Der Fortschritt derreuen Dramatik über Goethe und Schiller ist ein nothwendiger — damit ist ihrevnil ""d Berechtigung ausgesprochen. Ist dieser Fortschritt auch »och nicht° die Richtungen und Wege angebahnt und die Ziele abgesteckt,

-acy Venen em jüngeres Dichterg-schlecht selbständig und muthig ringt.

. nennen diese Vertreter der berechtigten Dramatik die Dramatiker des nio-

.'Bkwußtseins. Ihnen gegenüber steht die große Masse der Romantiker,c che m der Abhängigkeit von fremden Mustern und nach idealistischen Schablonenp ovuciren, die am liebsten fernliegende, mittelalterliche Stoffe wählen, und derengttrchinte Tendenzlosigkeit-oft zur vollkommenen Geist- und Gedankenlosigkeit wird.uch manche poetisch reichbcgabte Geister verfolgen diese Richtung, indem sie dasPodium der ewigen Kunst zu schützen wähnen. Doch diese ewige Kunst,eiche unberührt von den Zeitströmungen und Weltgedanken in irgend einem Winkeler Transscendenz lebt, ist in Wahrheit nur eine wesenlose Abstraktion, welche bei^ Umarmung in Wolken zerstießt. Wir verstehen hier unter Romantik den gan^^Gegensatz der Weltanschauung und Kunstansicht, nicht die eigentlich romantischechule im engern Sinne. Denn diese hat es kaum zu dramatische». Productionen2 rächt: man müßte denn einen „Ion", einen „Gestiefelten Kater", „Ponce ded^"" und dergleichen formlose Ausgelassenheiten wegen ihrer zufälligen Einkleidung zun Dramen rechnen. Eine dritte, außerordentlich zahlreiche Classe der neuen Dra-atiker besteht aus den principloscn Bühncnschriftstellern, welche bald mit, bald ohne> » nz, bald modern, bald romantisch, stets aber ohne künstlerisches Gewissen und

d-r^ttn Zwecken arbeiten, den Dramatikern des täglichen BühnenbcdarfS. Indie und dem Schauspiele sondern sich diese Classen am schärfsten, während

Hier mehr aus Sitten und Zustände der Gegenwart hingewiesen ist-

oder wir der Form nach unterscheiden das historische Lustspiel, das Salon-

Hablonenlustspiel, die aristophanische, die moralische und die burleske Posse. *)

ist e- ?ie eigenthümliche gesetzliche oder vielmehr gesetzlose Stellung unserer Dramatikerdadurck k § die Mehrzahl ihrer Dramen nicht »n Buchhandel erschienen ist, weil sie

ficht gegenüber, der Autorrechte verlustig gehen würden. Die folgende Uber-

theatra iU. die neuen Dramen ohne Unterschied, ob sie durch den Buchhandel oder diedaß di/s-der Kritik zugänglich geworden. Damit ist zugleich ausgesprochen,darauf verzichten muß, vollkommen erschöpfend zu sein, indem vereinzeltean Stück« an dieser oder jener Bühne noch nicht dem Kritiker, der zufällig

andern Ort lebt, ein selbständiges Urtheil erlauben. Doch ist jedes dramatischezeichen, vor allem auch der Manuskriptdruck, nach besten Kräften berücksichtigt worden.

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