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Die Unästhetischen Mittel.
«ine örtlich schmerzstillende Eigenschaft in sehr hohem Grade besitzt, und somitauch jenen Wunsch der leidenden Menschheit zu befriedigen sich anschickt. NachMialhe ist dieses neue chemische Präparat eine farblose, sehr dünne Flüssigkeit, vonätherisch-aromatischem Gerüche, ähnlich dem des Chloroform, oder noch besser demder Holländischen Flüssigkeit, und einem anfangs süßen, später pfefferartig brennendenGeschmack. Diese Flüssigkeit hat durchaus keine Wirkung auf das Lackmuspapicr,ist kaum löslich in Wasser, dagegen leicht, und vollkommen löslich in Alkohol, Ätherund in den meisten fixen und flüchtigen Ölen; sie ist ferner nicht entzündlich, worinsie dem „Chlororoform nahe kommt, von der Holländischen Flüssigkeit nnd denübrigen Atherarten aber sich unterscheidet, und ihr Siedepunkt schwankt zwischen110—130° 6.
Will man nun mit dem gechlorten Chlorwasserstoffäther Wirkung erzielen, d. h.den örtlichen Schmerz verschiedener Krankheiten durch örtliche Anwendung desselbenbeseitigen, so wendet man ihn in der Weise an, daß man auf eine schwach mitWasser befeuchtete Compresse, die man bereits um den Körpertheil gelegt hat, aufwelchen das Mittel einwirken soll, 15, 20, 25—30 Tropfen des gechlorten Chlor-Wasserstoffäthers aufträufelt, und die aufgelegte und somit getränkte Compresse her-nach mit Wachstaffet „oder geölter Seide bedeckt, um sie liegen zu lassen. Auch kannman den genannten Äther in Salbenform zur Anwendung bringen, etwa vier TheileAther aus 20 Theile Fett, nnd mit dieser Mischung die kranken Theile einfach ein-reihen. Schon binnen wenigen, etwa 27- —10 Minuten nach Anwendung desMittels entsteht vollkommene Schmerzlofigkcit in dem vordem schmerzhaften Theile,und nach 5—15 Minuten ergibt sich eine Gesühlsabstumpfung (Insensibilität)der Haut im Umfange der Einwirkung der Flüssigkeit und etwa rings noch zweiZoll darüber hinaus, von deren Vorhandensein man sich leicht durch Nadelstich«überzeugen kann. Allein nicht blos auf die Haut wirkt der gechlorte Chlorwasser,stoffälher, sondern seine Wirkung dringt auch tiefer, bis in die Muskeln, Gelenkhöh-len, ja selbst bis zu den in der Brust- und Bauchhöhle gelegenen parcnchymatösenEingeweiden, natürlich je nach der Quantität der zum Versuche verwendeten Flüs-sigkeit. Die Dauer dieser örtlichen Gefühllosigkeit wechselt gleichfalls je nach derverbrauchten Menge und der längere oder kürzere Zeit fortgesetzten Anwendung, be-trägt indessen bei physiologischen Versuchen im Mittel —1 Stunde, ein Zeitraum,der in pathologischen Fällen indessen viel größer zu sein Pflegt. Was die Krank-heiten betrifft, gegen deren Schmerzäußerungcn das neue Mittel bisher mit Erfolgangewendet worden ist, so stehen obenan die Fälle von acutem Gelenkrheumatismus,sowie von rheumatischen Muskclaffectionen und sogenannten rheumatischen Nerven-leiden, in welchen das Anästheticum die Kranken oft binnen wenigen Minuten vonihren Schmerzen zu befreien im Stande ist. Doch auch Fälle von chronischenrheumatischen Schmerzen sind dadurch gebessert., oder wenigstens in ihrem Verlaufeabgekürzt worden. Nach dem Rheuma sind es dann die periodischen Neuralgien, derGesichtsschmerz, halbseitige Kopfschmerz u. s. w., gleichviel welche primäre Ursachedenselben zu Grunde liegt, bei denen der gechlorte Chlorwasserstoffäther sehr häufigfast momentane Erleichterung verschafft, wenngleich er bisher noch selten im Standervar, trotz wiederholter Anwendung dauernd von diesen Leiden zu befreien. In gleicherWerfe "Ut Erfolg behandelt werden auch noch lebhafte Eingeweideschmcrzen, söge-nannte Koliken, Bleikoliken, Nierenkoliken, Blasenschmerzrn, Gebärmutterleiden, sowieauch die Heftigsten Schmerzen bei Entzündung des Rippen- und Bauchfells. Überhauptkann man in allen Fällen, in welchen ein lebhafter Schmerz an irgendeiner Stelledes Körpers besteht, gleichviel ob er allein die Krankheit ausmacht oder nur ein we-sentlicher Theil derselben ist, den Kranken ohne allen Nachtheil für längere oder kür-d«re Zeit durch ein- oder mehrmalige Anwendung des örtlichen Anästhcticums davonbefreien. Doch müssen ausgedehntere Beobachtungen hierüber vorerst noch abgewar-tet werden. Schade nur, daß dieses Mittel zur Zeit noch so schwierig zu bereitenund deshalb im Preise noch so theuer ist!