Der Kirchenstaat. ^
gierung rief die Stadt und Provinz Ferrara auf, die Gewalt mit Gewalt zu ver-treiben, sendete ein Truppencvrps unter den Obersten Mezzacappa ">'d Zambcccanden Bedrängten zur Hülfe, und richtete Protest- an mehre auswart.ge Machte gegendie Verletzung des Völkerrechts. Haynau wartete einen Zusammenstoß mit den Mo-niern nicht ab; er verließ Ferrara, nachdem er eine Kontribution vonScudi erhoben hatte, und indem er sechs angesehene Bürger als Geißel» mit
^ ^Inniger als im übrigen Italien wurde zu Nom die Idee der politischen EinheitItaliens, die sich in einer allgemeinen Nationalversammlung verkörpern skulle, ersaßund wachgehalten, sei es, weil Rom durch die Verwirklichung der Einhntsidce semPrimat über alle übrigen Städte Italiens am wirksamsten sichern, oder weil dieEwige Stadt, wo die Nativnalwünsche Italiens sich von jeher am lebhaftesten wie-dergespiegelt und concentrirt haben, mit der Zerstückelung und dem unheilvollen Mrim-cipalgeiste das tausendjährige Unglück und die tausendjährige Schmach, die der j)ar-ticularismus auf das gemeinsame Vaterland gehäuft hatte, überwinden zu könnenhoffte. Nachdem Picmont die Einheitsidee nach kurzen Verhandlungen mit Toscanaund Rom hakte fallen lassen, und Neapel längst nicht mehr i» d,e Wagschale deritalienischen Bewegung siel, bildete sich in Rom der eigentliche Mittelpunkt der po-litischen Einheitsbestrebmigen, die sich nun auf einen politischen Bund zwischen Rom,Toscana (das sich inzwischen als Republik constituirt hatte), Sicilicn und Venedig be-schränkten. Im März 1849 fanden zu Rom lange umtarische Verhandlungen zwischendiesen Staaten statt, die nicht so sehr wegen ihres endlich erfolgten Resultats, derZustimmung zu einem gemeinsamen Parlamente, dessen Mitglieder aus allgemeinemStimmrecht hervorgehen und unbeschränktes Mandat erhalten sollten, als wegen derSchwierigkeiten, die sich diesem Resultate entgegengestellt hatten, und die selbst dasradicalc und revolutionäre Italien als noch mächtig vorn Municipalgeist beherrschterblicken ließen, bemerkenswerth sind. Gewaltig hereinbrechende Ereignisse ließenübrigens rasch die unitarischen Bestrebungen mit jenem mühsam errungenen Nesul-tat ihr Bewenden haben, indem sie die grosse Frage der nationalen Unabhängigkeitin den Vordergrund rückten.
Um die Mitte des Monat März wurde es in Nom bekannt, daß Karl Albert am>2. März Östreich den Waffenstillstand aufgekündigt habe. Italien sollte in wenigenTagen den letzten entscheidenden Schwertstreich gegen seine mächtigen Gegner führen.Die Konstituente beschloß sogleich nach kurzer Debatte, obwol ihr die Aufkündigungdes Waffenstillstandes erst einige Tage später mit der Ankunft des officiösen piemon-tesischen Botschafters Lorenzo Valerio bestätigt, wurde, daß Rom sich mit einemEontingcnte von 1Ü000 Mann, die unter den Befehl des Obersten Mezzacappa ge-stellt würden, an dem Unabhängigkcitskampfe auf den Feldern der Lombardei bethei-ligen solle. Die Konstituente begleitete den Abmarsch der römischen Truppen miteiner Proklamation „an die Völker der römischen Republik", um das kleine Kon-tingent durch Freiwillige möglichst zu verstärken. Merkwürdig ist diese Proclama-tivn, weil sie davon zeugt, daß der Krieg alle politischen Parteiungen zum Schwei-gen brachte und in Nom wie im übrigen Italien nur eine große Partei, die derItaliener, erblicken ließ. Es hieß darin: „Die republikanischen Scharen werden ander Seite der subalpinischeu und andern italienischen Soldaten kämpfen: kein andererWetteifer walte unter ihnen als der in der Tapferkeit und Aufopferungsfähigkeit.Fluch treffe Den, der auf der Bahn zum höchsten Kampfpreis Zwiespalt zwischenBruder und Bruder bringt!" Noch hatten indessen die römischen Scharen nichtdie Grenze überschritten, als bereits die letzten Hoffnungen Italiens nach einem drei-tägigen Feldzuge, dem unglücklichsten und traurigsten, der jemals unternommen wor-den, unter den Mauern von Novara am 23. März niedergeworfen waren und ver-bluteten. Wie ein Blitzstrahl aus sonnigem Himmel, dessen Horizont sich nur aufeinen flüchtigen Augenblick entwölkt haben sollte, durchzuckte die Botschaft des Un-glückeschlags Italien von den Alpen bis zum Vesuv mit lähmendem Schmerz.