102 Die Unästhetischen Mittel.
andererseits aber auch freier von so mancher unangenehmen Nebenwirkung auf, alsdie- beim ÄtherismuS der Fall zu sein pflegt.
WaS nun aber vorerst die Symptome betrifft, die man in Folge des Chloro-sormeinathmenS beim Menschen eintreten sieht, so erscheinen der Reihe nach: ein Ge-suhl von Kühle im Munde, später von leichtem Brennen und flüchtigem Stechen inden Lippen, der Nase und in den Augen, daher Lust die Augen zu schließen undleichter Thränenfließen; süßlicher Geschmack auf der Zunge, hin und wieder leichterHustenreiz, Bedürfniß beschleunigtem Athemholens und nicht selten vorübergehendeAthemnoth in Folge krampfhafter, momentaner Verschließung der Athmungswege;Gefühl von Wärme, welche den ganzen Körper durchstrahlt, Ohrenklingen, Brausenund Sausen in den Ohren, das sich rasch zu einem Gepolter steigert, gleich demeiner dahinfahrenden Eisenbahnzugs, oft auch mit dem immer schneller werdendenSchlagen einer Uhr sich vergleichen läßt; Herzklopfen, Eingenommenheit des Kopfs,Gefühl von Schwindel, nebelhaftes Verschwimmen der Bilder vor den Augen, immerundeutlicher werdendes Gehör, geradeso wie im halbwachen, schlaftrunkenen Zustande,Gefühl von Pelzigwerden der Finger und Zehen, sogenanntes Einschlafen der Armeund Beine mit verminderter Empfindung, unbesiegbare Müdigkeit und Erschlaffungim Gebiete sämmtlicher willkürlicher Muskeln, deshalb Bedürfniß nach tiefen undgedehnten Inspirationen, unwiderstehliche Lust den Kopf zur Seite zu legen, dieBeine auszustrecken und die Arme fallen zu lassen und dem immer mehr und mehrüberwältigenden Schlafe sich ganz und gar zu überlassen, welcher meist jeder Seelen-thätigkeit bar ist und nur hin und wieder von Träumen verschiedener Art begleitetwird. Das Erwachen aus diesem Schlafe geschieht rasch und gewöhnlich mit einemmal. Anfangs besteht dem Erwachenden eine nur unzusammenhängende ErinnerungDessen, was um ihn und mit ihm vorgegangen; alsbald aber kehrt das Bewußtseinwie aus dem Traume ungestört und vollkommen wieder. Vorübergehende Eingenom-menheit des Kopfes, Muskelschwäche, deshalb Unfähigkeit gleich anfangs gerade zustehen und sicher umherzugehen, süßer, zuckeriger Geschmack im Munde, Müdigkeitund nicht selten erneuerte Schläfrigreit sind die subjectiven Erscheinungen, unter wel-chen in der Regel der Chloroformismus wieder verschwindet.
Neben diesen bietet die Chloroformeinathmung aber auch noch folgende objectiveErscheinungen: Anfangs einiges Widerstreben gegen die Einathmung der so ganz un-gewohnten Chloroformdünste, etwas behindertes Einathmen, einzelnes Husten, Blin-zeln mit den Lidern und alsbaldiges Verschließen der Augen, deren Pupillen sichverengern; vermehrte Athemthätigkeit und vorübergehend beschleunigter, voller Puls,rascheres Sprechen, ängstliche, hin und wieder krampfhafte Bewegungen in den Ex-tremitäten, bald stille, bald lebhafte Delirien. Sodann folgen tiefe und gedehnteAthemzüge, sich stets steigernde Verlangsamung und Schwäche der Herz- und Arte-rienthätigkeit, Zittern der Hände und Füße, Fallenlassen der Arme und Ausstreckender Beine, Umsinken des Kopfes, lallende Sprache bei allenfallsigen Delirien, derenLaute allmälig auf den Lippen ersterben, leises Stöhnen, Erschlaffung sämmtlicherwillkürlicher Muskeln, Bewegungs- und Empfindungslosigkeit; Schlaf mit vollstän-diger Unthätigkeit der äußern Sinne, mit tiefem und schnarchendem Athem bei nurhin und wieder entstellten, meist normalen und freundlichen Gesichtszügen, gesundemund nur selten etwas bleichem, noch seltener lividem Kolorit, oftmals kühlem undreichlichen Schweiße im Gesichte und auf der Stirne, kühlen Extremitäten, geschlosse-neu Augen, deren Apfel mit erweiterter Pupille meist nach innen und oben gerich-tet sind oder konvulsivisch sich thätig hin und her bewegen. Nach längerer oder kür-tzerer Dauer entsprechend der Dauer der Einathmung — diese« pathologischenZustandes, wahrend dessen die Respiration gleichmäßig und unbehindert, wenngleichverlangsamt fortdauert, das Herz aber sich nur sehr langsam und merklich mühsambewegt, mit bis zu 36, 40 —45 Schlägen in der Minute verlangsamtem und klei-nem Pulse: sieht man die betäubten Individuen mit einem mal von selbst wie auseinem tiefen und erquickenden Schlafe erwachen, sich dehnen und recken, schläfrig die